Ludwigshafen „Ob das gut geht?“
Die Nachricht vom geplanten Neubau der Dormero AG hat in der Ludwigshafener Hotellerie wie eine Bombe eingeschlagen. Das neue Vier-Sterne-Haus soll in der Ludwigstraße 44 entstehen. Das dortige ehemalige Deutsche-Bank-Gebäude soll abgerissen werden. Rund 25 Millionen Euro wollen die Investoren in den sechsstöckigen Neubau mit 269 Zimmern investieren. Mit dem im Herbst eröffneten B&B-Hotel in der Bahnhofstraße und dem gerade im Bau befindlichen Moxy-Hotel auf dem Platz der Deutschen Einheit wird das Dormero die Bettenkapazität in der Stadt fast verdoppeln. 555 neue Zimmer werden bis 2019 auf den Ludwigshafener Hotelmarkt kommen. „Ob das gut geht?“, fragt sich Diethelm Benke, Seniorchef des Europa-Hotels, das am Ludwigsplatz liegt und ebenfalls vier Sterne hat. Der angekündigte Neubau sei direkte Konkurrenz für das familiengeführte 130-Zimmer-Haus. Diethelm Benke, seine Frau Bettina und Sohn Sebastian haben in jüngster Zeit viel Geld in die Sanierung des Traditionshauses gesteckt und Appartements für Geschäftsreisende in einem Nachbargebäude gebaut. Die Benkes sind von den Plänen für einen dritten Hotelneubau in ihrer Nachbarschaft überrascht worden. „Man macht sich Gedanken, wir haben viel investiert. Aber wir sind gut aufgestellt und versuchen die Entwicklung nicht negativ zu sehen“, sagt der Seniorchef. Sein Sohn meint: „Immerhin ist Ludwigshafen als Hotelstandort interessant.“ Aus seiner Skepsis gegenüber der aktuellen Entwicklung macht Steffen Mahle, Direktor des Best Western Hotels, keinen Hehl. Der Chef des 180-Zimmer-Hauses neben dem Hauptbahnhof sagt: „Ludwigshafen braucht kein weiteres Hotel.“ Und ergänzt: „Der Kuchen wird nicht größer. Die Stücke werden kleiner.“ Mahle ist davon überzeugt, dass nicht mehr Gäste in eine Stadt kommen, nur weil auf einmal mehr Hotelzimmer zur Verfügung stehen. Und was ist mit Übernachtenden aus Mannheim? „Wir haben Gäste von dort, wenn es in Mannheim keine Kapazitäten mehr gibt“, etwa bei großen Kongressen. Doch das sei nur wenige Male im Jahr der Fall. Außerdem würden auch in der Nachbarstadt neue Hotels gebaut. Ganz anders bewertet Gereon Haumann die Entwicklung in Ludwigshafen. Der 51-Jährige ist seit 2009 Präsident des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga und betreibt selbst im Norden des Landes ein Drei-Sterne-Hotel. „Ich freue mich über die Investitionen in Ludwigshafen. Das stärkt unsere Branche“, sagt Haumann. Er denkt, dass mit den zusätzlichen Kapazitäten auch die Anzahl der Gäste und Übernachtungen in Ludwigshafen massiv steigen wird. „Es wird zusätzliche Nachfrage von Kunden geben, von der alle profitieren – auch alteingesessene Häuser“, sagt Haumann und verweist auf Mainz, wo es eine ähnliche Entwicklung gegeben habe. Die Hotelketten, die in Ludwigshafen investieren, versprechen sich gute Geschäfte. Max Luscher von B&B sagt: „Unsere Hotels sind meist sehr unabhängig von der lokalen Wettbewerbssituation.“ Er verweist vor allem auf die niedrigen Zimmerpreise, spricht von „einer sehr hohen Anzahl an Stammgästen“ seit der Eröffnung und zeigt sich nicht beunruhigt angesichts der Konkurrenz in der Nachbarschaft. Die Dormero Hotel AG sieht die umliegenden Hotels nicht als direkte Konkurrenz. Während Moxy und B&B „reine Budgethotels“ seien, sei das Europa-Hotel „eher klassisch“ aufgemacht. Dormero wirbt mit dem Slogan „Stay fancy“ („Bleibe ausgefallen“). Zielgruppe seien „Freigeister“. Dehoga-Chef Haumann kennt einige Dormero-Häuser. „Das ist eine erfolgreiche Kette. Ich glaube nicht, dass dadurch ältere Häuser Gäste verlieren.“