Ludwigshafen
Spritdiebstahl in Ludwigshafen: Alter Golf wird in Gartenstadt zum Ziel
Als Christian Wolf am frühen Ostermontag vor die Tür tritt, denkt er an alles Mögliche – nur nicht daran, dass sich jemand in der Nacht an seinem Auto zu schaffen gemacht haben könnte. Der 23-Jährige wollte eigentlich nur etwas in den Lieferwagen legen, der direkt neben seinem Auto steht. Doch als er einen Blick zu seinem alten Golf wirft, sieht er, dass der Tankdeckel einen Spalt weit offensteht.
Den Wagen hat er von seinem Großvater geerbt. „Ich wollte ihn gerade wieder auf Vordermann bringen“, sagt Wolf, der in seiner Freizeit an Autos herumschraubt. Als er sich den Tankverschluss näher anschaut, sieht er, dass er verbogen ist. Auf dem Asphalt unter dem Auto prangt ein dunkler Benzinfleck. „Vielleicht hat jemand den Deckel mit einem Schraubenschlüssel aufgehebelt“, vermutet Wolf. Er steigt ins Auto und schaut auf die Anzeige: Der Tank hat sich geleert.
Wolf vermutet, dass die Täter versucht hatten, den Sprit in eine Flasche oder einen Kanister zu füllen. Der Fleck auf dem Boden deutet darauf hin, dass dabei ein wenig daneben ging. Glück im Unglück: Viel Benzin war nicht im Tank. Am Sonntag habe er noch nachgeschaut. „Da war die Tankanzeige noch bei zwei Strichen – danach war es nur noch einer. Die Diebe hatten also keinen großen Erfolg.“ Vielleicht zehn bis 15 Liter hätten sie erbeutet, schätzt Wolf. Dennoch fällt der Diebstahl in eine Zeit, in der die Benzinpreise ohnehin hoch sind. Bei über zwei Euro pro Liter tut auch ein kleiner Teil der Tankfüllung weh.
LKA warnt: Zahlen könnten steigen
Es handelt sich hierbei nicht um einen Einzelfall, auch wenn er in Ludwigshafen eher die Ausnahme bleibt. Das Polizeipräsidium Rheinpfalz teilt auf Anfrage mit, die Polizei könne Kraftstoffdiebstähle in der Kriminalstatistik nicht gesondert auswerten, da sie dort nicht als eigene Kategorie geführt würden. Nach der persönlichen Wahrnehmung der Beamten gebe es jedoch keinen signifikanten Anstieg solcher Fälle in Ludwigshafen oder dem Rhein-Pfalz-Kreis.
Dennoch sind weitere Fälle bekannt – betroffen sind aber fast immer Lastwagen, nicht private Pkw. Erst Mitte März wurde in der Ernst-Boehe-Straße in Ludwigshafen Diesel aus einem Lkw gestohlen. Der Schaden belief sich auf rund 100 Euro. Auch aus anderen Orten der Pfalz werden Fälle gemeldet. So haben Unbekannte in Edenkoben Diesel aus zehn Lastwagen gestohlen. Über die Menge ist hier bislang nichts bekannt. In Neustadt mahnt die Polizei zur Vorsicht, da es mehrere Fälle gegeben habe. In Baden-Württemberg wurden im Rhein-Neckar-Kreis 900 Liter aus Lkw gestohlen, in Pforzheim und Calw waren es über Ostern auf Baustellen sogar 6000 Liter.
Während die Polizei vor Ort bisher also noch keine Steigerungen beobachtet, geht das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) davon aus, dass die stark gestiegenen Kraftstoffpreise die Fallzahlen künftig weiter in die Höhe treiben könnten. Besonders betroffen seien Lkw, die auf abgelegenen Firmengeländen oder schlecht einsehbaren Parkplätzen stehen. Die Täter hebelten dabei Tankdeckel auf oder bohrten Tanks an und ließen den Kraftstoff mit einem Schlauch in Kanister ablaufen.
Diebstahl aus Pkw bleibt Ausnahme
Dass ein Pkw – zumal in einer Wohnstraße in der Gartenstadt – betroffen ist, passt daher nicht ganz ins Bild. Ausgeschlossen ist es aber offensichtlich nicht. Als Wolf sich am Ostermontag umsieht, entdeckt er keine weiteren Spuren. „Ich habe mir die Nachbarfahrzeuge angeschaut, aber da war nichts“, sagt er. Vielleicht seien die anderen, moderneren Autos besser gesichert oder schwerer aufzubrechen, vermutet er. Sein eigener Wagen dagegen ist älter – und damit womöglich ein leichteres Ziel.
Die Polizei rät generell dazu, Fahrzeuge möglichst in gut beleuchteten Bereichen oder – bei Firmenfahrzeugen – auf umzäunten, videoüberwachten Flächen abzustellen. Auch gesicherte Tankdeckel oder Tankschutzvorrichtungen könnten helfen, die Tatgelegenheit zu reduzieren.