Ludwigshafen Roboter schraubt Zünder aus Bombe

Geschafft: die Männer vom Kampfmittelräumdienst mit der entschärften Bombe.
Geschafft: die Männer vom Kampfmittelräumdienst mit der entschärften Bombe.
Die Bombe war am Vormittag entdeckt worden und wurde mit einer Plane abgedeckt.
Die Bombe war am Vormittag entdeckt worden und wurde mit einer Plane abgedeckt.
Die Experten beratschlagten lange, wie sie vorgehen sollten.
Die Experten beratschlagten lange, wie sie vorgehen sollten.
Die Evakuierungszone.
Die Evakuierungszone.
In der gesperrten Mannheimer Straße standen die Einsatzkräfte bereit.
In der gesperrten Mannheimer Straße standen die Einsatzkräfte bereit.

Bei Arbeiten zum Bau der Heinrich-Pesch-Siedlung ist am Dienstagvormittag nahe des Pesch-Hauses eine 250-Kilo-Bombe aus dem Weltkrieg gefunden worden. Der Sprengkörper wurde am Abend entschärft. 250 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, bis um 19.41 Uhr Entwarnung gegeben werden konnte.

Die Bombe war im Zweiten Weltkrieg von der britischen Luftwaffe über Ludwigshafen abgeworfen worden und lag über 75 Jahre im Erdreich. Der Sprengkörper war verrostet. Für die Experten des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz war die Entschärfung keine leichte Aufgabe, sagte Feuerwehrchef Stefan Bruck. Der Krisenstab hatte nach dem Fund der Bombe überlegt, ob die Bombe nicht gesprengt werden müsste, weil eine Entschärfung zu gefährlich gewesen wäre. Doch letztlich entschieden sich die Experten für eine Fernentschärfung.

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Eine Kamera wurde aufgebaut und ein Roboter übernahm die heikle Aufgabe, den Zünder aus dem Bombenzylinder zu schrauben. Nachdem eine Sicherheitszone in einem Radius von 500 Metern um den Fundort eingerichtet worden war, begann um 19.19 Uhr die Entschärfung. Rund 20 Minuten später, um 19.41 Uhr, gaben die Experten Entwarnung. Der Zünder war erfolgreich entfernt worden. Die Bombe wurde gesichert und von den Männern des Kampfmittelräumdienstes sofort abtransportiert.

Das gefährliche Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg wird nun in ein Depot eingelagert, um dann mit weiteren Munitionsresten fachgerecht entsorgt zu werden. „Ich bin froh, dass alles gut gegangen ist. Ein gewisses Restrisiko gibt es bei Bombenentschärfungen immer“, sagte Feuerwehrchef Bruck.

Am Vormittag entdeckt

Die Bombe war am Vormittag gegen um 10.50 Uhr bei Sondierungsarbeiten entdeckt worden. Auf dem Gelände soll die Heinrich-Pesch-Siedlung entstehen. Eine private Kampfmittelräumfirma war von der Projektentwicklungsgesellschaft vor den Erdarbeiten für den Bau der Siedlung mit der Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg beauftragt worden und ist dabei fündig geworden, wie Bauprojektleiter Ernst Merkel erläuterte. Das Pesch-Haus – ein katholisches Veranstaltungszentrum mit Hotel – wurde evakuiert, alle Veranstaltungen wurden abgesagt.

Die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen koordinierte den Einsatz. Eine Sicherheitszone mit einem Radius von 500 Metern wurde eingerichtet. Im Zuge der Evakuierung mussten rund 250 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Betroffen waren der Bereich der Bayreuther- zwischen Frankenthaler- und Rotkreuz-Straße, die Kopernikus- bis zur Schwedlerstraße, die Saarburger Straße sowie Teile der Frankenthaler- und der Industriestraße. Auch Kleingartenanlagen wurden geräumt.

