Interview
Pop-up-Trauungen: „Ein Segen braucht keine Vorbereitung“
Herr Geburek, werden Trauungen am Fließband, wie sie am 14. September zwischen angeboten werden sollen, der Würde der Zeremonie gerecht?
Wir starten einen Versuchsballon, weil wir denken, dass wir damit ein Publikum erreichen können. Für die parallele Auflage auf dem Dürkheimer Wurstmarkt liegen bereits über 30 Anmeldungen vor.
Besiegelung des Bundes fürs Leben im Schubkarchstand, im Weindorf, vorm Riesenrad – kommt da der Berg zum Propheten, weil Menschen nicht mehr in die Kirche kommen wollen?
Das ist ein Beweggrund, aber nicht der einzige. In Frankenthal und Lambsheim wählen wir – wie die Kollgen in Ludwigshafen – ja nicht diese spektakuläre Bühne. Hier machen wir zwei Angebote in der Kirche: von 10 bis 15 Uhr mit Pop-up-Trauungen in der Zwölf-Apostel-Kirche in Frankenthal und um 16 Uhr mit einem zentralen Trau-Gottesdienst in der protestantischen Kirche in Lambsheim.
Da kommt ein Paar einfach hin, um sich den Segen abzuholen?
Im Prinzip ja. Die eigentliche Zeremonie dauert etwa 20 Minuten. Zuvor ziehen wir uns kurz zurück, machen es uns gemütlich, und das Paar erzählt aus dem gemeinsamen Leben. Dabei können auf Wunsch auch ein Trauspruch und Lieblingsmusik angegeben, alternativ ausgewählt werden. Das lässt sich alles in allem in einer Stunde organisieren. Wer es etwas festlicher haben will, kann nachmittags nach Lambsheim kommen. Zum Abschluss feiern wir mit allen, denen mit uns nach feiern ist, dort einen Hochzeits-Tanzball unter dem Motto „Liebenswert“.
Können Familie und Freunde mitgebracht werden?
Klar, das muss aber nicht sein. Am wichtigsten sind die beiden Menschen, die ja zueinander sagen wollen. Seit 1998 sind nicht einmal mehr Trauzeugen verpflichtend.
Was war der Auslöser für dieses unkonventionelle Angebot an Kurzentschlossene?
Verschiedene Bemerkungen, die auch bei mir immer wieder angekommen sind: „Wir hatten damals kein Geld für eine kirchliche Trauung.“ „Corona hat uns einen Strich durch unsere Planung gemacht.“ „Eigentlich schade, dass wir nach so vielen Jahren noch nicht über eine kirchliche Trauung nachgedacht haben.“ Manche schreckt es auch ab, große Erwartungen erfüllen und ein rauschendes Fest organisieren zu müssen. All dies Bedenken wollen wir ausräumen. Ich bin immer schon gerne Menschen entgegengekommen, etwa auf dem Sportplatz. Und wenn ich ihnen Steine aus einem Weg räumen kann, den sie gerne gehen wollen, entspricht das doch meinem Auftrag.
Fallen für die Trauung Gebühren an?
Nein, wir freuen uns aber über eine Spende.
Und eine solche Spontantrauung ist kirchenrechtskonform?
Ja. Offiziell eingetragen werden kann sie aber nur, wenn einer der beiden Partner evangelisch ist und ihr eine standesamtliche Trauung vorausgegangen ist. Das kann dann mit der Urkunde belegt werden.
Wenn Sie von Partnern reden, beziehen Sie auch gleichgeschlechtliche Paare ein?
Gerne. Nach evangelischem Kirchenrecht können auch gleichgeschlechtliche Paare unseren Segen erhalten.
Wird unterschieden zwischen Trauung und Segnung?
Einer förmlichen Trauung muss ein standesamtlicher Akt vorausgegangen sein. Segnen lassen kann sich jedes Paar.
Und das trauen Sie sich auf die Schnelle zu, ohne tiefer in die Biografien eingedrungen zu sein?
Ein Segen braucht keine großartige Vorbereitung.
Ein Traugespräch braucht doch schon ein bisschen Einfühlungsvermögen.
Nach all den Jahren im seelsorgerlichen Dienst traue ich mir zu, mich schnell auf Gesprächspartner und deren Bedürfnisse einstellen zu können. Wer sich zu solch einem Schritt entscheidet, dem geht es ja nicht darum, eine Formalität zu erfüllen, eine Unterschrift zu leisten und am Altar vorbeizurauschen. Ein solches Paar geht da ja einen überlegten Schritt.
Also kein Speed-Wedding?
Nein, sondern gesenkte Hürden für die, die es eine Nummer kleiner oder individueller mögen. Im Zentrum steht der Akt der Trauung, die Konzentration aufs Wesentliche. Und damit vielleicht der bewusste Verzicht auf den Junggesellenabschied und das große Fest.
Ist eine Anmeldung erforderlich?
In der Zwölf-Apostel-Kirche kann man einfach vorbei kommen, mehrere Geistliche empfangen Gäste vor Ort. Nur für Lambsheim ist eine Anmeldung notwendig, über die Pfarrämter oder per E-Mail an liebenswert@evkirchepfalz.de.
Richten Sie sich auch an diejenigen, die ihr Eheversprechen erneuern wollen?
Nein, „Liebenswert“ knüpft ausdrücklich nicht an einen vorherigen kirchlichen Akt an und richtet sich auch nicht an Jubelhochzeitspaare. Dafür haben wir andere Formate.
Und wenn ich die Idee charmant finde, am 14. September aber keine Zeit habe?
Dann können Paare gerne Kontakt mit den Pfarrämtern aufnehmen, dafür finden wir eine Lösung. Am Termin soll ein Segen nicht scheitern.
Sie sind seit 28 Jahren mit Ihrer Frau Britta Geburek-Haag verheiratet, ebenfalls eine Pfarrerin. Wäre für Sie seinerzeit eine „Hochzeit to go “ in Frage gekommen?
Für uns wäre das keine Option gewesen, für andere schon. Wir wollten bewusst im großen Kreis heiraten, mit Familie und Freunden. Im Standesamt waren wir aber nur zu viert, meine Frau, ich und unsere Trauzeugen.
Termine
- Frankenthal/Lambsheim: Samstag, 14. September, 10 bis 15 Uhr, Zwölf-Apostel-Kirche in Frankenthal und 16 Uhr, evangelische Kirche in Lambsheim. Anfragen und Rückmeldungen per E-Mail an liebenswert@evkirchepfalz.de. Nähere Infos im Netz unter www.blessed-pfalz.de.
- Ludwigshafen: Samstag, 14. September, 11 bis 17 Uhr, Melanchthonkirche, Maxstraße. Fragen zu Pop-up-Trauungen beantwortet Citykirchen-Pfarrerin Susanne Schramm per E-Mail an susanne.schramm@evkirchepfalz.de. Bei ihr kann man sich auch ein Zeitfenster reservieren.
Zur Person
Götz Geburek (59) ist seit gut einem Jahr evangelischer Pfarrer in Lambsheim. Der studierte Maschinenbauer hat danach ein Studium der Theologie angefügt. Nach einer Pfarrstelle in Ludwigshafen-Maudach, die er sich zeitweise mit seiner Frau geteilt hatte, war der Vater zweier erwachsener Kinder in der Nachbarstadt als Schulpfarrer, später auf einer Pfarrstelle in Homburg tätig.