Ludwigshafen Ohnmacht im Lametta-Overall

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Als Dancing-Queen nach NY

Ein ganz heißer Feger auf den Tanzflächen in Ludwigshafen war Brigitte Melder aus Böhl-Iggelheim: „In meinen jungen Jahren war ich in fast jeder Disco anzutreffen“, erzählt die heute 63-Jährige, „ich weiß gar nicht mehr, wie sie alle hießen, nur noch wo sie waren.“ Die junge Sekretärin war etwa 20 Jahre alt, als sie sich an Wochenenden mit Freundinnen schick machte und tanzen ging. „Und ich habe leidenschaftlich gerne getanzt, ich wollte sogar mal Tänzerin im Fernsehballett werden“, erzählt sie und schmunzelt. Ein Erlebnis aus dieser Zeit ist ihr besonders in Erinnerung geblieben, es war in der Diskothek Inka im Tiefgeschoß des Ludwigshafener Rathauscenters. Die Zigarettenfirma Godewind suchte 1979 die Dancing-Queen in eben dieser Disco. „Es war die Zeit, als Patrick Hernandez ,Born To Be Alive’ schmetterte – mein Lieblingslied.“ Brigitte Melder tanzte mit vielen anderen Mädchen auf der Tanzfläche. Eine Jury pickte dann sie und ein anderes Mädchen heraus, sie mussten gegeneinander in einem Battle tanzen. Mit 92 von 100 Punkten setzte sich Brigitte Melder durch und bekam eine Urkunde, auf der stand, eine Jury würde wiederum unter den Gewinnerinnen Mädchen für eine viertägige New-York-Reise auswählen. Brigitte Melder war so voller Hoffnung, dass sie sogar nach München fuhr, um sich für New York einzukleiden. Unter anderem hatte sie sich einen silbernen Lametta-Overall gekauft. Mehrfach rief sie bei der Firma an, dann nach etlichen Wochen wurde ihr mitgeteilt, dass sie nicht dabei sei. „Also hatte ich mich ganz umsonst abgestrampelt. Naja, nicht ganz, ich hatte noch ein Werbe-Sweatshirt und eine Stange Godewind-Zigaretten gewonnen“, erinnert sie sich. Nach dieser Enttäuschung hat sie aber nie wieder an einem Tanzwettbewerb teilgenommen. Den silbernen Lametta-Overall hat sie dennoch „ausgeführt“. „Darin sah ich aus wie eine Disco-Kugel“, erzählt sie. Der glitzerte aber nicht nur, er war auch aus Polyester, sehr eng und man schwitze darin fürchterlich. „Ich trug diesen mal in der Schweiz auf einer Silvester-Party – und wurde ohnmächtig, weil ich kaum Luft bekam“, sagt sie und muss laut lachen. Einen Mann hat Melder in der Disco nicht kennengelernt. Sie erinnert sich, dass damals oft nur die Mädchen auf der Tanzfläche waren. „Die Jungs standen meist an der Bar, die waren tanzfaul“, sagt sie. Getrunken wurde damals zum Beispiel Cola-Cognac, Gin-Tonic oder Cola-Bier. DJ mit Wuschelkopf Heinz Müller denkt auch gerne an seine Diskozeit. „In den 80er-Jahren war ich Stammgast in der Disco Inka im Rathaus Ludwigshafen“, berichtet er. Von der Jägerstraße aus sei es in den Keller runtergegangen und die Disko sei mit Pyramiden eingerichtet gewesen, erinnert er sich. „Nach einem Schwelbrand war die Disko dann plötzlich geschlossen“, sagt er. Warum genau sie dann für immer zu war, weiß er aber nicht. „Heute ist dort, glaube ich, eine Spielhalle drin.“ Zwei mal wöchentlich sei er mit seinen Freunden dort gewesen. „Wir waren immer vier bis fünf Mann – und haben dort natürlich auch hin und wieder Frauen kennengelernt“, berichtet Müller mit einem Schmunzeln. Die Liebe seines Lebens hat er aber erst in den 90ern getroffen. „Wir sind mittlerweile 25 Jahre verheiratet“, erzählt der 59-Jährige. Zur Diskozeit war er Anfang 20. „Ich war aber immer ein Nichttänzer und hab mir das lieber von außen angeschaut.