Mannheim
Neuer Kran im Hafen: Die Bolzen liegen bis zuletzt auf Eis
Die neue Krananlage wird dafür sorgen, dass Güter am Standort Mannheim künftig effizienter von der Straße auf die Schiene wechseln können. Schon bisher werden am Mannheimer Terminal jährlich rund 100.000 Behälter verladen, 1000 Güterzüge steuern das Terminal an.
Beim Näherkommen im Handelshafen bieten die riesigen Bauteile der Stützen und Träger der Krananlage einen imposanten Anblick. Mit einer Breite von 43 Metern überspannt die Krananlage fünf Gütergleise, zwei Abstellspuren und eine Fahrspur für schwere Lastwagen.
Stahlträger schwebt scheinbar schwerelos ein
Ebenso beeindruckend verläuft die Aktion des Einhubs. Der 50 Tonnen schwere Stahlträger scheint „federleicht“ durch die Luft zu schweben. Er hängt am Haken von Stahlseilen und wird offenbar mühelos von einem mobilen 300-Tonnen-Schwerlastkran emporgehoben. Während es mehr als 30 Meter hoch in die Luft geht, vollführt der riesige Träger zwischen den aufgebauten Stützen eine langsame und vorsichtige Drehung um 90 Grad. Zentimetergenau dockt der 44 Meter lange Stahlkoloss schließlich von oben an der vorgesehenen Verbindungsstelle der Stütze an.
„An dieser Pendelstütze wird ein Verbindungsbolzen eingeschlagen. Der Bolzen hat bis jetzt im Eis gelegen, damit er schrumpft“, informiert Projektleiter Andreas Brähler. Durch das Schrumpfen werde das Einschlagen leichter, fügt er erklärend hinzu. Der 37-Jährige ist Mitarbeiter der Bahntochter DB InfraGo, die früher DB Netze hieß und für die gesamte Infrastsruktur der Deutschen Bahn verantwortlich ist. Brähler kümmert sich um die Erneuerung der Krananlagen sämtlicher Umschlagterminals deutschlandweit. Noch 48 neue Krananlagen dieser Art seien bis zum Jahr 2031 geplant, sagt er.
Betreiber verspricht sich schnelleres Umladen
Betrieben werden die Terminals von der Bahntochter Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene–Straße (DUSS). Erklärtes Ziel ist es, zugunsten der Umwelt den „Kombinierten Verkehr“ auszubauen und den Transport möglichst vieler Güter auf die Schiene zu verlagern. „Wir schlagen hier rund 100.000 Ladeeinheiten pro Jahr um und werden im Handelshafen von rund 1000 Güterzügen angefahren“, sagt Philipp Müller, der den DUSS-Standort Mannheim leitet. Ladeeinheiten seien Standard-Container, sogenannte Wechselbrücken und Sattelauflieger von Lastwagen, zählt er auf.
Viele Güter im nationalen Verkehr kämen oder gingen per Bahn zu den Seehäfen in Hamburg oder Bremerhaven. International gehe viel über die Brenner-Route nach Italien, nennt er konkrete Beispiele. Dafür seien hier 18 Mitarbeiter in drei Wechselschichten rund um die Uhr im Einsatz. „Unsere beiden bisherigen Bestandskräne sind über 30 Jahre alt. Die neuen Krananlagen kommen als Ersatz, bieten mit neuer Technik aber auch bessere Möglichkeiten“, sagt der Standortleiter.
Automatisch sortiert der Computer die Fracht
Die neuen Portalkräne sind mit rund 29 Metern ein Stück höher als ihre Vorgänger. „Wir können damit künftig vier statt bisher drei Container übereinander stapeln“, nennt Müller den Vorteil. Die Lagerkapazität vor Ort erhöhe sich damit von 350 auf 420 Ladeeinheiten. Zum anderen kommt neue Krantechnik mit digitaler Software zum Einsatz. Ähnlich wie bei der Einparkhilfe beim Auto gebe es Sensoren zur Erkennung der Umgebung und Messung der Abstände. Das Assistenzsystem bremse die Container automatisch und sorge mit einer „sanften Landung“ dafür, dass die Container leiser auf den Zügen und Lastwagen abgesetzt werden, erläutert Müller.
Die neue Lagersoftware erfasse alle Container, kenne ihren Standort und entscheide nach Abholdatum, wo der beste Platz dafür sei. Der Abhol- oder Lieferzeitpunkt der Container werde schon vorab von den Lkw-Fahrern oder Speditionen angemeldet. Das System sorge für Zeitersparnis: „Im besten Fall geht es mit einem Container schon nach 24 Stunden weiter“, sagt Müller. Die Hubmontage der zweiten Krananlage ist für Juni vorgesehen. Für die Erneuerung der beiden Krananlagen in Mannheim werden laut Deutscher Bahn über zehn Millionen Euro investiert.