Landtagswahl
Wahlkreis 38: Von Papierkörben, Ritten und Wellen
Ein roter Fleck von sehr viel Schwarz eingerahmt – wer sich das Ergebnis der Landtagswahl bei den Erststimmen im Wahlkreis 38 (Mutterstadt) anschaut, sieht, dass es hier keinen Zweifel am Ausgang im Rennen um das Direktmandat gegeben hat. Christdemokrat Johannes Zehfuß konnte am Ende 35,7 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen. Damit holte sich der Landwirt aus Böhl-Iggelheim zum vierten Mal in Folge das Direktmandat in „seinem“ Wahlkreis. Der Unterschied zu den vorangegangenen drei Wahlen: Diesmal sicherte sich die CDU auch den Wahlsieg im Land. Das bedeutet, dass Zehfuß nicht mehr aus der Opposition heraus agieren muss.
Sein bestes Ergebnis holte Zehfuß etwas überraschend nicht in seiner Heimatgemeinde. In Böhl-Iggelheim holte er zwar auch mit 37,5 Prozent der Stimmen immer noch mehr als am Ende auf den Wahlkreis gerechnet. Den Spitzenwert fuhr er allerdings mit 41 Prozent in der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim ein.
Zehfuß zurückhaltend
„Die Nacht war kürzer als sonst. Aber es wäre auch nicht angebracht gewesen, auf die Uhr zu schauen“, sagt Zehfuß im RHEINPFALZ-Gespräch. Als Hauptgrund für seinen Erfolg sieht er, dass er eben authentisch rüberkomme – ungeschönt und ungeschminkt. Er stehe für Kontinuität und Durchhaltevermögen. Das respektable Ergebnis im Wahlkreis sei ein großer Ansporn für ihn. „Es ist eine große Freude, dass man nicht mehr nur für den Papierkorb arbeitet.“ Ob er sich auch in der Regierung sieht? Da ist Zehfuß zurückhaltend: „Ich weiß, wo mein Platz ist. Jetzt lassen wir erstmal das Ergebnis sacken. Dann gibt es Koalitionsgespräche. Und danach wird über Posten entschieden. Aber ich halte es mit dem Spruch ,Bauer, bleib bei deiner Scholle’.“
Der rote Fleck in dem Farbenspiel im Wahlkreis 38 ist Mutterstadt. Auch das ist wenig überraschend. Hier sind die Sozialdemokraten traditionell sehr stark und stellen mit Thorsten Leva auch den Bürgermeister. Levas Parteikollegin Kathrin Hammer gewann sehr zur Freude der Genossinnen und Genossen ihre Heimatgemeinde. 32,4 Prozent der Stimmen bekam sie hier, Zehfuß 30 Prozent.
Ein Wermutstropfen für Hammer: In einer Gemeinde musste sie Platz zwei hinter Zehfuß dem AfD-Kandidaten Rainer Eherer überlassen. In Böhl-Iggelheim kam Hammer auf 21,9, Eherer auf 22,2 Prozent. In der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim holten beide 20,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Hammer: Wahlkampf ein „mega Ritt“
Auch am Morgen nach der Wahl zeigt sich die Mutterstadterin gegenüber der RHEINPFALZ „immer noch zufrieden mit dem Ergebnis“. Sie und die SPD hätten Angebote gemacht. Die Menschen hätten sich aktiv entscheiden können. „Vielleicht müssen wir sie in einer einfacheren Sprache abholen.“ Womöglich müsse sich die Partei auch neu erfinden. Der Wahlkampf sei ein „mega Ritt“ gewesen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass das auch Spaß gemacht hat.“ Jetzt gehe es daran, Plakate abzuhängen, sich zu schütteln und weiterzumachen. „Am Dienstagabend ist schon wieder Gemeinderat.“
Apropos Rainer Eherer. Der Maxdorfer schwamm auf der Welle der AfD mit, die diese auf Platz drei im Land spülte. Der Chemielaborant kam im Wahlkreis 38 auf 20,4 Prozent und war damit sogar noch 0,9 Prozentpunkte besser als das Landesergebnis der AfD. In der Verbandsgemeinde sowie in der Ortsgemeinde Maxdorf holte er 22 Prozent. In Böhl-Iggelheim holte er sogar 22,2 Prozent. Sein schlechtestes Einzelergebnis fuhr er in Limburgerhof ein mit 16,2 Prozent.
Eherer: Glückwünsche der Kollegen
Viele Kollegen hätten ihn zum guten Abschneiden beglückwünscht. Sein insgesamt gutes Abschneiden führt er auf eine Kombination aus dem guten Abschneiden im Land und die eigene Leistung zurück. „Vor fünf Jahren hatten wir noch nicht diese Erfolgswelle als Gesamtpartei.“ Eherer berichtet von einem großen Mitgliederzuwachs bei der Partei. Und mit der immer dicker werdenden Personaldecke mache man sich selbstverständlich Gedanken, weitere Ortsverbände zu gründen. „Das Ziel ist es, weiter in die Breite zu gehen.“
Konstant über dem Resultat der Landespartei – das gilt auch für Grünen-Kandidatin Andrea Franz. Die Böhl-Iggelheimerin, Rektorin der Albert-Schweitzer-Grundschule in Altrip, kam auf 8,5 Prozent. Ähnlich wie bei Johannes Zehfuß, holte Franz in ihrer Heimatgemeinde zwar ein gutes Ergebnis mit 9,5 Prozent. Ihren Bestwert verzeichnete sie allerdings in Limburgerhof mit 10,6 Prozent.
