Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Paul Eugen Haueisen: Der Architekt der Anilin

Typischer Haueisen-Stil: das BASF-Casino im Hemshof.
Typischer Haueisen-Stil: das BASF-Casino im Hemshof.

Als Bauherr ist er fast völlig in Vergessenheit geraten, und dennoch sind seine Bauten noch heute im Hemshof oder in Limburgerhof sichtbar: An den Architekten Paul Eugen Haueisen erinnert vielleicht keine Straße, wohl aber so manche rotbraune Kolonie. Und die erste Adresse der BASF.

Der Baumeistersohn aus dem württembergischen Leonberg, der 1874 im Alter von 29 Jahren in die prosperierende Stadt am Rhein gekommen war, wurde dort wohl auf Empfehlung seines Jugendfreundes, des BASF-Mitbegründers August Clemm (1837-1910), zum ersten festangestellten Architekten des späteren Chemiekonzerns BASF. Vier Jahrzehnte lang bis zu seiner Pensionierung im Herbst 1914 war er zunächst Leiter des BASF-Baubüros mit 1880 gerade mal sechs „Beamten“, später der gesamten Bauabteilung des Unternehmens. Quasi nebenher war Paul Eugen Haueisen (1845-1925) auch für die Stadt Ludwigshafen und die gerade entstehende Gemeinde Limburgerhof aktiv.

Haueisen, der nach dem Architektur-Studium in München und Berlin einige Jahre in den USA verbracht und von dort seine aus Jockgrim stammende Frau Regine Conrath mit zurück in die Pfalz gebrachte hatte, war nicht nur in Fachkreisen als „Backsteingeneral“ weithin bekannt. Davon zeugen noch heute markante Bauten aus diesem Baumaterial wie die einstige BASF-Hauptverwaltung. Auch das Gesellschaftshaus der BASF und die heute zum Teil noch stehenden Doppelwohnhäuser für die Direktoren und Beamten des Unternehmens an der Wöhlerstraße waren eindrucksvolle „Markenzeichen“ à la Haueisen. Das Gesellschaftshaus, später auch als „Casino“ bekannt, war um 1900 mit seinem anspruchsvollen Neorenaissance-Stil ein viel beachteter Prachtbau, nicht nur unter Fachleuten.

Moderne Werkswohnungen

„Errichtet ihren Beamten und Arbeitern“ ist noch heute auf der modernisierten Fassade zu lesen - im Inneren herrschen weiter klassische Gestaltungsformen vor. Das bereits um 1900 als „luxuriös“ eingestufte Gesellschaftshaus galt den BASF-Oberen als „Ort der Förderung des sozialen Lebens“ und sollte dazu beitragen, die damalige große Personalfluktuation zu verringern.

Zwischen 1872 und 1901 entstanden auf dem Gelände des ehemaligen Bauernhofes „Hembshof“ rund 400 Werkswohnungen in einem für die damalige Zeit völlig neuen Stil: Sie enthielten zwei Stuben, eine Küche, einen Keller und einen kleinen Garten. Die „Hemshof-Kolonie“ (wie sie später bekannt wurde) an den Gartenwegen, der Liebig- und der Sodastraße besteht zum Teil in veränderter Form noch heute. Das gilt auch für die um 1900 aus dem Ackerboden gestampfte „BASF-Kolonie“ in Limburgerhof.

Dort gehören noch heute zahlreiche Häuser vom Reißbrett des Ludwigshafener BASF-Architekten zum Ortsbild westlich der Speyerer Straße. In Limburgerhof, am dort 1854 entstandenen „Hauptbahnhof“ auf ehemals zu Rheingönheim, Neuhofen, Schifferstadt und Mutterstadt gehörendem Gelände hatte damals die BASF für das Seelenheil ihrer Mitarbeiter Sorge getragen und 1903 im oberen Geschoss des Schlösschens im Park einen Betsaal eingerichtet. Der wurde allerdings nur von den Protestanten genutzt, wie der frühere Bürgermeister Peter Kern recherchiert hatte. Die Katholiken wurden von den Pfarreien Schifferstadt, Rheingönheim und Waldsee betreut.

Ökumenisches Bethaus

1911 wurde von der BASF in der Limburgerhof-Kolonie bereits ein ökumenisches Bethaus für die Arbeiter beider Konfessionen eingerichtet. Die „Normaluhr“ des Hauptbahnhofs Mutterstadt sorgte dafür, dass es zwischen den konfessionellen Gottesdiensten keine irritierenden zeitlichen Überschneidungen gab. Erst 1937 erhielten die Katholiken (Architekt Josef Ohmer/Ludwigshafen), 1957 auch die Protestanten (Architekt Egon Freyer/Speyer) eigene Kirchen an der heutigen Kirchenstraße.

Zum Zeitpunkt, als die BASF in Limburgerhof baulich aktiv wurde, hatte Haueisen in der Kurpfalz bereits „architektonische Geschichte“ im Krankenhausbau geschrieben. Bei Planung und Bau des ersten städtischen Krankenhauses der jungen Stadt Ludwigshafen 1886 war seine Idee von den Stadtvätern favorisiert worden, statt eines damals üblichen mächtigen ungeteilten Gebäudekomplexes mit langen Fluren die für diese Zeit völlig neuartige „Pavillon-Bauweise“ mit freistehenden, luftigen und eher flachen Gebäuden zu bevorzugen.

Der kaufmännische Verwaltungsbereich war damit von den medizinischen Abteilungen auch räumlich getrennt. Diese sichtbare Aufgabenteilung gilt heute noch für das städtische Klinikum mit seinem gewaltigen Zentralbau an der Bremserstraße. So setzte sich der architektonische Gedanke der „Gründerzeit“ mit der dominierenden „Philosophie“ eines Paul Eugen Haueisen fort. Er starb am 25. Juni 1925 in Jockgrim, dem Heimatort seiner Frau, wo beide auch begraben sind. Sein Sohn Albert (1872-1954) hatte sich zu einem auch international beachteten Maler entwickelt.

Werkswohnungen im Roten Dorf in Limburgerhof.
Werkswohnungen im Roten Dorf in Limburgerhof.
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