Ludwigshafen
Warum in 35 Schaufenstern Kunst zu sehen ist
Mit zwölf Standorten in der Stadt, an denen Kunstwerke lokaler und überregionaler Künstler aufgestellt wurden, ist die Aktion „Raum für Kunst“ vor rund sieben Wochen in Ludwigshafen gestartet. Nun, wenige Wochen vor Weihnachten, sind es 34 Geschäfte, Cafés, Büros, Apotheken, Friseurläden – ja sogar ein Yogainstitut, eine Musikschule und das Studio von Rockland Radio –, in deren Schaufenstern und Innenräumen Kunstwerke bestaunt werden können. Ein weiterer Standort wird außerdem noch hinzukommen, um die 35 aus der Frankenthaler Aktion zu erreichen, wie Initiatorin Nicoleta Steffan berichtet. „Wir haben ein großartiges Tempo aufgenommen, sind bei den Anfragen auf viel Zuspruch gestoßen und haben auch unser Team erweitert“, erzählt sie der RHEINPFALZ. Neben den beiden Künstlerinnen Nicoleta Steffan und Ingrid Hess sowie Nukleus Community Managerin Julia Kleiner zählen nun auch Eveline Teister-Loch sowie der Ludwigshafener Künstler Erhard Seiler und seine Frau Brigitte zum sechsköpfigen Team.
„Wir bestücken jetzt die Standorte nochmal neu, dass die Kunstwerke ab Dezember so stehen bleiben können“, erzählt Initiatorin Steffan. Dass in Ludwigshafen innerhalb von drei Monaten genauso viele Geschäfte für die Aktion ins Boot geholt werden konnten wie in sechs Monaten bei der Frankenthaler Kunst-Aktion, lässt Steffan und ihr Team stolz zurücklehnen, wie sie sagt. „Das zeigt, dass die Aktion genau richtig ist und Kunst und Kultur in das Herz der Stadt gehören.“ Dabei sei sie weiterhin sehr bemüht, dass die Standorte und die Kunstwerke zusammenpassen. Nicht überall habe sie auf Anhieb die richtige Kunst parat. Dafür klappe es bei anderen umso schneller. Steffan berichtet von einem schönen Zufall: So sei eine Ludwigshafener Künstlerin, Christine Goerigk, neu zu der Aktion hinzugekommen. Während des Lockdowns habe sie Steffan zufolge ihre Ausblicke vom Fenster festgehalten und ihre Nachbarschaft szenisch illustriert. In dieser Nachbarschaft befanden sich auch das Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus sowie das Restaurant Hausboot, die kürzlich Interesse bekundeten, sich an der Aktion zu beteiligen. Seit gestern können dort 20 Illustrationen, die von innen und außen sichtbar sind, bewundert werden – und wer weiß, vielleicht wird sich darin auch der ein oder andere wiedererkennen.
Videos als Rundgang-Ersatz
Ganz besonders stolz ist das „Raum für Kunst“-Team auf das neu bestückte Schaufenster der Tourist-Information. Dort sind Steffan zufolge ein paar „pfiffige Versionen“ von gemalten Dubbegläsern – angelehnt an Parfümflaschen, Bierdosen, Tetrapaks oder Weingläser – des Ludwigshafener Künstlers Markus Stürmer zu sehen. Passend dazu kann das Ludwigshafener Dubbeglas in der Tourist-Information erworben werden. „Wenn man sich die Bilder betrachtet, hat man automatisch ein Lächeln auf dem Gesicht“, verrät die Initiatorin.
Lächeln muss Steffan auch, wenn sie vom Standort Blumen Brokmeier in der Bismarckstraße erzählt. „Die haben uns mit Handkuss aufgenommen und gleich eine ganze Wand für Kunstwerke freigemacht“, erzählt sie schmunzelnd. Da im Schaufenster ein Bildschirm gestanden habe, der nicht in Betrieb gewesen ist, sei dieser kurzerhand in die Aktion eingebunden und zum Infopunkt umfunktioniert worden. „Über den Bildschirm kann man sich über alle Standorte informieren, das läuft dort in Dauerschleife sechs Stunden lang“, erklärt Steffan.
Sogar ein Theaterstück vom Adrem Jugendtheater, das im Schaufenster aufgeführt werden sollte, sei geplant gewesen, wie die Frankenthaler Künstlerin berichtet. Allerdings mussten die Pläne aufgrund der derzeitigen Coronalage verworfen werden. Das sei sehr schade, so bleibe aber noch eine Aktion, die es nach dem Ende von „Raum für Kunst“ in Ludwigshafen am 31. Dezember noch zu realisieren gilt.
Aufgrund der zugespitzten Situation, in der Menschenansammlungen zu vermeiden sind, müssten zudem die angedachten Rundgänge entfallen. Dafür hat sich das Team jedoch eine Alternative einfallen lassen: So werden Steffan zufolge ab Dezember die Raumgebenden in kleinen Videos die jeweiligen Kunstwerke präsentieren und ihren eigenen Betrieb vorstellen – eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Interessierte können sich die Videos dann auf der Homepage sowie auf der Facebookseite anschauen.
Kunst unterm Tannenbaum
Zurzeit hält das Team Ausschau nach einem größeren Raum in der Stadt, am liebsten nach einem Leerstand, wie Steffan sagt. „Unser Wunsch ist es, alle Kunstwerke, die nach Auslauf der Aktion noch da sind, gebündelt in einer Rundumschau zu präsentieren, sodass sich von jedem Künstler ein facettenreicher Blick verschafft werden kann“, erklärt die Frankenthalerin. Das ein oder andere von den liebevoll drapierten Kunstwerken der mittlerweile 15 teilnehmenden Künstlern ist übrigens auch schon verkauft worden, wie Steffan berichtet. „Die Erfahrung aus Frankenthal hat aber gezeigt, dass Bilder vor allem dann verkauft werden, wenn die Leute anfangen, Geschenke zu kaufen. Wir hoffen, dass einige Kunstwerke unter dem Tannenbaum zu sehen sein werden.“