Ludwigshafen
Seilbahn über den Rhein? Verkehrsexperten aus der Region beeindruckt von Pariser Gondelprojekt
Insbesondere wegen der Hochstraßensanierungen und deren Auswirkungen auf den Verkehr flammte in der Metropolregion Rhein-Neckar immer mal wieder die Idee einer urbanen Seilbahn über den Rhein auf, die Ludwigshafen und Mannheim verbinden und die Städte spürbar entlasten könnte. Befeuert wurde das Thema von der Bundesgartenschau 2023 in Mannheim, wo schwebende Gondeln zur Hauptattraktion zählten. In 178 Tagen beförderten sie 3,6 Millionen Fahrgäste. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) erklärte gebetsmühlenartig, dass er mögliche Verbindungen prüfe.
Nun hat der VRN gemeinsam mit Vertretern von Kommunen, die derzeit entsprechende Untersuchungen durchführen, die neue urbane Seilbahn „Câble C1“ im Südosten von Paris besichtigt. Anlass der Exkursion war der fachliche Austausch zur Planung, Realisierung und Einbindung innovativer Seilbahnsysteme in den öffentlichen Nahverkehr, wie der VRN im Nachgang berichtet.
Fünf Stationen über 4,5 Kilometer
Die „Câble C1“ ist seit Mitte Dezember 2025 in Betrieb und gilt mit einer Streckenlänge von rund 4,5 Kilometern derzeit als längste urbane Seilbahn Europas. Sie verbindet die Gemeinden Villeneuve-Saint-Georges, Limeil-Brévannes und Valenton innerhalb von rund 18 Minuten mit der Station Créteil – Pointe du Lac, an der Anschluss an die Metrolinie 8 besteht. Insgesamt umfasst die Strecke fünf Stationen.
„Ein Meilenstein“
Besonders interessant für die Delegation aus der Metropolregion Rhein-Neckar war die städtebauliche Integration der Seilbahnanlage in ein hochverdichtetes Umfeld. Speziell die Verknüpfungsstation mit der Metro-Endhaltestelle veranschauliche, wie flexibel und platzsparend Seilbahnanlagen umgesetzt werden könnten, heißt es vonseiten des VRN. Auch die vollständige Integration der Seilbahn ins bestehende Verkehrsnetz und den Tarif der Region sei „ein Meilenstein“.
Aufgabenträger ist die Île-de-France Mobilités, der Betrieb erfolgt nach einer Ausschreibung durch Transdev. Die Transdev GmbH ist mit rund 9000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,55 Milliarden Euro der größte private Mobilitätsanbieter in Deutschland.
Der Bau der Anlage in Paris wurde durch die Doppelmayr Group realisiert und begann im Mai 2023. Das Unternehmen mit Sitz in Wolfurt bei Bregenz in Österreich hat nach eigenen Angaben weltweit 15.600 Anlagen gebaut. Mit 3500 Mitarbeitern, über einer Milliarde Euro Jahresumsatz sowie Niederlassungen in 50 Ländern ist Doppelmayr der weltweit größte Hersteller von Seilbahnen, sei es in Ski- oder urbanen Stadtgebieten.
Im RHEINPFALZ-Interview im Februar 2025 sagte Wolfram Auer, gebürtiger Ludwigshafener, und bei Doppelmayr zuständig für den Verkauf und die Projektierung von urbanen Seilbahnen in Deutschland und den Benelux-Ländern: „Ich bin mir sicher: Eines Tages wird es hier eine urbane Seilbahn über den Rhein geben. Die Dynamik ist da. Ludwigshafen und Mannheim sind dafür prädestiniert.“
Michael Winnes, Geschäftsführer der VRN GmbH, bilanziert nach dem Paris-Trip: „Die Exkursion hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial urbane Seilbahnen als Ergänzungen zum bestehenden öffentlichen Nahverkehr haben. Gerade dort, wo für neue Stadtbahnstrecken kein Platz vorhanden ist, oder Straßen, Schienenwege und Flüsse überquert werden müssen, können sie neue leistungsfähige Verbindungen schaffen.“
Wichtige Impulse für die Region
Während des Besuchs erhielten die Teilnehmer umfassende Einblicke in die Planung und Umsetzung des Projekts. Vertreter der beteiligten Organisationen berichteten vor Ort über zentrale Herausforderungen in der Planungsphase sowie über Lösungsansätze bei Genehmigung, Bau und Integration in das vorhandene Verkehrssystem.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen war insbesondere die klare politische Unterstützung ein entscheidender Erfolgsfaktor. Gleichzeitig wurde der verkehrliche Nutzen der Seilbahn hervorgehoben: Sie erschließt bislang schwer erreichbare Stadtteile, überwindet geografische und infrastrukturelle Barrieren und ergänzt das bestehende ÖPNV-Angebot „auf leistungsfähige Weise“.
Die Gespräche und Eindrücke in Paris lieferten „wichtige Erkenntnisse für die laufenden Untersuchungen im Verbundgebiet des VRN“. Deutlich geworden sei dabei, dass urbane Seilbahnen unter bestimmten Rahmenbedingungen eine geeignete und effiziente Lösung sein können, um bestehende Verkehrsbedarfe zu decken und neue Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr zu schaffen.