Ludwigshafen
Umgestaltung der Notaufnahme in Ludwigshafener Klinik: „Zeichen der Zeit erkannt“
Seit Oktober 2024 hat das Klinikum Ludwigshafen seine eigene Klinik für Akut- und Notfallmedizin. An deren Spitze steht Peter Brenk als ihr Direktor. Mit seinem Team will er nun andere Saiten aufziehen und noch dieses Jahr innerhalb der neuen Klinikeinheit die Zentrale Notaufnahme (ZNA) komplett umgestalten. „Die neue Geschäftsführung hat die Zeichen der Zeit erkannt und wird die Zentrale Notaufnahme den aktuellen Anforderungen entsprechend aufstellen und zukunftsfähig machen“, sagt er in einem Hintergrundgespräch.
Brenk kennt alle Anforderungen aus seiner beruflichen Erfahrung: Er war während seiner Zivildienstzeit im Rettungsdienst tätig und auch während seines Medizinstudiums dort weiter aktiv. Seit 2017 ist er Leitender Notarzt im Bezirk Vorderpfalz. Eine Klinik für Notfallmedizin zu unterhalten sei auch ein Kriterium, um die Voraussetzungen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) einzuhalten.
Triage entscheidet über Dringlichkeit
Der G-BA entscheidet über die Finanzierung von Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die strukturierte Notfallversorgung sei hierbei stärker in den Blick gerückt, sagt Brenk. „Man hat sich früher nicht darum gekümmert. Mit der neuen Geschäftsführung gibt es eine andere Wertschätzung für die Notfallmedizin“, so Brenk.
Dass die Zentralen Notaufnahmen der Krankenhäuser oft überlastet sind, erklärt Brenk mit dem Personalmangel im Gesundheitswesen und der Alterung der Bevölkerung: „Die Menschen denken, da ist ja rund um die Uhr jemand, der mir helfen kann.“ Sie müssten dann aber die sogenannte Manchester-Triage über sich ergehen lassen, bei der nach Dringlichkeit entschieden werde: „Herzinfarkt und Schlaganfall kommen vor Reizdarm und Schnupfen“, verdeutlicht Brenk.
Etwa 150 Patienten pro Tag
Innerhalb der ersten zehn Minuten erfolge eine evidenzbasierte Ersteinschätzung. Es könne dann aber bis zu 120 Minuten dauern, bis sich ein Arzt oder eine Ärztin des Patienten annimmt. Brenk verwehrt sich dagegen, dass die Wartenden dem Personal gegenüber aggressiv werden – selbst, wenn eine Wartezeit sie ärgere.
Auch nach dem Umbau werde es einen gemeinsamen Wartebereich geben. Am Tag kommen seinen Angaben zufolge um die 145 bis 150 Patienten in die ZNA des Klinikums Ludwigshafen. „45 Prozent davon nehmen wir stationär auf, 55 Prozent erhalten eine ambulante Behandlung und Überweisung zum niedergelassenen Arzt“, sagt Brenk.
Im hinteren Bereich seien die Liegendanfahrt und die Schockräume untergebracht. Neu ist die Aufnahmestation mit 23 Betten – vorgeschrieben seien nur sechs Betten: Dies sei die ehemalige Quarantäne-Station aus der Corona-Zeit. Dort bleiben die Patienten maximal 24 Stunden, bis über ihren weiteren Weg entschieden wird. Stationäre Aufnahmen seien dann Fälle, die meistens im eigenen Haus weiter behandelt werden.
Aufnahmekapazitäten werden nicht reduziert
Die ZNA des Klinikums Ludwigshafen gehört zu den größten in Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2024 wurden hier mehr als 51.000 Fälle bearbeitet. „Wir stellen uns dem auch aktiv und reduzieren nicht unsere Aufnahmekapazitäten“, sagt er. „Wir haben hier bis auf Unfallchirurgie und Pädiatrie das volle Spektrum.“ Für die Unfallchirurgie geht es zur Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) nach Oggersheim, für die Pädiatrie ins St. Marienkrankenhaus in der Gartenstadt.
„Es macht Spaß, so etwas gestalten zu können und für eine gute Notfallmedizin zu sorgen“, sagt der gebürtige Frankenthaler. Mit ihm zusammen arbeiten drei Oberärzte, ein Facharzt und 14 Assistenzärzte sowie 45 Pflegekräfte im Drei-Schicht-System. Es gebe zwei Höhepunkte des Andrangs an einem normalen Tag: die Mittagspause der niedergelassenen Arztpraxen und der frühe Abend. „Und dann schauen wir, was die Nacht noch bringt“, erklärt er und verweist auf die Menschen mit einem Herzinfarkt, die sich zum Teil noch zu Fuß in die Notaufnahme schleppen würden. „Andere wollen nachts nach einem Fleischkäsbrötchen eine Magenspiegelung, weil ihnen plötzlich schlecht ist“, nennt er ein drastisches Beispiel.
Bald schon wieder zu klein?
Früher habe eine ZNA aus einem Konsortium vieler Ambulanzen bestanden. Das entspreche aber nicht mehr den Anforderungen. Es sei besser, die gezielte Diagnostik in einer Hand zu haben. Das Ministerium habe bereits grünes Licht gegeben. Der Umbau soll im vierten Quartal beginnen. Dort gebe es dann eine Struktur mit drei Schockräumen und Einzelkabinen statt der noch praktizierten Abtrennung der Patienten nur durch Vorhänge.
„Ich bin überzeugt, dass die neue ZNA schnell wieder zu klein ist bei der aktuellen Fallsteigerungsrate. Aber sie ist erstmal wirklich ein großer Wurf.“ Die ZNA stehe unter der Federführung der Klinik für Notfallmedizin mit Beobachterstatus.
Brenk ist seit 2011 am Klinikum Ludwigshafen und nach einem Ausflug in eine Praxis von 2014 bis 2016 wieder ans Klinikum Ludwigshafen zurückgekehrt. In seiner Freizeit verbringt er gerne Zeit mit seiner Familie, zu der zwei Kinder gehören, geht in den Wald, spielt Klavier und Horn und ist zwei Wochen im Jahr als Inselnotarzt auf Sylt unterwegs.