Ludwigshafen
OB-Wahl: Reaktionen, Stimmen und Kommentare zum Duell Blettner gegen Gotter
Kurz nach 19.30 Uhr ist die Messe gelesen. Die beiden Erstplatzierten werden in ihren Lagern geherzt und geben ein Interview nach dem anderen. Als alle 144 Bezirke bei der Wahl-Präsentation vor rund 200 Gästen im Wilhelm-Hack-Museum ausgezählt sind, ergibt sich ein eindeutiges Bild: Der schwarze und der rote Balken dominieren auf der Großleinwand: Klaus Blettner (57), Kandidat von Union und FWG, sowie Jens Peter Gotter (53) ziehen in die Stichwahl ein und lassen ihre Rivalen weit hinter sich.
Im Prinzip zeichnet sich eine Stichwahl zwischem dem Christdemokraten und dem Sozialdemokraten bereits nach 32 ausgewerteten Bezirken ab. Mit Beifall quittieren die Einblendungen zu diesem Zeitpunkt insbesondere die Genossen. Denn Diplom-Volkswirt Gotter liegt mit 39,7 Prozent der Stimmen zwei Punkte vor Blettner – Martin Wegner (57, unabhängig) und Michael Schneider-Wettstein (45, Volt) sind abgeschlagen – und bleiben es auch mit letztlich 15,7 und 7,6 Prozent der Stimmen.
„Das tut schon etwas weh“
An der Spitze des Quartetts neigt sich die Waage im Laufe des Abends indes immer weiter zugunsten des BWL-Professors, der im Stadtrat Fraktionsvize der Union ist. Letztlich distanziert Blettner (41,2 Prozent) seinen Rivalen Gotter (35,5) relativ klar um 5,7 Punkte und 1783 Stimmen. Gemessen an der repräsentativen Meinungsumfrage, die von der RHEINPFALZ Anfang September in Auftrag gegeben wurde, dreht Blettner das Blatt. Bei dem Stimmungsbild rangierte Gotter mit 23 Prozent noch knapp vor Blettner (21), Wegner (18) und Schneider-Wettstein (3).
Das legt den Schluss nahe, dass Blettner im Wahlkampf-Endspurt viele der Unentschlossenen (34 Prozent) auf seine Seite gezogen hat, Rechtsanwalt Wegner keinen Boden mehr gutmachen konnte und die überraschende Bewerbung des SPD-Mitglieds (seit 1984) vor allem Gotter geschadet hat. Das räumt der IT-Unternehmer im RHEINPFALZ-Interview auch unumwunden ein: „Das tut schon etwas weh“, sagt er, um gleich hinterherzuschieben: „Das zeigt aber auch, dass wir noch Potenzial für die Stichwahl haben.“ Gotter wirkt keineswegs geknickt, sondern hochmotiviert: „Ich habe noch Körner im Tank, wir sind vorbereitet auf weitere drei Wochen Wahlkampf.“ Er feiert den Einzug in die Finalrunde mit der SPD-Familie im Mayer-Bräu in Oggersheim, wo er aufgewachsen ist.
„Rückenwind mitnehmen“
Vollgas geben bis 12. Oktober will auch sein Hauptkonkurrent, der mit der CDU im „Freischwimmer“ auf sein Resultat angestoßen hat. „Jetzt geht’s in die Verlängerung mit neuen Veranstaltungsformaten und darum, die eigenen Leute zu mobilisieren, um jede einzelne Stimme zu kämpfen und den Rückenwind vom heutigen Abend mitzunehmen“, konstatiert Blettner. „Es steht viel auf dem Spiel, es geht um Ludwigshafens Zukunft.“
Schneider-Wettstein, Referentin für Inklusion an der Universität Frankfurt, kündigt an, weiterhin in der Ludwigshafener Politik mitmischen zu wollen. Sie spricht von einem „überwältigenden Ergebnis“ angesichts ihr Startvoraussetzungen. Ob sie eine Empfehlung für einen Stichwahl-Kandidaten abgeben wird, lässt sie offen. Auch Wegner spricht von einem „fulminanten Ergebnis“, ist sich aber bereits sicher, keine Empfehlung abzugeben. „Gott gebe euch ein gutes Händchen“, meint er süffisant zum Duell Blettner gegen Gotter. Er selbst werde die Stadt „weiterhin als politischer Mensch begleiten“.
Geringe Beteiligung bedrückt
Was allen OB-Kandidaten auf den Magen schlägt, ist die extrem niedrige Wahlbeteiligung von unter 30 Prozent und die hohe Anzahl ungültiger Stimmen (3201). Gotter führt das auf „die allgemeine Politikverdrossenheit“ zurück. Das schlechte Wetter habe wohl auch eine Rolle gespielt, ebenso der ganze Wirbel um den Ausschluss des AfD-Bewerbers Joachim Paul (55), der die Präsentation im Wilhelm-Hack-Museum mitverfolgt.
„Damit war zu rechnen“, sagt Blettner zur niedrigen Wahlbeteiligung sowie zu den vielen ungültigen Stimmen. „Am meisten gefreut hat mich tatsächlich das Ergebnis.“ Schneider-Wettstein meint: „Es gibt Menschen, die sterben dafür, dass sie wählen dürfen. Bei uns darf man das und sollte es auch tun.“ Wegner ergänzt: „Es ist uns nicht gelungen, die Leute von der Couch herunterzubekommen.“
Beobachtet wird der Abend auch von Landespolitikern, darunter der Oppauer Gregory Scholz, Generalsekretär der Landes-SPD. Dem Ergebnis der OB-Wahl will er zwar nicht zu viel Gewicht für die Landtagswahl im März beimessen. Der 44-Jährige betont aber auch: „Es ist sicher ein Fingerzeig, immerhin ist LU die zweitgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz.“
Im Netz
Weitere Stimmen zum Wahlabend sowie Reaktionen im Netz unter www.rheinpfalz.de.