Mit Lautsprecherdurchsagen wurden die Menschen aufgefordert, bis 18 Uhr das Gebiet zu räumen. Im Einsatz waren rund 50 Feuerwehrkräfte, 40 Polizisten und zehn Mitarbeiter des Kommunalen Vollzugsdiensts (KVD) des Ordnungsamts der Stadt.

Gleise gesperrt

Vor Ort an der Fundstelle in der Mannheimer Straße war eine mobile Einsatzzentrale eingerichtet worden. Dort war auch René Krohn, Notfallmanager der Deutschen Bahn. „Was möglich ist, wird umgeleitet“, sagte er. Die Bahn hatte die Gleise nach Oggersheim sperren müssen, über die Güter- und Personenzüge von Ludwigshafen in Richtung Worms/Mainz fahren. Auch die Straßenbahngleise waren zwischen dem Stadtteil West und Oggersheim gesperrt. Ab 18.30 wurde der Verkehr dort komplett eingestellt.

Das Gebiet zwischen dem Stadtteil West und Oggersheim ist relativ dünn besiedelt, deshalb waren von der Evakuierung hauptsächlich Gewerbebetriebe betroffen, die früher schließen mussten. Betroffen waren auch ein Obi-Baumarkt und vier Supermärkte – ein Netto-, ein Edeka-, ein Aldi- und ein Lidl-Markt. Sie alle mussten um 18 Uhr geräumt sein. Das lief nach Angaben der Einsatzleitung im Großen und Ganzen problemlos. Die Anwohner hätten die Aufforderung, das Gebiet zu verlassen befolgt, bilanzierte Ortsvorsteher Osman Gürsoy (SPD).

Dank an Einsatzkräfte

„Unser Dank gilt allen, die heute Abend dazu beigetragen haben, dass zum Glück wieder einmal nichts passiert ist“, sagte Beigeordnete Beate Steeg (SPD), die in Vertretung der Oberbürgermeisterin den Krisenstab leistetet. Steeg schloss nicht aus, dass auf dem Gelände der Pesch-Siedlung bei den Sondierungsarbeiten weitere Blindgänger gefunden werden könnten.

Um 19.48 Uhr wurden alle Sperrungen aufgehoben. Im Nahverkehr war es während der Entschärfung zu Fahrtausfällen gekommen. Züge der Rheinhaardt-Bahn fuhren von Bad Dürkheim kommend nur bis zur Endstelle Oggersheim und zurück. Von Mannheim kommend fuhren die Bahnen bis zur Haltestelle Ebertpark und wieder zurück. Am Abend wurde der reguläre Linienverkehr wieder aufgenommen.

Zur Sache: Luftkrieg in Ludwigshafen

Ludwigshafen war eines der Hauptangriffsziele der alliierten Bomberflotten im Zweiten Weltkrieg. Die Stadt war wegen des Chemiewerks der IG Farben (heute BASF) ein kriegswichtiger Industriestandort. Insgesamt 124 Luftangriffe flogen Amerikaner und Briten. Dabei wurden rund 800.000 Brand- sowie 40.000 Sprengbomben auf die Stadt abgeworfen. Das Bombardement forderte 1300 Todesopfer – die Anzahl der Opfer wäre ohne die zahlreichen Bunker in der Stadt wesentlich höher gewesen.Wie viele Blindgänger im Boden liegen, kann niemand genau sagen. Zwar machten die Alliierten Luftaufnahmen, um die Wirkung ihrer Angriffe zu überprüfen, doch deren Aussagekraft ist fragwürdig. Die Experten wissen, welche Fracht die Bomber geladen hatten. Aber man weiß nicht genau, wie viele Bomben wohin gefallen sind. Bei jedem größeren Bauvorhaben wird deshalb nach Kampfmitteln gesucht. Dabei werden alte Luftbilder ausgewertet und Verdachtsflächen mit Metalldetektoren untersucht. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass ein Großteil der Blindgänger in den 1950er-Jahren entschärft wurde – doch ein Restrisiko bleibt.

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