Ludwigshafen / Frankenthal
Zu sechst gegen einen: Schläger aus Ludwigshafen steht vor Gericht
In einem Fall soll der Angeklagte in der Rolle eines „Geldeintreibers“ als Anführer einer sechsköpfigen Gruppe junger Männer einen 33-Jährigen in Friesenheim aufgesucht und zusammengeschlagen haben. Das Opfer erlitt einen Bruch des Nasenbeins und weitere Gesichtsverletzungen. Um seinen Fall ging es hauptsächlich bei der Verhandlung am Montag.
Er habe im März 2025 einem Freund des Angeklagten namens Hamza Geld geschuldet, etwa 250 Euro, erzählte der 33-Jährige im Zeugenstand. Wofür er das Geld damals brauchte, wolle er nicht sagen, antwortet er auf die Nachfrage des Richters. Der Angeklagte habe ihn am 31. März angerufen, dass er mit Freunden vor seiner Haustür stehe, er solle herunterkommen. Wie der 33-Jährige erzählte, habe er noch schnell ein Küchenmesser eingesteckt, weil er fürchtete, dass es Ärger geben könne und er sich verteidigen müsse.
Erst aufs linke, dann aufs rechte Auge
Vor der Tür sei der Angeklagte, den er zuvor nur flüchtig kannte, zusammen mit Hamza und vier weiteren jungen Männern gestanden. Der Angeklagte sei der Wortführer gewesen. Er habe versucht, zu beschwichtigen und gesagt, dass er das restliche Geld am nächsten Tag bringen werde, sagte der 33-Jährige.
Doch die Männer hätten offenbar nur auf ein Zeichen des Angeklagten gewartet. Einer in heller Jacke habe ihm einen Faustschlag auf das linke Auge gegeben, dann habe ihm der Angeklagte mit der Faust auf das rechte Auge geschlagen. Anschließend hätten auch die anderen auf ihn eingeschlagen, schildert der Geschädigte die Situation. Er habe sich nicht gewehrt, sondern versucht zu flüchten, dabei sei ihm das Küchenmesser aus der Hose gefallen. Man habe ihn festgehalten und weiter geschlagen. Erst als das Blut aus der Nase lief, habe man von ihm abgelassen.
„Sie wussten, wo ich wohne“
Am Abend sei er dann in eine Bar in Friesenheim gegangen, wo sich Hamza aufhielt, und habe die restlichen 220 Euro abgeliefert, erzählt der 33-Jährige, der selbst einen Mitgrationshintergrund hat. Zuvor sei er im Klinikum zur Behandlung gewesen.
Der Arztbericht der Notaufnahme, den Richter André Bohlender vorliest, listet die Verletzungen auf. Zunächst ein gebrochenes Nasenbein, das operativ versorgt werden musste. Dazu ein ringförmiges Hämatom um die Augen, ein beschädigter Zahn, Prellungen an Rippe und Handgelenk. Er habe in der Zeit auch psychisch gelitten, habe Angst gehabt, denn „sie wussten, wo ich wohne“, sagt der Geschädigte. Er sei deshalb aus Ludwigshafen weggezogen.
Zwei Tage später habe er Anzeige bei der Polizei erstattet und dort den Angeklagten und Hamza als Täter genannt. Im Internet gebe es Musikvideos, in denen sich die Gruppe um den Angeklagten als Gangster-Rapper mit Maskierung präsentieren, erzählt der Geschädigte. Bilder davon habe er der Polizei geschickt, um die Täter zu überführen. Er habe trotz der Maskierungen in den Videos neben dem Angeklagten mehrere Personen erkannt, die unter den Schlägern waren, ist sich der 33-Jährige sicher. Diese Umstände bestätigt ein mit dem Fall betrauter Beamter der Ludwigshafener Polizei.
Verfahren gegen zwei weitere Verdächtige
Obwohl im Gerichtssaal nur wenige Schritte voneinander entfernt, vermeiden Angeklagter und Geschädigter den direkten Blickkontakt. Klar ist, dass das 33-jährige Opfer sich nicht einschüchtern lässt. Er will, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.
Ob für die sechs angeklagten Fälle gefährlicher Körperverletzung, bei denen der Angeklagte jeweils mit einer Gruppe agierte, noch weitere Personen angeklagt werden, ist derzeit offenbar noch unklar. Wie Staatsanwalt Roman Goerge gegenüber der RHEINPFALZ sagte, werde weiter ermittelt. Es gebe Verfahren gegen zwei weitere Verdächtige, aber noch keine Anklagen.