Ludwigshafen
Schillerschule Oggersheim: Was Archäologen auf der Baustelle entdecken
Vom früheren Schulhof der Schiller-Grundschule in Oggersheim ist aktuell fast nichts mehr zu erkennen. An verschiedenen Stellen wurde Erde aufgehäuft. Diverse Bagger sind im Einsatz. In und an den Gebäuden wird gehämmert und geschraubt. Ein tiefer, mehrere Meter langer Graben, der mit Stahlwänden gesichert wurde, verläuft von der Einfahrt zum Gelände bis auf den Schulhof. Eine Mitarbeiterin des Teams der Landesarchäologen, die hier seit einigen Wochen im Einsatz sind, kniet auf dem Boden des Grabens und legt ganz vorsichtig eine Erdschicht nach der anderen frei. Denn bei den Bauarbeiten sind schon im Frühjahr menschliche Knochen entdeckt worden.
Anfang März hatte die Stadtverwaltung die Öffentlichkeit darüber informiert, dass der Fund im Zusammenhang mit dem ehemaligen Oggersheimer Friedhof steht, der ab 1820 bis zum Jahr 1861/62 an der Stelle der heutigen Grundschule angelegt war. Vertreter der Landesarchäologie bei der Generaldirektion kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz aus Speyer wurden alarmiert. Unter der Leitung von David Hissnauer legen die Teams jetzt viele Gräber – auch Kindergräber – frei und entdecken dabei Beigaben wie filigrane Kronen oder verzierte Gewänder. „Solche Grabbeigaben waren damals üblich“, berichtet Hissnauer bei einem Rundgang über die Baustelle.
Bis Anfang Februar sollen die Grabungen noch dauern. Die Funde werden Hissnauer zufolge untersucht und dann wieder bestattet. Die Analyse der Entdeckungen können noch einige Monate in Anspruch nehmen, sagt der Experte.
Alte Bäume werden erhalten
Die Archäologen arbeiten eng mit den Mitarbeitern einer Baufirma zusammen, die auf dem Schulhof einen Erweiterungsbau errichtet hat und das Gelände nun ganz neu gestaltet. Sobald an ein einer Stelle tiefer gegraben werden muss, um etwa Entwässerungssysteme anzulegen, sind auch die Experten aus Speyer gefragt, damit keine Gräber übersehen werden. Die ersten Knochen seien unter einem ehemaligen Gebäude gefunden worden, dass im Frühjahr abgerissen wurde, schildert die städtische Projektleiterin Gamze Demiray. Mittlerweile sei fast der ganze Schulhof einmal umgegraben worden, ergänzt Rainer Bernhard vom städtischen Gebäudemanagement. Aber die alten Bäume auf dem Areal würden trotz der Neugestaltung erhalten, versichert er.
Der denkmalgeschützte Luitpoldbau wird ebenso saniert wie der Schillerbau, für den es keinen Bestandsschutz gibt, erläutert Demiray den Fortschritt des Projekts. Bis spätestens Ende Januar sollen die Gebäude – auch der Neubau im Schulhof – fertig werden. Es bleibe dabei, dass die rund 360 Schüler zum nächsten Schuljahr – also im Sommer 2025 – wieder in die Wormser Straße zurückkehren sollen.
Kinder und Lehrer sind seit Ostern 2023 in ein provisorisches Quartier an der Oggersheimer Gesamtschule ausquartiert. Ursprünglich sollte die Erweiterung der Schillerschule im laufenden Betrieb stattfinden. Aber aufgrund steigender bautechnischer Anforderungen in der Umsetzung des Projekts und der daraus resultierenden belastenden Einschränkungen des Schulbetriebs durch die Baustelle wurde die Schule im Vorjahr überraschend ans andere Ende des Stadtteils verlagert.
Neubau und Sanierung kosten 14 Millionen Euro
Finanziell sei das Projekt noch im Plan: 14 Millionen Euro sollen die langersehnte Erweiterung und Sanierung der Oggersheimer Ganztagsschule in Angebotsform kosten. Auch die Kosten für den Einsatz der Landesarchäologen müsse die Stadt Ludwigshafen tragen, berichtet Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos).
Die Klassenräume sollen sich künftig in den beiden Altbauten befinden. Im Neubau werden zwei Mehrzweckräume, eine zentrale Mensa und ein Spielraum eingerichtet, außerdem zieht die Schulverwaltung dort ein.