Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Sturm auf die Brauerei: Narren haben lange zu kämpfen

Der „Bierschof“ Uwe Geißendörfer musste lange kämpfen, bis er mit den Vertretern vom Großen Rat und der Stadtprinzessin ans Frei
Der »Bierschof« Uwe Geißendörfer musste lange kämpfen, bis er mit den Vertretern vom Großen Rat und der Stadtprinzessin ans Freibier kam.

Die Brauerei Gebrüder Mayer in Oggersheim hatte viel Unterstützung und hielt den Narren lange stand. Am Ende gab der Inhaber nach. Er stellte nur eine Bedingung.

„Nicht wahr, Rathaus stürmen ist einfacher“, war der Kommentar von Frank Mayer, Inhaber der gleichnamigen Brauerei in Oggersheim, nachdem die Narren auch nach einer halben Stunde noch unverrichteter Dinge vor der Mauer an der Schillerstraße standen.

Ein großes Aufgebot von der Brauerei, namhaften Vertretern aus der Wirtschaft, zahlreichen Mitgliedern der Stadtspitze sowie aus Land- und Bundestag stand wie eine Festung. Sie alle verteidigten die Brauerei und vor allem die Biervorräte vehement gegen die Vereinnahmung durch die zahlreichen Fanachtsvertreter. Nur der Wortgewalt des Großen Rates der Ludwigshafener Karnevalvereine und seiner Stadtgarde war es letztendlich zu verdanken, dass Mayer nachgab.

Es begann so freundlich

Dabei hatte der Vorstoß der Narren noch ganz freundlich angefangen. Marie-Sophie I., Stadtprinzessin von Ludwigshafen, hatte sich gerade vorgestellt, als der „Bierschof“ Uwe Geißendörfer vom „Orden der Obbarer Dambnudle“ ins Spiel kam. „Lasset uns beten für Jubel, Trubel Heiterkeit“. Das befolgten soweit noch alle gerne.

Als der „Koloss von Ruchheim“, alias Dennis Schmidt, Ortsvorsteher von Ruchheim, durch Mitglieder des Großen Rats gekidnappt worden war und auch noch als Rammbock zum Einnehmen der Brauerei benutzt werden sollte, da verstanden die Verteidiger der Linie keinen Spaß mehr. So versuchte denn Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD), das Beste aus der Situation zu machen und ihn als Vermietungsobjekt gegen bare Münze einzutauschen, leider vergeblich.

Auch den Tausch gegen Kämmerer Andreas Schwarz, inklusive städtischem Tresor, lehnte der Große Rat ab. Wohl wissend, dass die Stadtkassen leer sind. Aufgeben war für die zahlreich erschienenen Narren jedoch keine Option. Ortsvorsteherin Sylvia Weiler bekannte: „Ich stehe zwar zu den Fasnachtern, aber es ist meine Brauerei und mein Bier.“ Mayer stand ihr bei: „Rathaus stürmen ist einfacher, aber die haben ja auch nichts zu verteidigen.“

Tausch Frau gegen Frau

Den Fasnachtern auf der gegnerischen Seite half auch das erste Gesetz vom „Bierschof“ nichts: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.“ Gemeint war der Tausch Stadtprinzessin gegen Oberbürgermeisterin, um endlich an das begehrte Freibier zu gelangen. Das Geplänkel ging so weit, dass sich sogar Stefan Limburg, Personalratschef der Stadt Ludwigshafen, genötigt sah, einzugreifen. „Am Anfang wolltet ihr sie nicht“, gemeint war dabei die Stadtchefin, „und jetzt wollt ihr ihr Bier trinken.“ Christoph Heller, Präsident des Großen Rats und bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, stellte aber klar, dass die Entscheidung zwischen seiner Stadtprinzessin und Steinruck keiner Diskussion wert sei. Einen letzten Bestechungsversuch, doch noch an Freibier zu gelangen, startete dann Marie-Sophie I. selbst – mit dem Angebot für einen Jahresorden. Immerhin handelt es sich in diesem Jahr um ein besonderes Exemplar. Der Große Rat feiert sein 66. Jubiläum. „Ich habe alle Orden, aber ihr kein Bier“, witzelte Mayer daraufhin weiter.

Am Ende einigten sich die gegnerischen Parteien, so dass Brauereichef Mayer nachgab und die Tore öffnen ließ. Nicht ohne das Versprechen von Seiten der Narren einzulösen: „Trinkt nicht alles leer, lasst alles unbeschadet.“

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