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Hochschule: Michaela Michel-Schuldt bildet Hebammen aus
Michaela Michel-Schuldt wartet schon am Eingang des Hochschulgebäudes in der Ludwigshafener Maxstraße. Die Mittvierzigerin mit den kinnlangen grauen Haaren und der runden Brille trägt ein dunkelblaues Sommerkleid und Sandalen. „Das erste Semester fast ganz ohne Studierende in diesen Räumen – sondern fast ausschließlich online war seltsam“, blickt sie auf dem Weg zu ihrem kleinen Büro im obersten Stockwerk auf ihren Start an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft zurück. Jetzt kehre langsam das Leben in die Gebäude zurück, sagt sie. Das fühle sich gut an.
Michel-Schuldt hat im März die Professur für Hebammenwissenschaft am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen der Hochschule übernommen. Zuvor war sie bereits mit der Vertretung der Professur beauftragt. „Mit Michaela Michel-Schuldt haben wir eine Kollegin mit großer internationaler Expertise sowie viel praktischer Erfahrung für die Hochschule gewinnen können. Sie wird unsere noch junge Disziplin weiter voranbringen“, hat Studiengangsleiterin Nina Knape die Neue in ihrem Team begrüßt.
Arbeit in Thailand, Studium in Schottland
Michel-Schuldt, die in der Nähe von Mainz in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist, studierte zunächst Ethnologie, Philosophie und Pädagogik, bevor sie im Jahr 2003 ihre Ausbildung zur Hebamme in Gießen abschloss. Im Anschluss arbeitete sie als Beleghebamme an einem Krankenhaus in Bingen, dann zog es sie in die weite Welt: als internationale Hebamme beim Hilfsdienst Malteser International.
Sie hat in Thailand die Mutter-Kind-Gesundheitsabteilung in zwei Flüchtlingslagern geleitet, managte in Myanmar ein Programm für mütterliche und reproduktive Gesundheit in der Grenzregion zu Bangladesch und leistete Nothilfe nach einem Wirbelsturm im Südwesten von Myanmar. Es folgten ein Bachelorstudium im schottischen Glasgow und ein European Master of Science-Abschluss in Hannover.
WHO und Unicef beraten
Nach Forschungsaufenthalten in Südafrika, Neuseeland und Australien sowie einem Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule Mainz war Michel-Schuldt von 2012 bis 2016 im United Nations Population Fund (UNFPA) unter anderem als Beraterin für die Hebammenausbildung in Bangladesch, in Genf und in Kambodscha. „Ich bin nicht die richtige Hebamme für Menschen, deren größtes Problem es ist herauszufinden, welchen Kinderwagen sie kaufen wollen“, beschreibt sie sich selbst.
Nach weiteren Lehr- und Beratertätigkeiten, unter anderem für Unicef, die Weltgesundheitsorganisation und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, erlangte Michaela Michel-Schuldt 2021 dann den Doctor of Philosophy der University of Technology Sidney, Australien, und der University of Dundee, Schottland, mit einer Arbeit über „Hebammengeleitete Betreuung in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen“.
Wohnung in der Gartenstadt
Unterwegs habe sie sich in einen Mainzer mit Kind verliebt, erzählt Michaela Michel-Schuldt. Das habe sie zurück in die Heimat geführt. Daher lehrt und forscht die Weltenbummlerin nun seit vergangenen September an der Hochschule in Ludwigshafen im Bereich Hebammenwissenschaft. Und die Stadt Ludwigshafen erforscht die 44-Jährige auch mit großer Neugier.
Seit Anfang Mai hat sie neben ihrem Wohnsitz in Mainz auch eine kleine Bleibe in der Baugenossenschaft in der Gartenstadt. „Ich möchte Ludwigshafen kennenlernen. Das ist mir wichtig“, sagt sie. Am liebsten hätte sie sich hier auf einem Hausboot niedergelassen. Aber dafür gebe es leider trotz der vielen Möglichkeiten keine Plätze, bedauert die Wissenschaftlerin.
Geschätzt 24.000 Hebammen in Deutschland
Die Lehr- und Forschungsschwerpunkte der neuen Professorin liegen im Bereich Betreuungs- und Versorgungsforschung sowie Professionalisierung des Hebammenwesens. Schon seit Jahren setze sie sich für die Schaffung einer Hebammenkammer ein, denn bisher gebe es in Deutschland keine Erfassung der schätzungsweise 24.000 Berufsangehörigen, sagt die Expertin. Zudem engagiert sie sich weiterhin in Forschungs- und Entwicklungsprojekten auf internationaler Ebene, insbesondere in Gesundheitsdiensten, der Betreuung von Müttern und Neugeborenen, Entwicklung der Fachkräfte im Gesundheitswesen und der Ausbildung von Hebammen.
Zur Sache: Studiengang
Der duale Bachelorstudiengang Hebammenwissenschaft (sieben Semester) richtet sich an alle, die den Beruf der Hebamme erlernen wollen. Voraussetzung ist eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachhochschulreife oder eine als gleichwertig anerkannte Vorbildung) oder eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. Die theoretischen Studienphasen finden an der Hochschule statt und werden durch praktische Lerneinheiten in modern eingerichteten Skills- und Simulationsräumen ergänzt. Die praktischen Studienphasen finden im Wechsel mit den theoretischen Studienphasen bei den klinischen und außerklinischen Kooperationspartnern statt: Dazu gehören Praxiseinsätze im Kreißsaal, der Schwangerenambulanz, auf der Wochenbettstation und in der Kinderklinik sowie außerklinische Einsätze bei freiberuflich tätigen Hebammen, in Geburtshäusern oder Hebammenpraxen. Während des gesamten Studiums erhalten die Studierenden eine Vergütung. Das Studium ersetzt durch die Änderung des Hebammengesetzes 2019 im Zuge der Akademisierung der Gesundheitsberufe künftig die Ausbildung an Hebammenschulen. Nähere Informationen zum Studiengang im Netz: www.hwg-lu.de.