Ludwigshafen
Neues Projekt soll bei Problemen an Grundschulen helfen
Familiengrundschulzentren sollen ein professionelles Netzwerk sein, in dem Schulpersonal, Sozialarbeiter und Jugendhilfe unter dem Dach einer Grundschule bei der Unterstützung von Eltern und Kindern zusammenarbeiten. Vereinfacht gesagt sollen sie eine Anlaufstelle für Familien sein, in der Ansprechpartner beraten und bei Bildungsproblemen weiterhelfen – zum Beispiel mit qualifizierter Hausaufgabenhilfe oder Sprachkursen für Eltern. „Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen zeigen, dass die Eltern stärker in die Schulen eingebunden werden und der Schulabsentismus der Kinder zurückgeht“, erläuterte Anke Simon von der SPD-Fraktion dem Stadtrat, der am Montag dem Vorhaben einstimmig zustimmte.
Hintergrund für die Neuerung: In der Gräfenauschule und anderen Grundschulen mit hohem Migrantenanteil können viele Schüler dem Unterricht nicht folgen. Es gibt zahlreiche Schulanfänger, die kein Deutsch sprechen. Es handelt sich auch um Kinder, die noch nie eine Kita besucht haben. Nachdem die Gräfenauschule, die Probleme öffentlich machte und daraufhin eine Debatte über Bildungspolitik losbrach, meldeten sich auch die anderen Grundschulen und die Elternbeiräte in Ludwigshafen in einem offenen Brief an die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zu Wort. Je nach Schule sei in Ludwigshafen bei acht bis 25 Prozent der Erst- und Zweitklässler die Versetzung gefährdet, 35 bis 70 Prozent der Kinder hätten kaum Deutschkenntnisse oder sprachliche Defizite.
Vier Schulen in drei Zentren
Um für mehr Chancengleichheit an den Grundschulen zu sorgen, hatte die SPD-Fraktion bereits im April 2023 beantragt, dass Ludwigshafen am rheinland-pfälzischen Pilotprojekt Familiengrundschulzentren teilnehmen solle. Berücksichtigt werden nun die Gräfenauschule, die Goetheschule Nord (beide Hemshof), die Erich-Kästner-Grundschule (Mitte) sowie die Grundschule an der Blies (West) – wobei die beiden Schulen im Hemshof ein gemeinsames Familiengrundschulzentrum bilden, wie die Stadtverwaltung erläuterte.
Laut Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) werden für das Projekt 1,5 Stellen geschaffen. Die Personalkosten von 182.000 Euro pro Jahr wollen sich Stadt, Bildungsministerium und eine Stiftung teilen. Genauso soll bei den Sachkosten von rund 230.000 Euro verfahren werden. Die Stadt steuert insgesamt rund 120.000 Euro bei. Das Projekt ist erst einmal auf drei Jahre befristet. „Wenn es ein Erfolg wird, müssen wir nach einer neuen Lösung suchen“, sagte Reifenberg.
Lob und Kritik
Grundsätzlich begrüßte der Stadtrat das Modellprojekt. „Es geht darum, dass Grundschulkinder den Anschluss an weiterführende Schulen finden und dort dann einen Abschluss machen können“, betonte Ibrahim Yetkin (Grüne). Kathrin Lamm (Grünes Forum) unterstrich, dass es wichtig sei, die Eltern miteinzubeziehen. „Wir hoffen auf einen Erfolg, damit das Modell in ganz Rheinland-Pfalz Schule machen kann“, sagte Johannes Thiedig (AfD).
Anke Simon (SPD) drängte darauf, damit im Schuljahr 2024/25 zu beginnen. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) wollte sich angesichts der Finanzauflagen der Kommunalaufsicht noch nicht auf einen Termin festlegen: „Ich hoffe, wir schaffen das so schnell wie möglich“. Im Stadtrat gab es auch einige kritische Stimmen. „Der Berg kreißte und gebar eine Maus“, meinte Wilhelma Metzler (CDU), die darauf hinwies, dass noch mehr Grundschulen Unterstützung bräuchten. Thomas Schell (FDP) kritisierte, dass für das Projekt Personal eingestellt werde – obwohl die Stadtverwaltung bei den unbesetzten Kita-Plätzen in der Stadt immer wieder auf fehlendes Personal verweise. „Das Projekt wird das Problem nicht lösen, dann es hapert schon im Kita-Bereich – da ist mehr nötig“, meinte Rainer Metz (FWG).