“ Das heißt aber nicht, dass er nicht auch eine Liebe zu den großen Hits von damals hatte. Topaktuell waren laut Müller damals etwa „Knock On Wood“ von Amii Stewart, „Ring My Bell“ von Anita Ward oder Pink Floyd mit „Another Brick In The Wall“. Getrunken wurde natürlich auch: „Mittwoch oder Donnerstag hat es eine Flasche Asbach im Angebot gegeben. Die haben wir uns immer gekauft“, sagt Müller, der in West wohnt. Er erinnert sich noch an einen DJ mit Wuschelkopf, der dann aber plötzlich nicht mehr aufgelegt habe. „Es wurde gemunkelt, dass er Drogen hinter dem Pult vertickt hat. Ich kann aber nicht sagen, ob das stimmt.“ Heute geht er nicht mehr in die Disko, dafür aber sehr gerne auf Konzerte. „Ich bin einfach ein Rocker.“ Partys im eigenen Diskokeller An seine Diskozeit in den 80er- und 90er-Jahren kann sich auch Frank Ritzhaupt (55) noch bestens erinnern. „Ab 18 durfte man ja alleine in die Disko, als ich den Führerschein hatte, bin ich immer mit Freunden los.“ Er selbst habe dann die Musik genossen, denn „ich war schon immer ein Tanzmuffel“. Frauenbekanntschaften gab es trotzdem. „Es hat aber nie richtig gefunkt“, sagt der Edigheimer. Die Liebe seines Lebens hat er dann vor 15 Jahren getroffen. „Wir haben vor Kurzem geheiratet, im Juni geht es nach Kuba in die Flitterwochen“, freut sich Ritzhaupt, der noch genau weiß, welche Diskos er und seine Freunde unsicher gemacht haben: „Wir waren immer in der Disko in der Nachtweide.“ Diese gebe es aber nicht mehr. „Schöne Erlebnisse hatten wir auch in der Disko im damaligen Gewerbegebiet in Lampertheim und im Tiffany in Mannheim.“ Dort habe er auch mal Steffie Graf getroffen, „die war damals aber schon so hochnäsig“. Weil jeder gerne Alkohol getrunken habe – beliebt seien Eierlikör und Sekt gewesen –, „stand natürlich auch immer die Frage im Raum, wer fährt“, erinnert sich Ritzhaupt. Meistens habe sein Kumpel Uwe herhalten müssen. Die Liebe zum Feiern hat Ritzhaupt nie verloren, regelmäßig geht er in die Music-Hall Oppau. „Dort treffe ich manchmal Bekannte von damals – und freitags läuft die Musik von früher.“ Früher, dass sei die Zeit der Neuen Deutschen Welle (NDW) gewesen, Techno sei gerade aufgekommen. „Wir haben Nena und Udo Lindenberg gehört, ich war ein großer Fan von Simple Minds und U2.“ Und es sei die Zeit der Schallplatten gewesen. „Viele höre ich noch heute. Mein Liebling war eine grüne LP der NDW.“ In seinem Elternhaus hat sich Ritzhaupt sogar einen eigenen Diskoraum zurecht gemacht. „Die Wände des Kellerraumes habe ich komplett mit silberner Alufolie tapeziert, schwarz gestrichen und Diskostrahler montiert.“ In diesem Partyraum hätten sie viele feuchtfröhliche Feste gefeiert, von Geburtstagen bis hin zu Silvester. Zehn bis 30 Leute hätten mitgefeiert. „Eines der schönsten war mein 30. Geburtstag, da kamen Freunde mit einer 5-Liter-Magnum-Flasche von Schloss Wachenheim.“ Nach rund 25 Jahren sei der Raum abgebaut worden. „Wir haben ihn anderweitig gebraucht. Das tut mir sehr leid“, blickt Ritzhaupt mit Wehmut zurück.

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