Mannheim / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Verzweiflung nach Feuer in Modeladen: „Wir haben alles verloren“

Ein Laden bleibt ihm zwar, der andere aber ist inklusive Lager komplett ausgebrannt: Inhaber Ilhan Karagülleoglu.
Ein Laden bleibt ihm zwar, der andere aber ist inklusive Lager komplett ausgebrannt: Inhaber Ilhan Karagülleoglu.

Der Schaden geht in die Hunderttausende: Elegante Abendkleider und Ware rund um die türkische Hochzeit sind verbrannt. Ein Ludwigshafener Ehepaar erlebt bittere Stunden.

„Unsere ganze Ware ist verbrannt. Ich weiß nicht, wie es weitergeht.“ Ilhan Karagülleoglu ist der Schock noch anzusehen, als er am Mittwochvormittag in einem türkischen Lokal direkt neben seinem Modeladen in der Mannheimer Innenstadt Platz nimmt. Während er von dem grauenhaften Tag erzählt, stehen zwei Polizisten vor dem Geschäft des 51-Jährigen. Niemand soll das Areal betreten. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen. Am Dienstagnachmittag ist der Laden im Quadrat U1, den er mit seiner Frau betreibt, in Flammen aufgegangen.

Die Feuerwehr ist am Dienstag mehrere Stunden damit beschäftigt, den Brand im Mannheimer Quadrat U1 zu löschen.
Die Feuerwehr ist am Dienstag mehrere Stunden damit beschäftigt, den Brand im Mannheimer Quadrat U1 zu löschen.

Warum? Ilhan Karagülleoglu weiß es nicht. „Die Polizei will das jetzt herausfinden“, sagt er. Und die ist schon einen Schritt weiter. Ersten Ermittlungen zufolge könnte ein technischer Defekt den Brand verursacht haben. Gegen 14 Uhr sind am Dienstag mehrere Notrufe bei der Feuerwehr eingegangen, weil Rauch aus dem Gebäude nach draußen zog. Eine, die den Notruf wählte, war die Inhaberin des türkischen Restaurants nebenan. Man kennt sich und unterstützt sich. Doch in diesem Moment war einfach nichts mehr zu machen. „Wir haben den Rauch gesehen. Dann sind die Jungs mit einem Feuerlöscher rübergerannt und wollten helfen. Aber es war schon zu spät. Dann haben wir gleich die Feuerwehr angerufen. Als die gekommen ist, haben wir uns zurückgezogen. Es ist so schlimm, was da passiert ist“, erzählt sie.

Spezialisiert auf elegante Kleider

Das ausgebrannte Geschäft war spezialisiert auf Abend- und Brautkleider – und somit Teil jener Infrastruktur rund um türkische Hochzeiten, die sich in der Mannheimer City in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat. Verschiedenste Angebote und Dienstleistungen sind hier auf engstem Raum konzentriert. Brautmodenläden, Juweliere für Goldschmuck, Eventplaner und Hochzeitsagenturen, Fotografen, Süßwaren und vieles mehr. „Unser Laden hat 170 Quadratmeter Fläche. Es gibt ihn seit ungefähr sieben Jahren. Ein Teil war der Verkaufsraum, der größere das Lager“, erklärt Ilhan Karagülleoglu, der mit seiner Frau in Ludwigshafen wohnt.

Von der Ware in dem Laden ist nichts übrig geblieben.
Von der Ware in dem Laden ist nichts übrig geblieben.

Den Tag, an dem das Geschäft und mit ihm Dutzende Kleider, Handtücher, Bademäntel und Nachthemden in Flammen aufgegangen sind, hat das Ehepaar ganz unterschiedlich erlebt. Josra Melek hatte sich gerade auf den Weg zu einem nahe gelegenen Supermarkt gemacht, als ihr Handy klingelte. „Meine Cousine, die im Laden aufgepasst hat, war dran und hat gesagt, dass es brennt. Zuerst dachte sie, es sei nur ein kleines Feuer. Dann aber ging alles ganz schnell. Sie und ein Kunde sind dann nach draußen gerannt“, berichtet sie. Sie selbst sei sofort zurück zum Geschäft. Und dann seien auch schon Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte vor Ort gewesen. „Es ist wirklich alles verbrannt. Wir haben alles verloren, unsere ganze Ware, alles. Es war ein schwarzer Tag“, sagt die 29-Jährige. Sie selbst will am Tag danach nicht zu dem Laden gekommen. Sie bleibt zu Hause. „Ich stehe unter Schock“, sagt sie am Telefon.

Im Krankenhaus klingelt das Handy

Ilhan Karagülleoglu war gerade im Krankenhaus, um seinen 80-jährigen Vater zu besuchen, der vor wenigen Tagen einen Schlaganfall erlitten hat. Dann klingelte sein Handy und er erfuhr, was passiert ist. Dem 51-Jährigen gehen gerade ganz viele Sachen im Kopf herum. Er weiß, dass es eine Gebäudeversicherung gibt: „Ob die für den Schaden aufkommt, keine Ahnung.“ Die Polizei teilt auf Anfrage mit, dass sich der Sachschaden auf mehrere Hunderttausend Euro beläuft.

Ein Plakat weist den Weg: Das Geschäft an der Breiten Straße liegt ein wenig versteckt hinter einer großen Baustelle.
Ein Plakat weist den Weg: Das Geschäft an der Breiten Straße liegt ein wenig versteckt hinter einer großen Baustelle.

Zu seinem ausgebrannten Geschäft zu gehen, fällt dem 51-Jährigen schwer. Er möchte lieber seinen anderen Laden im Quadrat J2 zeigen. Er ist kaum fünf Minuten Fußmarsch entfernt. „Hier bieten wir Waren für die Braut und den Bräutigam an, aber keine Abendkleider“, sagt er. Dieses Geschäft gibt es seit 16 Jahren. „Eine Besonderheit, die wir hier im Angebot haben, sind Geschenkboxen für Verheiratete. Pyjamas, Nachthemden und vieles mehr.“ Das Problem sei, dass in dem abgebrannten Lager auch viele Waren zerstört worden seien, die er im Geschäft in J2 habe anbieten wollen. Allein 100 bis 150 dieser Geschenkboxen seien ein Opfer der Flammen geworden.

„Es war mein Glück, dass ich nicht da war“

Ilhan Karagülleoglu atmet tief ein. Dann sagt er das: „Meine größte Sorge gilt gerade meinem kranken Vater. Meine Schwester ist aus Köln gekommen. Sie unterstützt mich. Ware kommt und geht.“ Und seine Frau sagt, dass es noch viel schlimmer hätte kommen können. „Ich hätte nicht aufgegeben und alles versucht, die Flammen zu löschen und die Ware zu retten. Es war mein Glück, dass ich nicht da war. Als ich zurückkam, wollten mich Polizei und Feuerwehr nicht mehr ins Geschäft lassen.“ Jetzt wird es sicher noch eine Weile dauern, bis sie den Schaden begutachtet, den das Feuer angerichtet hat.

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