Ludwigshafen
Pasadena: Ludwigshafens Partnerstadt vom Feuer bedroht
Anna Kemper (35) ist gebürtige Frankenthalerin und vor drei Jahren an die Westküste der USA ausgewandert. RHEINPFALZ-Lesern ist die Fitness- und lizenzierte Kampfsporttrainerin mit Beiträgen über Sport, Trainingsansätze, Disziplin und Ernährung bekannt. Was sie zuletzt der Redaktion berichtete, klingt alarmierend. Vorige Woche habe sie noch in dem Supermarkt im vornehmen Stadtteil Pacific Palisades eingekauft. „Jetzt existiert er nicht mehr“, schreibt Kemper.
Die 35-Jährige bekommt die rasende Entwicklung mehrerer Brände in der Region um Los Angeles hautnah mit. Ihr Apartment im San-Fernando-Tal im Nordwesten der Mega-Metropole Los Angeles hat sie noch nicht räumen müssen, „aber die Koffer sind gepackt“, erzählt sie in einem Videotelefonat mit der RHEINPFALZ am späten Mittwochabend. Ein Feuer ist dort keine vier Kilometer von Kempers Apartment ausgebrochen. Wenn sie aus dem Fenster schaut, kann sie Rauchwolken sehen. „Der Himmel verfärbt sich immer dunkler, die Luftqualität hat sich deutlich verschlechtert“, schildert sie die Situation.
„Eaton Fire“ nähert sich Pasadena
Besonders betroffen von den Waldbränden ist Ludwigshafens Partnerstadt Pasadena im Norden gelegen. Dort wütet der „Eaton Fire“ getaufte Waldbrand, der wohl im Eaton Canyon in den San-Gabriel-Bergen ausgebrochen ist. Mutmaßlich hat ein Defekt an einer Stromleitung den Brand verursacht. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) hatte bereits am Dienstag beim Neujahrsempfang geschildert, dass es schlimme Nachrichten gebe und Ludwigshafen in Gedanken bei den Einwohnern der Partnerstadt sei. Seit 77 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen Ludwigshafen und der Stadt am Fuße der San Gabriel Mountains. Zwischen Gebirge und der Pazifikküste gelegen, ist Pasadena eine Gartenstadt mit über 130.000 Einwohnern.
Beim „Eaton Fire“ nahe Pasadena wurden bislang etwa 4000 bis 5000 Gebäude zerstört oder beschädigt, wie es in den Nachrichten heißt, betroffen ist eine Fläche von mehr als 5500 Hektar. Die am Dienstag ausgebrochenen Brände gelten weiter als „außer Kontrolle“. Die kalifornische Forstbehörde veröffentlichte Freitagnacht (Ortszeit) eine Aufforderung, Evakuierungsgebiete im Norden des Ballungsraums Los Angeles jetzt zu verlassen. Das Wort „jetzt“ ist in Großbuchstaben geschrieben. Eine von fünf besonders geschützten Notunterkünften, Evacuation Shelters genannt, befindet sich im Pasadena Convention Center.
Bei Pasadena wurden vom Feuer bereits das Andrew-McNally-Haus zerstört, eine historische Landmarke, sowie zwei Kirchen, eine Moschee und der Pasadena Jewish Temple. Auch das nördlich von Pasadena gelegene Mount-Wilson-Observatorium musste geräumt werden – eine Datenfunkverbindung zu der bedeutenden astronomischen Beobachtungsstation verstummte am Donnerstag gegen 1.20 Uhr Ortszeit.
Pläne für die Evakuierung
Fitnesstrainerin Kemper wird, wenn für ihren Wohnort im San-Fernando-Valley die Evakuierung angeordnet wird, versuchen, im Ballungsraum Los Angeles nach Süd-Osten zu fahren. „Eine Cousine von mir wohnt in Long Beach im Süden von Los Angeles“, erzählt sie. Dorthin sollte sie gut durchkommen, erwartet Kemper. Der Highway sei aktuell nicht verstopft, Verkehrsmeldungen gingen zuverlässig ein, die Information der Bevölkerung über diverse Kanäle sei präzise.
Christian Schreider, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal, zeigt sich erschüttert von den Berichten aus der Partnerstadt Ludwigshafens. Nach gut zwei Jahren mit überdurchschnittlich viel Regen und zuletzt üppig gewachsener Vegetation erfahre die Region nun einen der trockensten Winter aller Zeiten. Obwohl im Westen der USA häufiger Waldbrände vorkommen, zeigten die aktuellen Bilder eine „außerordentlich bedrohlichen Lage“, so der Friesenheimer, der sich seit Jahren in der Städtepartnerschaft engagiert.
Schreider verweist auch auf die Situation im Südwesten von Los Angeles, wo das Feuer nahe Pacific Palisades wütet und das Thomas-Mann-Haus bedroht. Dies gilt als eine der transatlantischen Begegnungsstätten für den deutsch-amerikanischen Kultur- und Literaturaustausch und wurde von der Bundesregierung Ende 2016 unter Mitwirkung Schreiders Vorgängerin Doris Barnett (SPD) als Werkstatt für die deutsche Exilliteratur erworben.