Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Warum Pfarrerin Frauke Fischer auf Instagram tanzt

Selfies macht Frauke Fischer häufiger mal mit ihrem Smartphone, denn auch privat nutzt sie die Sozialen Medien. Dort folgt sie b
Selfies macht Frauke Fischer häufiger mal mit ihrem Smartphone, denn auch privat nutzt sie die Sozialen Medien. Dort folgt sie beispielsweise Josephine Teske auf Instagram, deren Account »Seligkeitsdinge« sehr erfolgreich ist. Teske ist Pfarrerin in Norddeutschland.

Pfarrer, die in der Kirche tanzen? Gibt es. Frauke Fischer ist Pfarrerin zur Dienstleistung im Kirchenbezirk Ludwigshafen. Und neben Beerdigungen, Trauungen und Konfirmandenarbeit groovt die 40-Jährige regelmäßig gemeinsam mit dem protestantischen Dekan Paul Metzger übers Smartphone-Display.

„Ich möchte zeigen, dass Kirche nicht langweilig ist“, sagt Frauke Fischer. Wir treffen uns zum Gespräch im Protestantischen Dekanat in der Innenstadt. Schnell wird klar: Die 40-Jährige steht zu dem, was sie macht – frei davon, was andere darüber denken. Und sie kann mit ihrer offenen Art und ihrer Begeisterung anstecken. Die Institution Kirche und damit auch ihr Beruf würden immer noch unter einem veralteten Image leiden. Auf so mancher privaten Feier traue sie sich gar nicht mehr zu sagen, dass sie Pfarrerin ist, berichtet Fischer. Denn da gäbe es schon mal Kommentare wie: „Was? Du gehst tanzen, obwohl du Pfarrerin bist?“ Sie sei sich ihrer Vorbildfunktion bewusst, sagt Fischer. „Aber ich bin auch ein Mensch“, ergänzt die Friesenheimerin. Und genau das möchte sie mit ihrer Arbeit vermitteln.

Rheinländerin in LU

Frauke Fischer kommt aus dem Rheinland. „Ich hatte bei meiner Konfirmation eine tolle Pfarrerin“, berichtet sie. Sie begann damals, sich im Helferkreis ihrer Kirchengemeinde zu engagieren und war sehr aktiv in der Jugendarbeit. Es folgte ein Praktikum in der Gemeinde und die Entscheidung fürs Theologiestudium: erst in Bielefeld, dann in Leipzig und Halle, das Examen dann in Wuppertal. Ihr Vikariat begann Frauke Fischer in Duisburg, wo sie mit ihrem Mann wohnte. Der wechselte beruflich zur BASF. Und so kamen beide 2014 nach Ludwigshafen – aus Überzeugung. „Ich bin gerne hier!“, betont Fischer.

Sie beendete ihr Vikariat in Maudach, wo sie 2016 auch ihre erste Pfarrstelle antrat. Die hatte sie bis 2018 und stieg mit ihrer zweiten Schwangerschaft aus. Zwischendurch arbeitete sie auf einer halben Stelle in der Jona-Kirchengemeinde. Jetzt ist die dreifache Mutter – ihre beiden Söhne sind sechs und sieben, ihre Tochter ist drei Jahre alt – mit 25 Stunden pro Woche Pfarrerin zur Dienstleistung. „Ich bin quasi die Feuerwehr“, erklärt sie schmunzelnd. Wenn jemand ausfällt, übernehme sie Beerdigungen, auch Trauungen und Taufen. Und in den nördlichen Stadtteilen ist sie für die Konfirmandenarbeit zuständig.

Eine volle Pfarrstelle würde sie gar nicht mehr wollen. Etwa weil die Zeit für die Familie fehlt und es in vielen Köpfen immer noch das Bild eines Gemeindepfarrers gebe, der sieben Tage die Woche, 24 Stunden erreichbar ist. Außerdem sei immer mehr Bürokratie „obendrauf“ gekommen. „Jetzt mache ich das, wofür ich studiert habe“, sagt sie und das auch mal unkonventionell. So habe sie auch schon einen Hochzeitsgottesdienst in der Beachbar am Willersinnweiher abgehalten, war beim Tauffest 2023 auf der Parkinsel dabei und wird es bei den Pop-up-Trauungen am 14. September in der Melanchthonkirche sein. Und sie tanzt eben gern.

Jede Woche ein neuer Tanz

Getanzt wird auf dem Instagram-Account des Kirchenbezirks seit März 2023. Angefangen habe alles bei einem Workshop, zu dem der Dekan alle Pfarrer „U40“, also unter 40 Jahren, aus dem Kirchenbezirk eingeladen hatte, berichtet Fischer. „Wir können ja mal ein Tänzchen machen“, habe sie spontan vorgeschlagen. Der erste Versuch war zum Song „Green Green Grass“ von George Ezra. Und das Ergebnis? Fischer lacht: „Noch nicht mal mittelmäßig.“ Aber es habe Spaß gemacht. 1600 Mal wurde das Video aufgerufen. Inzwischen erreichen einige der Tänze über 7000 Views. Alle sechs Wochen gibt es einen Termin, an dem sechs Tänze aufgenommen werden, sodass einmal pro Woche ein neuer online geht. Oft orientiere man sich an Reels – also kurzen Videos – die gerade im Netz beliebt sind.

Auch wenn sie eine große „Fanbase“ hätten und hauptsächlich positive Rückmeldungen bekommen, seien die Videos nicht unumstritten. Vor allem, weil Frauke Fischer, Paul Metzger und andere immer wieder im Talar tanzen. Wieso man so etwas machen müsse, werde sie gefragt. „Wir müssen das nicht“, sagt sie. „Aber niemand denkt, dass Kirche tanzt.“ Und genau das möchte sie zeigen: „Kirche sollte zum Leben dazugehören und nicht vom Leben abhalten“, sagt sie mit Nachdruck. Die Tanzvideos hätten keinen hohen theologischen Anspruch. Doch: „Alleine, wenn wir den Menschen ein kleines Schmunzeln auf die Lippen zaubern“, habe es sich schon gelohnt. Und vielleicht kann sie ein kleines bisschen am verstaubten Image der Kirche rütteln. Die sei eben nicht langweilig. Im Gegenteil: Sie ist offensichtlich experimentierfreudig – und rhythmussicher.

Im Netz

Der Kirchenbezirk Ludwigshafen ist auf Instagram zu finden unter @kirchenbezirk.ludwigshafen. Auch auf der Facebook-Seite des Kirchenbezirks werden die Videos von Frauke Fischer und ihren Kollegen geteilt.

Völlig losgelöst: Frauke Fischer und Dekan Paul Metzger (rechts) tanzen zu „Major Tom“.
Völlig losgelöst: Frauke Fischer und Dekan Paul Metzger (rechts) tanzen zu »Major Tom«.
x