Ludwigshafen
Pionierarbeit: 46 junge Frauen erhalten Bachelor-Abschluss in Hebammenwissenschaft
„Es ist ein Novum“, betonte Studiengangsleiterin Nina Knape in der voll besetzten Aula der HWG. Zum einen, weil das Studium Hebammenwissenschaft den Beruf Hebamme professionalisiere, zum anderen, weil Theorie und Praxis bei dieser akademischen Ausbildung so sorgfältig aufeinander abgestimmt sein müssten, wie es an kaum einem anderen Studiengang der Fall sei. Zur feierlichen Verabschiedung der ersten Absolventinnen waren deshalb auch viele Vertreter der sogenannten Praxispartner gekommen, wie etwa das Ludwigshafener St. Marienkrankenhaus oder die Uniklinik Mannheim.
„Der Weg, den Hebammen gehen, ist nicht immer der einfachste“, betonte Nina Knape und gab den 46 Studentinnen folgenden Rat für ihr kommendes Berufsleben mit auf den Weg: „Fühlen Sie sich niemals zu sicher und leisten Sie es sich, Dinge immer wieder kritisch zu hinterfragen. Gewissheit führt zu Arroganz und macht anfällig für Fehler.“ Doch Knape beschränkte ihre Rede nicht auf die verantwortungsvolle medizinische Rolle von Hebammen in der Geburtshilfe. „Der Beruf der Hebamme ist auch ein feministisch politischer Akt“, betonte die Studiengangsleiterin. Denn: Der Zugang zu einer respektvollen, würdevollen und sicheren Geburtshilfe sei nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch eine Frage von Rechten.
Kontrolle über den eigenen Körper
„Es ist ein grundlegendes Menschenrecht, dass Frauen und gebärende Personen in einer Gesellschaft die Kontrolle über ihren Körper, über ihr Leben und ihre Geburt haben“, sagte Nina Knape. „Und Sie, liebe Studierende, können mit ihrer künftigen Arbeit dazu beitragen, dass dieses Recht für viele Frauen verwirklicht wird.“ Aktuell würden die Zeiten für Frauen oder auch gesellschaftliche Minderheiten gerade rauer, konstatierte Knape. „Insbesondere die Frauenrechte scheinen sich in manchen Bereichen gerade tendenziell wieder rückwärts zu drehen.“ Warum sie das ausgerechnet an einem solch feierlichen Tag erzähle? „Das sind Herausforderungen, die Sie mittelbar in Ihrem Beruf betreffen werden“, sagte Knape an die künftigen Hebammen gerichtet. „Meine Hoffnung ist, dass Sie bereit sind, sich nach Ihrem Studium in unserer Gesellschaft zu engagieren.
Für diese Worte bekam die Studiengangsleiterin ebenso großen Applaus wie die Absolventinnen, die anschließend einen Film mit vielen berührenden Bildern der letzten dreieinhalb Jahre zeigten und damit durchaus emotional auf ihre Studienzeit an der HWG zurückblickten.