Ludwigshafen
Trotz fünf Automatensprengungen seit 2018: Sparkasse weist Forderungen der Politik zurück
Die Ansage der Politik ist unmissverständlich: Sollten die Banken nicht freiwillig mitziehen, droht „eine gesetzliche Pflicht“, sagte zuletzt Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). „Jetzt ist die Kreditwirtschaft in der Verantwortung, diese Maßnahmen schnell und konsequent umzusetzen“, pflichtete ihm Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei.
Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) verwies auf das Vorbild niederländischer Banken. Diese hätten flächendeckend Systeme eingeführt, die das Bargeld in den Automaten bei einer Attacke mit Klebstoff unbrauchbar machten. Sprengungen lohnten sich für Täter nicht mehr. Es gebe zudem andere Verfahren, die etwa mit Farbe arbeiteten.
Der Dachverband der Deutschen Kreditwirtschaft meldete sich prompt und kritisierte die Minister. Eine gesetzliche Regelung sei der falsche Ansatz und werde der Aufgabenverteilung im staatlichen Gemeinwesen nicht gerecht.
Foyers seit April nachts geschlossen
Auf die Automatensprengung vor einem Monat in Rheingönheim hat die Sparkasse Vorderpfalz bereits reagiert. Seit diesem Monat sind die Selbstbedienungs-Foyers aller 45 Geschäftsstellen von 23 bis 6 Uhr geschlossen. Die Bargeldmenge in den Automaten wurde reduziert. „Wir nehmen Angriffe auf Geldautomaten sehr ernst, denn die Attacken werden schnell und brutal ausgeführt, richten große Sachschäden an und gefährden Menschen im Umfeld“, begründete Sparkassenchef Thomas Traue das Vorgehen. „Die Maßnahmen bedeuten gewisse Einschränkungen, die aber notwendig sind. Viele unserer Kunden zeigen Verständnis dafür, das wissen wir aus zahlreichen Gesprächen.“
Die Geldausgabeautomaten der Sparkasse hätten einen hohen Sicherheitsstandard und würden in enger Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden einer turnusmäßigen Risiko- und Gefährdungsanalyse unterzogen, ergänzte jetzt ein Sprecher des Kreditinstituts auf Anfrage.
„Nur im Schulterschluss“
Hinsichtlich des von der Politik aufgebauten Drucks schließt sich die Sparkasse der Position der Deutschen Kreditwirtschaft an: „Abschreckende Maßnahmen gelingen nur im Schulterschluss mit Politik und Strafverfolgungsbehörden“, betonte der Sparkassensprecher – darüber seien sich die Unterzeichner einer gemeinsamen Erklärung vom 8. November 2022 einig. Er spielt damit auf einen auf Bundes- und Landesebene gebildeten runden Tisch an. In Rheinland-Pfalz hat der Sparkassenverband mit dem Innenministerium, dem Landeskriminalamt (LKA), dem Genossenschaftsverband und der Sparda-Bank Südwest eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Diese sieht vor, alle Standorte gemeinsam mit dem LKA zu bewerten. „Die Polizei kann daran ihre Einsatzkonzepte ausrichten, die Sparkassen können gezielt Sicherungsmaßnahmen treffen“, so der Sprecher. Innerhalb ihrer Möglichkeiten müssten alle Beteiligten ihren Beitrag leisten, Sprengungen zu verhindern. Eine gesetzliche Regelung helfe da nicht weiter. Am Einzelstandort ausgerichtete Präventionsmaßnahmen ließen sich nicht pauschal per Gesetz aufsetzen. „Sie müssen sich an den Geldautomatentypen und vor allem an den Gegebenheiten vor Ort orientieren.“
Im Geschäftsgebiet der Sparkasse Vorderpfalz – Ludwigshafen, Speyer, Schifferstadt und der Rhein-Pfalz-Kreis – betreibt das Institut 45 Standorte, davon 21 in Ludwigshafen. Dort stehen insgesamt 72 Geldautomaten. In den zurückliegenden Jahren war die Sparkasse fünfmal von Sprengungen betroffen: Mitte März 2023 sowie bereits im Januar 2018 jeweils in Rheingönheim, im März 2022 am SB-Standort Oggersheim (Globus), im August 2020 in der Geschäftsstelle Dannstadt-Schauernheim und im April 2018 in der Filiale in der Gartenstadt.
Derzeit betreut die Sparkasse Vorderpfalz 213.000 Privat- und 22.000 Firmenkunden. Unter den 831 Mitarbeitern sind 51 Auszubildende. Mit einer Bilanzsumme von 5,8 Milliarden Euro ist die Sparkasse Vorderpfalz eine der größten Sparkassen landesweit. Ihr Hauptsitz ist in Ludwigshafen (Ludwigsplatz).