Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel So unterstützt die Bundeswehr das Klinikum Ludwigshafen in der Corona-Krise

Oberfeldwebel Maik Reedy und Stabsfeldwebel Stefanie Zimmermann mit Arzt Tim Schykowski in einem Behandlungszimmer der Infektion
Oberfeldwebel Maik Reedy und Stabsfeldwebel Stefanie Zimmermann mit Arzt Tim Schykowski in einem Behandlungszimmer der Infektionsambulanz.

Soldaten in Uniform an der Bremserstraße: Hat das Coronavirus nun doch den Katastrophenfall verursacht? Nein. Die Mediziner in der Stadt haben die Lage im Griff. Aber die Pandemie hat eine ganz besondere Zusammenarbeit ermöglicht – zwischen Klinikum und Bundeswehr.

Als sich im März die Corona-Lage verschärfte, verloren die Krisenstäbe von Stadt und Klinikum keine Zeit. Sie stellten sehr früh die Weichen, dass das Virus in Ludwigshafen möglichst gut unter Kontrolle gehalten werden kann – und dass alle Patienten behandelt werden können. Mit der Eröffnung der Infektionsambulanz in der Bremserstraße 88 (gegenüber vom Klinikum-Haupteingang) wurde klar: Das fast 1000 Betten zählende Krankenhaus kann die Aufgabe nicht alleine stemmen. Daher kamen die Ärzte der Vereinigung Go-Lu mit ins Boot. Und dann auch die Bundeswehr.

Hin und wieder gebe es schon noch „ein paar irritierte Blicke“, wenn jemand in Uniform gesehen werde, sagt Christine Fischer (49), die am Klinikum die Infektionsambulanz koordiniert und fürs Medizincontrolling zuständig ist. Sie lobt die neuen Kollegen: „Wir haben super Leute bekommen. Wir werden wahnsinnig gut unterstützt. Die Zusammenarbeit läuft zwischen allen Gruppen ganz toll.“ Das bekräftigt auch Klinikum-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther (63): „Die Bundeswehr ist extrem wichtig und macht einen super Job.“ Ihr Einsatz ermögliche erst die langen Öffnungszeiten der Infektionsambulanz und die Kontrollen in Altenheimen durch mobile Teams: „Alleine könnten wir das nicht stemmen. Wir haben eine extrem gute und enge Kooperation.“ Daher lobt Günther: „Was die Bundeswehr hier macht, ist einfach genial.“

Antrag in Berlin

Dabei ist diese Form der Kooperation fast einmalig – es gibt sie in Deutschland außer in Ludwigshafen nur noch in Freiburg. Denn so ein Hilfeleistungsantrag muss zunächst ganz offiziell in Berlin beim Verteidigungsministerium genehmigt werden. Für Ludwigshafen ist die Zusammenarbeit bis 15. Mai abgesegnet, sie soll aber bis Ende August ausgedehnt werden. Oberstleutnant Werner Parlow (47) ist als Leiter des Kreisverbindungskommandos Ludwigshafen das Bindeglied zwischen Bundeswehr und Stadt. Er bekräftigt Fischers Fazit zur Zusammenarbeit und sagt: „Die Zusammenarbeit ist phänomenal gut.“ Er ergänzt: „Die enge Abstimmung aller Beteiligten ist in Ludwigshafen der Schlüssel zum Erfolg.“ Es mache sich bezahlt, dass alle zwei Jahre mit dem Katastrophenstab der Stadt Übungen stattfinden.

Diesen Aspekt unterstreicht auch Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (57, SPD): „Das Kreisverbindungskommando Ludwigshafen der Bundeswehr ist schon seit Jahren fester Bestandteil im Katastrophenschutz der Stadt. Der stets enge und kooperative Kontakt beweist sich gerade in der momentanen Krisenzeit. Ohne die unkomplizierte und schnelle personelle Unterstützung in der Infektionsambulanz und vor allem bei den landesweit ersten mobilen Test-Teams wäre eine Einschränkung der Ausbreitung des Coronavirus im Stadtgebiet nur schwer möglich gewesen.“ Von der OB gibt es daher einen „besonderen Dank“.

