Ludwigshafen
Schadstoffe entdeckt: Kulturzentrum „Das Haus“ bleibt vorerst geschlossen
Vergangene Woche waren bei einer Brandschutzbegehung Schadstoffe in Dämmmaterialien gefunden worden – unter anderem Asbest und Mineralfasern. Die betroffenen Räume für Bühnentechnik, Büros von Mitarbeitern und ein Stuhllager wurden daraufhin gesperrt. Aus Vorsichtsgründen schloss die Stadt am Dienstag das gesamte Gebäude für Schadstoffuntersuchungen – über die Empfehlung eines Experten hinaus, der nur den Zutritt zu den betroffenen Räumen sperren wollte. Alle Veranstaltungen wurden abgesagt und auch das Lokal „ZuHaus“ im Gebäude musste schließen. Die Ergebnisse der in dieser Woche vorgenommenen Schadstoffmessungen der Raumluft im Kulturzentrum haben sich laut einem Gutachten als unbedenklich erwiesen, teilte die Stadt am Freitagnachmittag mit. Trotzdem bleibt das Gebäude vorerst weiter gesperrt.
Bis Mitte kommender Woche will die Stadt mit einem Spezialunternehmen den Gebäudekomplex begehen, „um weitere Maßnahmen in den betroffenen Bereichen festzulegen, die aufgrund der Schadstoffverdachtsfälle umgehend gesperrt worden waren. Bis dahin bleibt das Gebäude vorläufig geschlossen“, hieß es in einer Mitteilung. Nähere Details waren am Freitagnachmittag von der Verwaltung nicht zu erfahren. Wie lange die Schließung andauern wird, ist daher erst einmal unklar. Für die Gastronomin Dolly El Ghandour, die das Lokal „ZuHaus“ betreibt, entsteht dadurch eine schwierige Situation. Sie hatte gehofft, das Restaurant in der kommenden Woche wieder öffnen zu können.
Die 42-jährige Deutsch-Libanesin hängt völlig in der Luft: „Mit mir hat keiner geredet. Am Freitagmorgen habe ich dann bei der Stadt angerufen.“ Ihr sei gesagt worden, dass alle Räume in dem 1967 erbauten Gebäudekomplex als Sicherheitsmaßnahme grundgereinigt werden sollen. „Eine Firma soll das in den nächsten ein bis zwei Wochen reinigen. Es könne auch länger dauern, haben sie bei der Stadt gesagt“, berichtet El Ghandour weiter. Die Gastronomin würde sich schnell einen Zugang zu ihrer Küche wünschen, damit sie wenigstens Catering anbieten kann. Denn wegen der Schließung hat sie keinerlei Einnahmen. Ihre Mitarbeiter müssen aber weiter bezahlt werden. Immerhin: Miete muss sie für das „ZuHaus“ nicht zahlen. Am Dienstag soll es einen Gesprächstermin mit der Stadt geben, um auszuloten, wie es mit dem Lokal weitergehen soll.
CDU hakt im Stadtrat nach
Die CDU-Stadtratsfraktion wird in der Stadtratssitzung am Montag eine Anfrage zur aktuellen Situation des Kulturzentrums einbringen. Die Fraktion bittet die Verwaltung um umfassende Informationen zu den vorliegenden Messergebnissen sowie zu möglichen nächsten Schritten. „Die Schließung kam für alle überraschend“, sagt Constanze Kraus, kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. „Es ist wichtig, dass wir nachvollziehen können, welche konkreten Befunde vorliegen und wie die Stadt gedenkt, damit umzugehen. Unser Ziel ist es, möglichst bald wieder Planungssicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.“
Auch die Perspektive für das Gebäude beschäftigt die Politik. Christoph Heller (CDU), Ortsvorsteher und baupolitischer Sprecher der CDU, sagt: „Wir möchten von der Verwaltung erfahren, wie sie den Zustand des Gebäudes einschätzt. Klarheit über den baulichen Rahmen ist die Voraussetzung für alles Weitere.“ Darüber hinaus fordert die CDU pragmatische Zwischenlösungen. „Die Kulturszene braucht in dieser Übergangszeit verlässliche Alternativen“, sagt Kraus. Die Stadt solle prüfen, ob bei Veranstaltungen auf andere Räume ausgewichen werden kann und ob Kooperationen mit anderen Einrichtungen möglich seien.
Das Gebäude in der Bahnhofstraße wurde 1967 als „Haus der Jugend“ eröffnet, die integrierte Jugendfreizeitstätte wurde 2002 geschlossen. Heute heißt das Kulturzentrum „Das Haus“ und hat einen 270 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal, der bestuhlt 400 Zuschauer fasst. Außerdem gibt es für kleinere Kulturveranstaltungen den Club Dôme, der bestuhlt eine Kapazität von 100 Personen hat. Ergänzt wird das Angebot mit der „Black Box“, einem Raum für 160 Personen im Untergeschoss. Auch das über 500 Quadratmeter große Foyer wird für Veranstaltungen genutzt. In einem weiteren Flügel des Gebäudes befindet sich das Restaurant „ZuHaus“, das im Juni 2024 eröffnet wurde und Nachfolger des vegetarischen Lokals „Hausboot“ ist.