Interview
Wie es im Bliesbad nach dem Abschied des Fördervereinschefs weitergeht
Herr Beringer, wie ist die Saison an der Blies gelaufen?
Es war eine schwierige Saison, weil wir wieder einiges ins Bad investiert haben. Zum Beispiel haben wir eine neue Kreislaufpumpe für die Wasseraufbereitung im Kinderschwimmbecken gebraucht. Die hat 24.000 Euro gekostet, nachdem wir dort erst letztes Jahr für 10.000 Euro die Chemiezufuhr und -analyse automatisiert haben. Und dann kam der schwache Saisonstart, an dem wir praktisch keine Einnahmen hatten, weil es zu nass und zu kühl war. Das hat sich zwar im Juli und August wieder etwas erholt, aber ich schätze, dass wir, inklusive der Kleinkinder, die keinen Eintritt zahlen, am Ende bei rund 40.000 Besuchern landen werden – dem schlechtesten Besuch, seit ich 2015 im Vorstand mitarbeite.
Hatte das Auswirkungen auf die Besucher?
Leider ja. Wir orientieren uns mittlerweile an den Wettervorhersagen, damit wir uns das Kassenpersonal einsparen. Dieses Jahr war von den 112 Saisontagen seit Mitte Mai an rund einem Drittel der Tage kein Badewetter.
Sie waren 2005 schon einmal Vorstand …
Stimmt, aber das war nur ein Dreivierteljahr, weil ich zwar nominell der Vorsitzende war, aber Manfred Reimann weiter das Sagen haben wollte. Da habe ich gesagt, dass ich das nicht mehr mitmache und bin zurückgetreten. Erst 2015 habe ich mich dann wieder zur Verfügung gestellt. Zunächst nur als stellvertretender Vorsitzender mit meiner Frau Ulrike als Schatzmeisterin. Ein Jahr später dann als Vorsitzender im Team mit meiner Frau als Schatzmeisterin.
Was hat sich seither im Bad geändert?
Wir haben hier einiges bewegt. Allerdings sieht man das meiste davon nicht, weil die Technik unter der Erde liegt. Mit das Erste war damals die neue Toilettenanlage für Damen, Herren, Behinderte und ein Wickeltisch, alles in Containerbauweise. Die vorherigen Damentoiletten waren nicht mehr zu betreiben. Das war gleich eine Investition von 50.000 Euro.
War das Geld in der Kasse vorhanden?
Der Verein hatte immer Geld auf dem Konto. Allerdings nicht so viel, wie es eigentlich hätte sein können. Deshalb habe ich direkt die Wertmarkenrollen abgeschafft und gegen eine Registrierkarte ersetzt. Jetzt sieht man jeden Abend direkt, was eingetippt wurde und was tatsächlich in der Kasse ist. Seither wurde das Kapital stetig mehr. So konnten wir direkt das zweite Projekt angehen. Das war eine Beregnungsanlage für die Wiese, die automatisch nachts läuft. Ich denke, dass wir in den vergangenen zehn Jahren sicher weit über 300.000 Euro ins Bad investiert haben.
Wie viele Mitglieder hat der Verein?
Als ich angefangen habe, waren es rund 120. Während Corona, als nur Mitglieder ins Bad durften, lagen wir bei 1200. Das war allerdings das Limit, weil die Richtlinien besagt hatten, dass jeder Besucher zehn Quadratmeter für sich braucht, und wir haben 12.000 Quadratmeter Liegefläche. Mittlerweile liegen wir bei rund 600 Mitgliedern.
Und wie viele Besucher lassen Sie ohne Corona auf das Gelände?
Vor Jahren gab es einmal einen Tag, als das Willersinn-Freibad wegen Überfüllung niemanden mehr auf das Gelände gelassen hat. Da sind die Leute von dort zu uns gekommen. Da war es wirklich voll. Ich schätze mal, dass wir an dem Tag rund 3500 Besucher hatten. Dieses Jahr war es wesentlich ruhiger. Da lagen die besten Tage vielleicht bei 1500 bis 2000 Besuchern.
Und das alles wird ehrenamtlich gestemmt?
Schon lange nicht mehr! Wir haben zwar ein paar Leute, die noch ehrenamtlich mitarbeiten, und den Vorstand, der sich nicht einmal eine Aufwandsentschädigung gönnt. Aber wir haben mittlerweile einige Angestellte. Unseren Hausmeister mit einer Unterstützung auf dem Gelände, die fünf Kassierer, und wir haben mittlerweile eine Reinigungsfirma für Umkleidekabinen und Toiletten. Zum Glück haben wir hier ein problemloses Publikum. Viele Familien mit kleinen Kindern. Deshalb brauchen wir nicht auch noch einen Sicherheitsdienst. Den hatten wir damals während Corona. Das hat uns eine ganz schöne Stange Geld gekostet.
Was macht die Badestelle an der Blies so besonders?
Es ist ein Kleinod, das mitten in der Stadt liegt. Dabei ist es verwunderlich, dass auch viele Ludwigshafener die Blies gar nicht kennen. Das habe ich während meines Berufslebens gemerkt. Da habe ich die Kollegen von der BASF hierher eingeladen, und für manche war das der erste Besuch hier.
Ist der Sonntag für Sie auch der letzte Arbeitstag hier?
Nein. Wenn ich die letzten Besucher per Handschlag aus dem Bad verabschiedet habe, liegt zunächst noch ein Helferessen an. Dann kommt im Herbst sicher noch eine Laubsammelaktion, und wir müssen das Bad noch winterfest machen. Und als Letztes wollen wir noch die Urinale erneuern.
Was kommt dann noch auf den neuen Vorstand zu?
Das weiß ich nicht. Er muss seine eigenen Schwerpunkte setzen. Er soll einfach sein Ding machen und neue Ideen einbringen. Ich werde mich dann nicht mehr einmischen. Aber sicher ist, dass ihm die Arbeit nicht ausgehen wird.
Wann ist die Wahl?
Das wissen wir noch nicht genau. Wir erstellen noch die Bilanz, die im Januar überprüft wird. Wenn das steht, suchen wir nach einem Termin für die Jahreshauptversammlung. Wahrscheinlich irgendwann im März.
Haben Sie denn einen Nachfolger?
Ja. Das war mir wichtig, weil Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) damit gedroht hat, die Badestelle zu schließen, wenn sich kein Vorsitzender für den Förderverein findet. Aber es wird weitergehen!
Zur Person
Hans-Jürgen Beringer ist 66 Jahre alt, verheiratet, hat einen Sohn und einen Enkel. Ursprünglich aus der Niederfeldsiedlung, lebt er mittlerweile in der Gartenstadt und hat aufgrund der räumlichen Nähe schon immer einen Bezug zur Blies. Der gelernte Einzelhändler begann nach der Bundeswehrzeit zunächst als ungelernter Chemiearbeiter bei der BASF und arbeitete sich nach einer Ausbildung bis zum Produktionsmanager nach oben, bevor er 2021 in den Ruhestand ging. Im Förderverein Bliesbad wurde er erstmals 2005 zum Vorsitzenden gewählt, trat aber nach rund neun Monaten von seinem Amt zurück. 2015 wurde er zunächst zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, übernahm dann nach einem Jahr den Vorstand. Zu seinen Hobbys zählt er Familie, Musik mit Gitarre und Keyboard, Aquaristik sowie Gartenarbeit.