SPORTLER IM BLICK RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Claus Liedy vom Turner zum Eishockey-Chef des ERC Ingolstadt wurde

Claus Liedy in seiner Zeit beim TB Oppau. In der Schule wurde er für das Turnen entdeckt.
Claus Liedy in seiner Zeit beim TB Oppau. In der Schule wurde er für das Turnen entdeckt.

Hin und wieder verlassen Kurpfälzer ihre Heimat. Die Kurpfalz lässt aber keinen Menschen los, der hier verwurzelt ist. Als der Geschäftsführer des ERC Ingolstadt kürzlich interviewt wurde, gab es eine Überraschung. Die Worte von Claus Liedy verrieten den gebürtigen Ludwigshafener. Den ehemaligen Bundesligaturner des TB Oppau hat es aber erst spät zum Eishockey verschlagen.

Es soll vorkommen, dass Menschen aus Ludwigshafen bundes-, ja sogar weltweit tätig sind. Nicht selten hat ein großes Chemieunternehmen mit vier Buchstaben einen Anteil daran. So auch bei Claus Liedy. Nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium begann der heute 57-Jährige seine berufliche Laufbahn bei der Knoll AG, die zur Pharmasparte der BASF wurde. Für die war er nach seinem berufsbegleitenden Studium an der Fachhochschule weltweit unterwegs und hatte am Ende seinen Sitz in der Schweiz. Nach dem Verkauf der Pharmasparte durch den Mutterkonzern orientierte sich Liedy um. Der Spezialist für Finanzen, Logistik und IT wechselte nach Ingolstadt zur Mediamarktsaturn-Gruppe und wurde Bereichsleiter Controlling. Von 2007 bis 2011 baute er als Geschäftsführer das Türkeigeschäft in Istanbul auf, ehe er 2011 an die Donau zurückkehrte und 2019 planmäßig aus der Gruppe ausschied. Für Liedy begann ein neuer Lebensabschnitt. Aus dem Turner wurde ein Eishockeysportler. Der Ludwigshafener übernahm die Geschäftsführerposition beim ERC Ingolstadt.

„Für mich ist das eigentlich keine neue Aufgabe“, sagt der 57-Jährige. Eine Geschäftsführertätigkeit umfasse immer die gesamte Bandbreite. „Und aus dem sportlichen Bereich halte ich mich komplett heraus.“ Schade eigentlich, denn er könnte den Spielern des ERC sicher auch noch den einen oder anderen Tipp für die Trainingseinheiten mitgeben, auch wenn seine sportlichen Wurzeln ganz woanders liegen.

„Unser Vater hätte gerne gesehen, wenn wir Läufer geworden wären“, sagt Liedy. Vater Günther, Internist in Edigheim, war 1979, mit 48 Jahren, Bahnradweltmeister der Mediziner. Den Kindern hatte er den Langstreckenlauf als gesunden Ausgleich für das Kreislaufsystem verordnet. Zumindest im Fall von Claus kam das anders: „Ich wurde bei einer Sichtung in der Schule für den Turnsport entdeckt.“ Bei der TSG im Geburtsort Friesenheim ging es los, „so mit acht oder neun Jahren“. Und offensichtlich hatten die damaligen Talentsucher einen guten Blick, denn schon wenig später wechselte Liedy ins Leistungszentrum nach Oppau, „wo ich noch für rund zehn Jahre unter Philipp Fürst trainieren durfte“. Die Bundesliga-Turnriege des TB Oppau verstärkte er unter anderem an der Seite von Volker Rohrwick. Und zwar mindestens von 1982 bis 1986, wie das Archiv des Turnerbundes aussagt.

Ziel sind die Playoffs

Er hatte allerdings schon früh Kontakt zum Eissport. „Meiner Schwester zuliebe stand ich als Kind hin und wieder im Stadion an der Saarlandstraße auf Schlittschuhen.“ Auch im altehrwürdigen Eisstadion im Mannheimer Friedrichspark war er als Schüler und auch später noch hin und wieder zu Gast. So richtig infiziert wurde der Ludwigshafener allerdings erst in Ingolstadt. „Darauf hat mich mein Vermieter gebracht“, erklärt er. In der knapp 5000 Zuschauer fassenden Saturn Arena erwärmte er sich als regelmäßiger Besucher für die Dynamik der Sportart und die Stimmung, die in deutschen Eisstadien vor der Pandemie an der Tagesordnung war. Der Kaufmann musste deshalb nicht lange überlegen, als der ERC bei ihm anfragte: „Der ERC war schon immer ein gut geführter Club. Das hat mir den Einstieg leicht gemacht.“

Auf der Geschäftsstelle wartete viel Arbeit. „Meine Anfangszeit fiel genau in den Beginn dieser dramatischen Entwicklung.“ Der Sommer sei deshalb geprägt gewesen von Unsicherheit über den Wiederbeginn, von Verhandlungen mit Spielern rund um den neuen wirtschaftlichen Rahmen und von Gesprächen mit Partnern und Sponsoren. „Das war nicht leicht, aber es ist befriedigend, dass wir alles gemeistert haben.“ Auch sportlich zeigten sich die Ingolstadter unter den neuen Bedingungen als konkurrenzfähig, liegen vor Beginn der Überkreuz-Runde mit den Mannschaften der Nordgruppe klar auf Playoff-Kurs. Dann könnte es auch zu einem Wiedersehen in der Kurpfalz kommen.

„Aber bitte erst im Finale“, hofft Liedy, der nur noch wenig Verbindungen in die Kurpfalz und nach Ludwigshafen hat. „Verwandtschaft ist hier keine mehr, aber meine ältesten und damit auch besten Freunde kommen aus Ludwigshafen.“ Und der gute Pfälzer Wein sei ein weiterer Grund für regelmäßige Besuche. Mit einem Missverständnis will Claus Liedy aber noch aufräumen: „Mit Gerhard Liedy bin ich nicht verwandt.“ Die Turnikone der TSG Haßloch sei als Trainer eher im Frauenturnen aktiv gewesen. Auch an ihn schickt der ehemalige Turner und heutige Chef einer Eishockey-Organisation „liebe Grüße in die Heimat“.

ERC Ingolstadts Manager Claus Liedy.
ERC Ingolstadts Manager Claus Liedy.
Craig Schira von den Adlern Mannheim (blauer Dress) im Duell mit dem Ingolstadter David Elsner.
Craig Schira von den Adlern Mannheim (blauer Dress) im Duell mit dem Ingolstadter David Elsner.
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