Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtführer aktualisiert: Alexandra Beilharz lässt die Stadt entdecken

Beliebter Beststeller in LU: Der Stadtführer über Ludwigshafen von der Heidelberger Autorin Alexandra Beilharz geht in die zweit
Beliebter Beststeller in LU: Der Stadtführer über Ludwigshafen von der Heidelberger Autorin Alexandra Beilharz geht in die zweite Runde und ist ein Versuch, die Chemiestadt von ihrem Image als »hässliches Entlein« zu befreien.

Der Städteführer „Ludwigshafen am Rhein – Eine unterschätzte Stadt“ ist in einer aktualisierten Auflage erschienen. Autorin Alexandra Beilharz lädt zur Entdeckungsreise ein.

Die aktualisierte Auflage kommt aufgrund einiger Erneuerungen in der Stadt der Umbrüche. Aber auch aufgrund einer großen Nachfrage: Vor allem Ludwigshafener selbst greifen beim allerersten Reiseführer über LU gerne zu.

Die Autorin Alexandra Beilharz wählt ein neues Café für das Treffen. Das vegan angehauchte Interieur im „Palpito“ im Stadtteil Süd zeigt: Die 2010er-Hipster-Jahre sind nun auch in Ludwigshafen angekommen. Vom ewigen Image als „hässlichste Stadt Deutschlands“ gibt es in diesem bürgerlichen Wohnviertel nichts zu sehen. Gründerzeit- und Jugendstilgebäude stehen neben ansprechenden 50er-Jahre Bauten mit auffälligen Fassaden. Ein allee-artiger Baumbestand spendet Schatten. Die Heidelbergerin würde sich wünschen, dass die Chemiestadt diese Schönheiten manchmal mehr zum Vorschein bringt.

Ihr Städteführer soll ein Beitrag dazu sein: Weg vom „Hässlichen Entlein“-Nimbus hin zu mehr positiver Selbstwahrnehmung. Und das kommt an. Ihre erste Auflage mit 1000 Exemplaren war binnen zwei Jahren vergriffen. „Besonders stolz bin ich, dass mein Büchlein bei Thalia in der Rhein-Galerie auf dem Bestseller-Stapel neben Franz Kafka und Angela Merkel stand“, sagt Beilharz lachend.

Hochstraßen als Bild im Kopf

Als es nun in die zweite Auflage ging, überlegte sie: Was wird neu, was bleibt? Am Cover, das die Hochstraßen bei Nacht mit Lichtspuren und Blick auf den Rhein zeigt, wollte sie nichts ändern. Obwohl sie weiß, dass genau diese Perspektive durch den Abriss der Brücken verschwinden wird. „Aber man hat dieses Bild einfach im Kopf, wenn man an Ludwigshafen denkt“, sagt sie und ist gespannt auf die baulichen Veränderungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Den Abriss des Rathaus-Centers bedauert sie sehr. „Viele Menschen aus der Region, nicht nur Ludwigshafener, verbinden ganz persönliche Geschichten damit. Es war ein Wahrzeichen, das wie schon die Tortenschachtel in der Erinnerung bleiben wird“, sagt die Autorin – und schließt sich da mit ein.

Aufgewachsen in Heidelberg, lebte Beilharz, die unter anderem Romanistik studierte, in den 80er- und 90er-Jahren in Berlin. Nach ihrer Rückkehr in einen Vorort von Heidelberg vermisste sie das Großstadtflair. „Daher bin ich oft nach Mannheim und auch Ludwigshafen gefahren, ich habe das Urbane und Industrielle gesucht und so LU lieb gewonnen“, verrät sie, wie es überhaupt zur Idee für den Stadtführer kam.

U-Bahn fürs Großstadtgefühl

Gerade die U-Bahn-Station unterhalb des Rathaus-Centers ließ das Großstadtgefühl in ihr lebendig werden. Nach und nach aber lernte sie auch die ruhigen, ländlichen und überraschend grünen Seiten der Industriestadt kennen.

Ob im historischen Ortskern von Rheingönheim, im dörflichen Ruchheim, im quirligen Hemshof oder in der Trabantenstadt Pfingstweide. Ob am Kief’schen Weiher, im Wildpark, ob sie nun in Oggersheim auf den Spuren Helmut Kohls und Friedrich Schillers wandelte, oder die immer noch zu unbekannte Wallfahrtskirche besuchte: „Ich bin wirklich überall gewesen, habe zu Fuß alles abgelaufen und für die zweite Auflage nochmal das ganze Buch durchgearbeitet“, sagt sie.

Blick auf die Gastronomie

Für Neuheiten holte sie sich auch Tipps von Lesern oder Passanten auf der Straße ein, die sie einfach ansprach. Auffällig ist das Update im gastronomischen Bereich. Das kulinarische Angebot in Ludwigshafen reicht nun vom Szene-Asiaten „Suki“ über den mehr als Sushi bietenden Japaner „Reiwa“ bis nach Usbekistan. Abgelegen, außerhalb von Edigheim, am BASF-Tor 15 fuhr Beilharz über grüne Wiesen immer tiefer ins Nirgendwo. „Mir kamen nur noch ein paar Laster entgegen, ich dachte schon, ich bin falsch, aber dann stieß ich auf ein gut besuchtes Restaurant mit Gerichten wie Plov, Samsa oder Schurpa“, sagt sie. Wer mal wieder Hunger auf gutbürgerliche Küche hat, dem empfiehlt sie unter anderem die Gaststätte „Zum Goldenen Stern“ in Kohls Heimat Oggersheim.

Der neue Stadtführer liest sich also auch als Anleitung für ein Großstadt-Abenteuer. Wer will, kann bei schönem Wetter einfach loslaufen und versteckte Kunstautomaten, eine Treppe ins Nichts, eine filmreife Tankstelle, geheimnisvolle Bunker, surreal erscheinende Hochhäuser auf dem Feld, einen buddhistischen Tempel, eine Schwarze Madonna, unterschätzte Sakralbauten oder das Aschantidorf entdecken. Und wer Beilharz’ 21 Rundgängen folgt, der wird vor allem auf eines treffen: „auf herzliche Menschen“. Denn Ludwigshafen hat eben nicht nur Chemie, sondern auch Charme zu bieten.

Info

Die zweite Auflage des Stadtführers „Ludwigshafen am Rhein“ ist im Flur-Verlag erschienen und in allen drei Buchhandlungen Ludwigshafens (Buchladen Gartenstadt, Leseecke Oppau und Thalia in der Rheingalerie) erhältlich. ISBN: 978-3-98965-002-2.

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