Franz erste Nachrückerin der Grünen
Der Wahlabend war für sie ein Wechselbad der Gefühle. „Bei der ersten Hochrechnung war ich noch drin“, erinnert sie sich. Sie steht auf Platz elf der Landesliste der Grünen. Zehn Sitze hat die Partei geholt. „Das ist der erste Nachrückerplatz. Vielleicht rutsche ich im Laufe der Legislaturperiode noch rein“, sagt sie im RHEINPFALZ-Gespräch. Aber sie falle weich, gehe wieder mit Leidenschaft an die Arbeit als Rektorin. In Sachen Bildungspolitik wolle sie weiterhin den Fuß in der Tür haben. Und sie bekräftigt noch mal: „Es war nicht das letzte Mal, dass ich einen Anlauf in Richtung Landtag genommen habe.“
Mit ihrem Ergebnis von 3,1 Prozent im Wahlkreis ist Judith Huber (Die Linke) zufrieden. Am Ende sei die Partei eine reine Zweitstimmen-Kampagne gefahren. Dass es nicht zum Einzug in den Landtag gereicht habe, sei schon etwas enttäuschend. „Aber wir haben ein gutes Ergebnis erzielt.“ Jetzt gehe es in der außerparlamentarischen Opposition weiter. Da wolle die Partei vor allem beim Thema Wohnungspolitik den Finger in die Wunde legen.
Spieß: Studium und Gemeinderat
Mit 2,4 Prozent der Stimmen im Wahlkreis kann Sebastian Spieß (FDP) auch am Tag nach der Wahl gut leben. Er hat in seiner Heimatgemeinde Limburgerhof mit 3,4 Prozent das stärkste Einzelergebnis eingefahren. Einen solchen Wert habe er sich auch für die Partei auf Landesebene gewünscht. „Drei oder vier Prozent wären ein wichtiges Signal gewesen. Jetzt müssen wir uns neu positionieren.“ Die FDP müsse durch neues, junges Personal wieder nach vorne kommen. Er sei gerne ein Teil davon. Das Studium habe aber erstmal Vorrang. Immerhin: Am Mittwochabend wird er im Limburgerhofer Gemeinderat als Nachrücker für Oliver Neumann als Ratsmitglied vereidigt.
Mit 5,1 Prozent lag auch Martin Schoenherr über dem Landesergebnis seiner Partei. Mit 4,2 Prozent verpassten aber auch die Freien Wähler den erneuten Einzug in den Mainzer Landtag. Die Enttäuschung darüber sei immer noch da, bei aller Zufriedenheit über das persönliche Ergebnis. In seiner Heimatgemeinde Mutterstadt kam Schoenherr auf 6,3 Prozent. Noch besser lief es für ihn in Rödersheim-Gronau (8,1) und in Hochdorf-Assenheim (9). Das könne er sich gar nicht erklären, sagt er. „Das hätte ich nicht gedacht. Aber es freut mich ungemein.“
„Für mich bedeutet Demokratie, dass ab und an ein Regierungswechsel stattfindet. Nach 35 Jahren ist frischer Wind gut und das sage ich nicht, weil es eine SPD-geführte Landesregierung war, sondern das hätte ich auch bei einer CDU-geführten gesagt“, kommentiert Volker Knörr, Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, das Wahlergebnis. Der Christdemokrat aus Waldsee, der seit vergangenem November Chef der Kreisverwaltung in Ludwigshafen ist, hat nicht damit gerechnet, dass seine Partei einen doch so deutlichen Wahlsieg einfährt. Knörr glaubt, dass er nun einen direkteren Draht nach Mainz haben kann, weil CDU-Politiker in Regierungsverantwortung sein werden. In der Vergangenheit seien manchmal Umwege über andere Fraktionen notwendig gewesen, um Anliegen aus dem Kreis bei der Landesregierung zu platzieren. Der Landrat erwartet von einer CDU-geführten Regierung eine „deutliche Entlastung der Kommunen“ und dass das Konnexitätsprinzip wiederhergestellt wird. Knörr denkt zum Beispiel an die Finanzierung von Kitas. Außerdem weist er darauf hin, dass der Bereich „Jugend und Soziales“ rund 75 Prozent des Haushaltsvolumens des Kreises ausmache. „Da muss sich deutlich was ändern.“ Der Christdemokrat setzt auf seinen Parteikollegen Gordon Schnieder. Dieser habe Politik von der Pike auf gelernt, war als Ortsbürgermeister in der Kommunalpolitik aktiv und sei ein Verwaltungsfachmann. Knörrs Wunsch: Die neue Landesregierung dürfe nicht nur Zeichen setzten, sondern müsse Taten folgen lassen.