Willkommen im Klub RHEINPFALZ Plus Artikel Verein im Höhenrausch: Aber Vorsicht in den Alpen

Atemberaubende Kulisse: Die Mannheimer Hütte befindet sich auf 2679 Metern Höhe in Vorarlberg.
Atemberaubende Kulisse: Die Mannheimer Hütte befindet sich auf 2679 Metern Höhe in Vorarlberg.

Die Mannheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins kann sich vor Mitgliederanfragen kaum retten. Das liegt nicht nur an ihrer Rekord-Hütte auf einem malerischen Bergmassiv in Österreich.

Mit dem TSV liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des mitgliederstärksten Vereins in Mannheim. Und: Er hat Deutschlands flächenmäßig größten Kletterturm gebaut. Noch ein Rekord gefällig? Kein anderer Mannheimer Verein besitzt ein so hoch gelegenes Haus. Der Deutsche Alpenverein (DAV) Sektion Mannheim kann einiges bieten, was ihn gerade in heutiger Zeit, in der der Klettersport im Trend liegt, zu einem beliebten Anlaufpunkt macht. Darüber freut sich besonders der Vorsitzende Karl-Peter Welk, der selbst spannende Bergtouren anführt und seit seiner Studentenzeit DAV-Mitglied ist.

„Vor allem seit der Corona-Pandemie und durch unseren Kletterturm wachsen wir wie verrückt“, sagt Karl-Peter Welk. Über 4500 Mitglieder jeglichen Alters vereint die Sektion Mannheim aktuell. Kein Wunder, könnte man denken, strebt der Alpenverein ja sowieso in große Höhen. Womit man schon schnell bei der Mannheimer Hütte landet, die in 2679 Metern über dem Meeresspiegel in Vorarlberg zu finden ist. Sie wird – inoffiziell und mit etwas Humor – nicht nur gerne Mannheims höchstgelegenes Haus genannt, sondern ist zudem ganz offiziell die höchstgelegene DAV-Hütte in Vorarlberg. Daneben besitzen die Mannheimer noch die Oberzalim-Hütte, die 1889 Meter über dem Meeresspiegel in Vorarlberg liegt und für Wanderer kulinarische Genüsse bereithält.

Hier droht Lebensgefahr
Der Weg zur Hütte ist kein Spaziergang.
Der Weg zur Hütte ist kein Spaziergang.

„Die Mannheimer Hütte wurde 1905 erbaut und hieß damals noch Straßburger Hütte“, erzählt der 64-jährige Vereinsvorsitzende. Als das Elsass nach dem Krieg französisch wurde, kauften die Mannheimer jedoch die Hütte auf, woraufhin sie umgetauft wurde. Sie bietet heute unter anderem 30 Zimmerlager, 82 Matratzenlager und zehn Notlager. „Allerdings ist der Weg dorthin kein Spaziergang“, betont der sehr sportliche Karl-Peter Welk. Um zur Mannheimer Hütte zu gelangen, müsse man entweder über einen Teil des Brandner Gletschers oder über den Leibersteig, der als verhältnismäßig leicht bewältigen gilt. „Ab dem Moment, in dem dort Schnee fällt, kann man den Steig nicht mehr begehen. Dann wird es lebensgefährlich.“ Fazit: Um die Mannheimer Hütte zu erreichen, sollte man etwas geübt sein beziehungsweise Bergerfahrung mitbringen. Geöffnet ist sie normalerweise von Juni bis Ende September.

Hier üben auch Spitzenathleten: der Kletterturm im neuen Stadtteil Franklin.
Hier üben auch Spitzenathleten: der Kletterturm im neuen Stadtteil Franklin.

