Ludwigshafen Schnell und schlagfertig
. Eigentlich hatte sie sich vom Leistungssport ganz verabschiedet. Nach fast 15 Jahren als Siebenkämpferin beim ABC Ludwigshafen, der MTG Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern hatte Franziska Bauer nach diversen Muskelverletzungen etwas resigniert aufgehört. Jetzt ist sie aber wieder zurück: Nicht mehr auf der Tartanbahnen, sondern vielmehr im Ring. Bauer boxt nun. Und das erfolgreich. Die 21 Jahre alte Rheingönheimerin hat im Juli überraschend die Silbermedaille im Halbweltergewicht bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Marburg gewonnen. Überraschend deshalb, weil die Studentin an der Deutschen Sporthochschule Köln erst seit acht Monaten boxt. Bauer studiert im vierten Semester Sportmanagement. Bis zum Herbst des vergangenen Jahres hatte sie kaum Berührung mit Boxen. Gerade bei den Frauen friste diese Sportart noch ein Schattendasein. „Doch sie ist im Kommen“, sagt Bauer. Wie auch Bauer selbst. „Ich stehe aber erst am Anfang, ich habe noch einiges vor“, sagt sie, „es war das Beste, was mir passieren konnte.“ Ein Studienkollege lud sie in die Box-AG an der Sporthochschule ein. Bis heute ist Franziska Bauer dort die einzige Boxerin. „Das macht mir nichts aus. Ich trainiere auch viel lieber mit Jungs“, erzählt die junge Frau. Die knapp 63 Kilogramm schwere Athletin kämpft beim Sparring ohnehin nur mit Männern. „Es ist ein ganz anderes Niveau als nur mit Frauen zu boxen“, erzählt Franziska Bauer. Inzwischen hat sie sich dem Boxclub Köln-Ost angeschlossen, wo sie während ihrer Studienzeit fast täglich bei Hakan Kaptikacti trainiert. Fünf bis sechs Einheiten stehen inzwischen wöchentlich auf ihrem Plan. Bauer hat den Leistungssport wieder entdeckt und ordnet diesem ihr Privatleben unter. „Ich kann es mir sehr gut vorstellen. Es macht mir unheimlich viel Spaß“, sagt Bauer und will das Boxen leistungsorientiert betreiben. Bauer hat sich darüber schon intensive Gedanken gemacht. Wenn sie in den Semesterferien zu Hause bei ihren Eltern und Geschwistern in Ludwigshafen ist, dann schwitzt sie in der Kampfsportschule Fuchs. In Jerome East hat sie dort einen Sparringspartner, der sie ebenfalls fördert. Ihre Leidenschaft für diesen Sport ist ungebrochen. Bauer wirkt hochmotiviert, ehrgeizig und hat einen klaren Plan. „Ich will 2017 nicht nur bei den Hochschulmeisterschaften, sondern bei den offiziellen deutschen Meisterschaften im Boxen dabei sein“, betont sie. „Mal sehen, wie weit ich kommen kann“, meint sie. Die ältere Schwester von Handball-Junioren-Nationalspieler Philipp Bauer (SG Leutershausen) weiß auch, dass Boxen nicht ganz ungefährlich ist. „Natürlich habe ich schon ein blaues Auge gehabt und mal einen Leberhaken kassiert“, berichtet sie grinsend. Sie lebt dabei aber nach der Weisheit so mancher Marathon-Läufer: „Der Stolz bleibt, der Schmerz vergeht.“ Dem widerspricht sie nicht. „Ja, es ist schon so, dass nach einem Kampf so manche Schmerzen da sind.“ Deshalb steigt sie immer mit Kopfschutz in den Ring. Der Kopfschutz ist für Bauer allerdings kein Indiz dafür, dass Boxen „einfach so draufhauen ist“. „Boxen erfordert Technik, Ausdauer und Taktik“, betont sie und widerspricht dem negativen Image, das der Sportart oft nachgesagt wird. „Auf ein sauberes Boxen legt mein Trainer sehr großen Wert“, sagt Bauer. Nur in einem Punkt war sie sich mit ihrem Mentor nicht einig. Hakan Kaptikacti, der an der Sporthochschule ihr die Anfänge des Boxsports vermittelte, sah im Juni den Zeitpunkt für die erste Meisterschaft noch nicht gekommen. Dennoch setzte sich Bauer mit ihrem Willen durch und überraschte in Marburg mit dem Einzug ins Finale. Gegen die hochfavorisierte Gegnerin Alexandra Stern (TU München) konnte die Newcomerin sogar eine der vier Runden über die zwei Minuten Kampfzeit für sich entscheiden. „Ich habe gemerkt, dass ich nicht chancenlos war“, erzählt Bauer. Letztendlich blieb ihr der Titel nur aufgrund der niedrigeren Zahl von Treffern versagt. „Darauf kann ich aufbauen“, sprüht sie voller Ehrgeiz. Sie brennt auf weitere Einsätze. Bei den Frankfurter Stadtmeisterschaften am vergangenen Samstag siegte sie kampflos. Ihre Gegnerin war nicht gekommen. Somit war nach dem Wiegen Schluss für Bauer – eine neue Erfahrung für die Boxerin.