Ludwigshafen: Rückblick 2023 RHEINPFALZ Plus Artikel Fast ein Drittel der Schüler der Gräfenauschule muss die erste Klasse wiederholen

98 Prozent der Schüler an der Gräfenauschule im Hemshof haben einen Migrationshintergrund.
98 Prozent der Schüler an der Gräfenauschule im Hemshof haben einen Migrationshintergrund.

„40 Kinder müssen dieses Jahr wohl die erste Klasse wiederholen.“ Seit Barbara Mächtle, die Schulleiterin der Gräfenauschule im Hemshof, dies Anfang April in einem RHEINPFALZ-Bericht öffentlich gemacht hat, steht die Debatte über Bildungspolitik wieder bundesweit im Fokus.

Schulanfänger, die kein Deutsch sprechen, Kinder, die noch nie eine Kita besucht haben: All dies gehört an der Gräfenauschule im Hemshof zum Alltag des Kollegiums. Dass aber wohl 40 Kinder die erste Klasse wiederholen müssen, ist jene Information, die es von Flensburg bis Berchtesgaden in fast sämtliche Print- und Online-Medien schafft. Ob Bild-Zeitung, Spiegel oder RTLBarbara Mächtles Telefon steht nicht mehr still, nachdem die deutsche Presseagentur die RHEINPFALZ-Berichterstattung aufgreift und die Gräfenauschule so bundesweit in die Nachrichten katapultiert.

Am Schulstandort Ludwigshafen hat sich seit dem ersten RHEINPFALZ-Bericht etliches getan: Im Mai senden alle Grundschulen gemeinsam ein starkes Zeichen und schicken zusammen mit den Elternbeiräten einen offenen Brief an Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). Der Tenor: „Wir brauchen massive Unterstützung.“ Je nach Schule sei in Ludwigshafen bei acht bis 25 Prozent der Erst- und Zweitklässler die Versetzung gefährdet, 35 bis 70 Prozent der Kinder hätten kaum Deutschkenntnisse oder sprachliche Defizite.

Barbara Mächtle
Barbara Mächtle

Gespräche mit dem Bildungsministerium gibt es daraufhin mehrere – sowohl an der Gräfenauschule, mit Elternvertretern oder beim ersten Treffen des „Runden Tischs“ gerade erst im November. Und auch konkrete Hilfe wird angeboten – von Privatpersonen, Firmen und Stiftungen, der Stadt und dem Land. Konkret an der Gräfenauschule setzt das Ministerium nach den Sommerferien zum Beispiel sechs Wochen lang Studierende im Unterricht ein, die BASF unterstützt an der Schule Kita-Kinder und Erstklässler ganzjährig mit einem neuen Projekt. Zu erwähnen sind auch die sogenannten Familiengrundschulzentren, die 2024 an mehreren Grundschulen entstehen sollen sowie zusätzliche Stellen für die Schulsozialarbeit, die das Bildungsministerium jetzt finanziell fördert.

Ob all dies ausreicht, um die Anzahl jener Kinder deutlich zu senken, die nächstes Jahr die erste Klasse wiederholen müssen, wird die Zukunft zeigen. Klar ist: Viele Gespräche sind geführt und viele Maßnahmen sind ergriffen worden. Sie betreffen aber die nicht die Kernforderung, die im Mai alle Grundschulen gemeinsam formuliert haben – nämlich mehr Personal, damit eine kontinuierliche Doppelbesetzung in den Kernfächern der Eingangsklassen gewährleistet ist, um die Kinder effektiv und regelmäßig fördern zu können.

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