Üben lässt es sich übrigens gut in der Quadratestadt. Es gibt mehrere Boulderhallen – und die DAV-Sektion Mannheim hat vor drei Jahren im neuen Stadtteil Franklin einen 18 Meter hohen Kletterturm gebaut. Auf rund 900 Quadratmetern Kletterfläche befinden sich zahlreiche Routen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Auch eine sogenannte Speed-Kletterwand fehlt nicht. Sie kann sogar für internationale Wettbewerbe genutzt werden. Tatsächlich befindet sich in den Reihen der Mannheimer DAV’ler auch eine Leistungsgruppe mit erfolgreichen Wettkämpfern wie Clara-Marie Nagel, Linda Wuhrer, dem deutschen Meister Yannick Nagel und Otto Reiter, die alle Mitglied des Landes- oder Bundeskaders sind.

Vorteile einer Mitgliedschaft
Erfahrener Bergführer: Vereinsvorsitzender Karl-Peter Welk.
Erfahrener Bergführer: Vereinsvorsitzender Karl-Peter Welk.

4500 Mitglieder – das ist eine beachtliche Zahl. Doch warum hat die Mannheim-Sektion des DAV solch einen Zulauf? „Die Menschen gehen gerne in die Berge“, ist sich Karl-Peter Welk sicher. Eine Mitgliedschaft im DAV bringe unter anderem den Vorteil mit sich, dass man die verschiedenen Hütten des Alpenvereins vergünstigt nutzen kann. Das war auch ein Punkt, der Welk mit Anfang 20 zum Verein gebracht hat. Denn eigentlich war er früher bei der Post-Sport-Gemeinschaft in Mannheim-Neckarau, spielte dort Tischtennis und nahm an Jugendfreizeiten teil.

„Wir waren einmal an der Ostsee und mehrfach in den Schweizer Bergen, wo ich als Betreuer dabei war“, erinnert sich der gebürtige Mannheimer. Das Wandern an sich war ihm nicht fremd. Das lernte er in Urlauben mit den Eltern kennen. Doch auf der Jugendfreizeit erblickten er und seine Freunde bei einer geführten Bergtour den ein oder anderen 4000er im Hintergrund – ihr Interesse war geweckt. „Wir haben daraufhin im nächsten Jahr einen Kletterkurs gemacht und dann relativ schnell mit schweren Touren angefangen“, erzählt Welk.

Teure Schweiz

Gerade in der Schweiz seien die Hüttenübernachtungen jedoch ziemlich teuer. „Ich habe festgestellt: Zwei Übernachtungen – und der DAV-Beitrag ist schon draußen“, sagt er und lacht. Er wurde Mitglied. Und mit der Zeit engagierte er sich immer mehr. Seit sechs Jahren ist Welk nun Vorsitzender und immer noch mit Begeisterung in den Bergen unterwegs. Er ist einer von mehreren erfahrenen Tourenführern fürs Hoch- und Mittelgebirge. Knapp 130 Jahre ist die DAV-Sektion Mannheim nun alt. Und wie es aussieht, wird es sie in weiteren 130 Jahren noch geben.

Zur Sache

Die Geschäftsstelle „Almhütte“ des DAV Mannheim befindet sich im fünften Obergeschoss von Engelhorn Sports in der Kunststraße 6 und 7. Erreichbar ist sie unter der Telefonnummer 0621 1672515 oder per E-Mail an kontakt@dav-mannheim.de. Das Kletterzentrum und Vereinsheim des DAV Mannheim findet man in der Abraham-Lincoln-Allee 7 auf Franklin. Dort ist auch die Mitgliederverwaltung ansässig. Erreichbar ist sie unter info@dav-mannheim.de. Weitere Informationen gibt es unter www.dav-mannheim.de. Der Deutsche Alpenverein hat bundesweit über 350 Sektionen und über 1,4 Millionen Mitglieder. Die Sektion Heidelberg gehört zu den DAV-Gründungsmitgliedern.

Die Serie

Vereine werden gerne als Kitt der Gesellschaft bezeichnet. Und der scheint in den heutigen herausfordernden Zeiten nötiger denn je zu sein. In unserer Serie „Willkommen im Klub“ wollen wir Sie mitnehmen auf mehrere Ausflüge ins Mannheimer Vereinsleben.
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