Ludwigshafen Zur Sache: Krankenfahrten sind Mangelware

Rettungsfahrt, Krankentransport, Krankenfahrt – klingt alles ähnlich. Ist es aber nicht. Hier die wesentlichen Unterschiede, die in der bundesweit geltenden Krankentransport-Richtlinie aus dem Jahr 2004 festgelegt wurden.
1. Rettungsfahrten werden mit dem Rettungs- oder Notarztwagen oder mit dem Rettungshubschrauber gemacht. Die medizinisch-technische Ausstattung ist auf Notfälle ausgelegt. Beispiel: Ein Schwerverletzter wird nach einem Unfall auf der Autobahn mit einem Rettungswagen abgeholt. Hier gibt es keine Änderung. Patienten, die aufgrund einer akuten Erkrankung oder Verletzung ins Krankenhaus gebracht werden müssen, können sich über die Notrufnummer 112 an den Rettungsdienst wenden. 2. Für Krankentransporte werden Krankentransportwagen genutzt. Diese haben eine Mindestausstattung, beispielsweise für Patienten, die Sauerstoff benötigen. Der Krankentransport ist für Patienten vorgesehen, die eine fachliche Betreuung brauchen, aber keine Notfälle sind. Beispiel: Ein Patient, der sich gerade eben das Bein gebrochen hat. Für die Bestellung von (planbaren) Krankentransporten kann man sich an Telefon 19222 wenden. 3. Bei Krankenfahrten geht es darum, dass der Patient zum Arzt oder ins Krankenhaus gefahren wird. Eine Krankenfahrt ist es, wenn der Patient, der sich ein Bein gebrochen hat, nach ein paar Wochen zum Röntgen ins Krankenhaus muss. Eine fachliche Betreuung im Wagen brauchen diese Patienten nicht. „Behandlungsserien wie Dialysen, Strahlen- oder Chemotherapien sind meist Krankenfahrten“, sagt Fred Blaschke, der Ärztliche Leiter der Rettungsdienste. Krankenfahrten sollen mit Privatautos, Taxen, Bussen oder der Bahn gemacht werden. Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet einen Fahrdienst an, Telefon 0621/62908160. Was bedeutet das? Für die Patienten bedeutet das, dass sie bei einem Anruf in der Leitstelle plausibel erklären müssen, warum sie eine medizinische Betreuung im Krankentransportwagen brauchen. Das DRK bietet zwar Krankenfahrten an, aber die Kapazität reicht nicht, wie einige Patienten erfahren haben. Anna Meinhardt, Geschäftsführerin der in Ludwigshafen ansässigen Rettungsdienst Vorderpfalz GmbH beim DRK, bestätigt, dass sie im Moment nicht die Nachfrage bedienen könne: „Wir sind an der Kapazitätsgrenze“, auch, weil die Anzahl der Krankenfahrten seit der strengeren Handhabe gestiegen sei. Das DRK habe in der Vorderpfalz sechs Fahrzeuge für solche Fahrten stationiert. Fünf hauptamtliche Mitarbeiter und mehrere 450-Euro-Kräfte fahren die Patienten, weitere Mitarbeiter würden gesucht. Meinhardt betont, dass das DRK diese Transporte aus einer „gesellschaftlichen Verantwortung“ heraus übernehme und den Patienten auch soziale Begleitung anbiete. Finanziell lohne sich das für das DRK nicht, sagt Meinhardt: „Es ist ein Minusgeschäft.“ Dass es für die Patienten, die Krankenfahrten benötigen, derzeit schwierig ist, räumt der Ärztliche Leiter der Rettungsdienste, Fred Blaschke, ein. Es gebe zudem zu wenig Anbieter. „Da ist ein Defizit da, weil der Markt bisher nicht dafür ausgelegt ist.“ Die Patienten „müssen sich letztendlich bemühen, private Leistungen zu bekommen“, sagt Blaschke. Die Einhaltung und Kontrolle der Krankentransport-Richtlinie hat sich nach seinen Worten positiv ausgewirkt: Die Wartezeiten für Krankentransporte hätten sich halbiert.