Seit Ende März vor Ort

Seit 25. März sind jeweils vier Sanitätskräfte der Bundeswehr in der Infektionsambulanz im Einsatz. Ab 10. April ist die Hilfeleistung sogar noch ausgedehnt worden. Seither besuchen mobile Teams die Alten- und Pflegeheime in der Stadt sowie Behinderteneinrichtungen und Asylunterkünfte, um dort systematisch alle Bewohner und Mitarbeiter zu untersuchen – und gegebenenfalls Abstriche für den Corona-Test zu nehmen. Vier Soldaten sind pro Tag gemeinsam mit Klinikpersonal im mobilen Team in Ludwigshafen unterwegs. Die acht Soldaten sind laut Parlow jeweils fünf Tage in Ludwigshafen im Dienst und wechseln sich dann mit dem nächsten Team ab. Alle Soldaten gehören der Sanitätsstaffel in Idar-Oberstein an; eine Gruppe ist vom Standort Germersheim, die andere aus Baumholder. Insgesamt stünden für die Aufgaben etwa 60 Soldaten zur Verfügung.

Risikogruppen im Blick

Parlow zufolge sind die eingesetzten Soldaten entsprechend ausgebildet: Vier seien Rettungsassistenten, die anderen vier seien Einsatzersthelfer, die vor allem administrative Aufgaben (Eingabe der Daten, Ausfüllen der Fragebögen) und unterstützende medizinische Tätigkeiten übernehmen. Als ganz besonders wichtig erachtet Parlow die mobilen Teams: „Das ist eine sehr vorausschauende Vorgehensweise.“ Denn so behalte man speziell die Risikogruppen – Alte und Kranke – gut im Blick.

Stabsfeldwebel Stefanie Zimmermann (40) und Oberfeldwebel Mike Reedy (27) sind zwei der Soldaten, die ihren Dienst aktuell in Ludwigshafen ableisten. Reedy ist bei einem mobilen Team dabei, zu dem außer vier Soldaten noch ein Arzt und eine Pflegekraft gehören. Er ist von der Arbeit in Ludwigshafen sehr angetan. Die Heimbewohner reagierten sehr freundlich: „Wir werden von allen immer herzlich empfangen, oft gibt es auch noch einen Kaffee.“ Diese Stimmung sei wichtig: „Wir werden als Unterstützung und Hilfe wahrgenommen.“ Und darum gehe es ja auch: Man wolle mögliche Corona-Infektionen früh aufdecken, um einen großflächigen Ausbruch zu verhindern. Bei den Besuchen vor Ort werden daher nicht nur Abstriche genommen, sondern die Mitarbeiter und Bewohner werden auch allgemein nach dem Gesundheitszustand befragt und untersucht.

„Positive Stimmung“

Zimmermann ist in der Ambulanz und auf den Stationen im Klinikum im Einsatz. Sie bestätigt auch die „sehr positive Grundstimmung, die Arbeit macht großen Spaß“. Das Klinikum habe die Bundeswehr sehr freundlich aufgenommen und sehr gut in alle Arbeitsabläufe integriert. Dank der personellen Stärke könnten auf den Stationen eben auch Abstriche mit präventivem Charakter genommen werden. Zimmermann nennt ein Beispiel: Soll ein älterer Patient nach längerem Krankenhausaufenthalt zurück ins Seniorenheim, wird er zur Sicherheit auf Corona untersucht. „Nicht dass er doch das Virus hat und wir es so ins Heim bringen“, erklärt die Soldatin.

In Ludwigshafen gelten dank der Zusammenarbeit Standards, über die aktuell bundesweit noch diskutiert wird. Sorgen wegen einer möglichen Corona-Ansteckung machen sich Zimmermann und Reedy nicht. Sie hätten ja die entsprechende medizinische Ausbildung und bekämen ausreichend Schutzkleidung (OP-Kittel, ein weiterer Schutzkittel sowie Handschuhe, Schutzmaske und Brille). Wichtiger sei das Gefühl, helfen zu können. Dass dies so ankomme, spüre sie öfter auf Station, sagt Zimmermann: „Es gibt immer wieder ein Dankeschön.“

Der Eingang zur Ambulanz: Der Zutritt ist für alle klar strukturiert und mit Schildern erklärt.
Der Eingang zur Ambulanz: Der Zutritt ist für alle klar strukturiert und mit Schildern erklärt.
Hinweisschild für Patienten am Klinikum: In mehreren Sprachen wird auf die Ambulanz verwiesen.
Hinweisschild für Patienten am Klinikum: In mehreren Sprachen wird auf die Ambulanz verwiesen.
Christine Fischer mit einem weiteren Bundeswehr-Kollegen am Empfang der Ambulanz.
Christine Fischer mit einem weiteren Bundeswehr-Kollegen am Empfang der Ambulanz.
x