Fragen und Antworten
Wie künftig in Ludwigshafen geheizt werden soll
Um was geht es?
In der Europäischen Union soll bis 2045 Klimaneutralität erreicht werden – beim Verkehr, in der Industrie und auch beim Heizen. Die deutsche Bundesregierung hat deshalb die Kommunen verpflichtetet, einen sogenannten Wärmeplan bis Ende 2026 zu erstellen. Der Plan soll Gebäudeeigentümern zeigen, wo in einer Gemeinde wie geheizt werden kann.
Wie ist die Lage in Ludwigshafen?
Am meisten Fernwärme wird im Müllheizkraftwerk produziert, wie Umweltdezernent Alexander Thewalt (parteilos) erläutert. Eine größere Rolle soll künftig die Anlage spielen, in der Klärschlamm aus der BASF-Kläranlage verbrannt wird. Bisher wird die Pfingstweide und ein Teil von Edigheim von dort aus mit Fernwärme versorgt, nach einem Ausbau soll auch Frankenthal ans Netz angeschlossen werden. Außerdem gibt es ein dezentrales Blockheizkraftwerk im Süden von Ludwigshafen.
Welche Rolle spielt künftig Fernwärme?
Momentan werden nach Angaben der TWL 27 Prozent der Ludwigshafener Haushalte mit Fernwärme beheizt. „Bis 2045 wollen wir über 50 Prozent mit grüner Wärme versorgen“, sagt Thomas Mösl, technischer TWL-Vorstand. Klar sei, dass die Müllverbrennung weiter eine wichtige Rolle spiele, doch bei der Befeuerung der Müllkessel soll der Anteil fossiler Brennstoffe reduziert werden, sagt Umweltdezernent Thewalt. Gemeinsam mit den Stadtwerken Frankenthal wurde zudem das Projekt „Wärmewende Vorderpfalz“ ins Leben gerufen. Dabei soll die Abwärme aus Abwässern in der BASF-Kläranlage und eventuell auch aus der städtischen Kanalisation in Heizenergie umgewandelt werden. Die TWL werden aber aus wirtschaftlichen Gründen das Fernwärmenetz nicht auf das ganze Stadtgebiet ausdehnen. Die Ausbaukosten lohnen sich nur dort, wo eine hohe Wohndichte vorhanden ist.
Was ist mit Häusern ohne Fernwärmeanschluss?
Momentan werden noch über 50 Prozent der Gebäude mit Erdgas beheizt. Ein über 500 Kilometer langes Leitungsnetz versorgt die Haushalte. Die TWL wollen dieses Netz nicht stilllegen. Absehbar sei aber, dass der Erdgaspreis bis 2045 immer weiter steigen werde. Laut TWL-Vorstand Mösl werde momentan überlegt, „grünes Gas“ einzusetzen, das über das vorhandene Netz zum Kunden kommt. Auch Nahwärmenetze sind in Planung ebenso der Einsatz von Wärmepumpen. Etwa 15 Prozent der Gebäude haben Ölheizungen. Auch hier werden Eigentümer in den kommenden Jahren über Alternativen nachdenken müssen. Hält die Heizung durch, muss erstmal nichts geändert werden. Ist die Anlage nicht mehr zu reparieren, gelten langjährige Übergangsfristen für die Umrüstung.
Was sollen Hausbesitzer nun tun?
Die Wärmeplanung für Ludwigshafen ist noch in Arbeit und soll bis Ende 2026 vorliegen. Was sich in jedem Fall lohnt, ist eine gute Dämmung von Häusern, um den Energieverbrauch beim Heizen zu senken. Auch der Einsatz von Solarenergie kann überlegenswert sein. „Es wird nicht die eine Heizlösung für alle geben. Es wird ein Mix aus verschiedenen Angeboten geben. Absehbar ist jetzt schon, dass dabei Fern- und Abwärme sowie Wärmepumpen eine wichtige Rolle spielen“, sagt Sarah Henn von der Energieberatungsagentur Enerko, die für die TWL und die Stadt tätig ist. „Wir werden niemand im Regen stehen lassen“, sagt TWL-Vorstand Mösl.
Noch Fragen?
Über die Entwicklung der Wärmeplanung und Fakten dazu können sich Bürger auf www.ludwigshafen-diskutiert.de informieren.