Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Schülerzahlen bis zum Jahr 2035 prognostiziert werden

Die Maxdorfer Justus-von-Liebig-Realschule plus hat laut Kreisverwaltung im Jahr 2024 insgesamt 212 Schüler aus umliegenden Komm
Die Maxdorfer Justus-von-Liebig-Realschule plus hat laut Kreisverwaltung im Jahr 2024 insgesamt 212 Schüler aus umliegenden Kommunen aufgenommen. Beliebt bei »Auswärtigen« waren demzufolge auch das Maxdorfer Lise-Meitner-Gymnasium sowie die Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof.

Neue Daten zeigen starke Zuwächse an den Realschulen plus – vor allem in Limburgerhof. Der demografische Knick an weiterführenden Schulen ist aber schon in Sichtweite.

Mit Prognosen ist es ja so eine Sache. Sie sollen zwar den wahrscheinlichsten Verlauf einer Entwicklung voraussagen – und berücksichtigt werden dafür auch umfangreiche Daten sowie Einflussfaktoren. Irrtümer und Überraschungen sind aber trotzdem keineswegs ausgeschlossen. Wer zum Beispiel nachliest, was die RHEINPFALZ Ende 2020 zum Schulentwicklungsplan des Rhein-Pfalz-Kreises vermeldete, landet bei folgender Prognose: „Es werden mehr Schüler, die die Schulen im Kreis besuchen. Allerdings soll sich dieser Trend ab dem Schuljahr 2022/23 an der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof deutlich abflachen.“

Realität geworden ist dieses Szenario nicht. Mehr noch: Jetzt soll das genaue Gegenteil der damaligen Prognose eintreten. „Die Rudolf-Wihr-Realschule plus Limburgerhof verzeichnet einen steilen Anstieg der Schülerzahlen von 632 in 2022 auf 1090 in 2028“, heißt es im aktuellen Schulentwicklungsplan. Ab 2032/33 werde die Schülerzahl dann leicht fallen. Mit 944 Kindern und Jugendlichen rechnet man allerdings auch im Jahr 2035 noch.

„Prognosen deutlich erschwert“

Auf die Frage, welche Erklärung es aus Sicht der Kreisverwaltung für die Beliebtheit der Rudolf-Wihr-Realschule plus entgegen der ursprünglichen Prognose gibt, antwortet Landrat Volker Knörr (CDU): „Zum einen haben die Weltwirtschaftslage, die weltweiten Konflikte und die damit verbundenen Flüchtlingswellen in den vergangenen Jahren zuverlässige Prognosen deutlich erschwert.“

Erklären ließen sich die Abweichungen aber auch mit dem 2020 noch verwendeten – und aus heutiger Sicht veralteten – Programm, das für die Erstellung des Schulentwicklungsplans genutzt worden sei. „Seit 2023 benutzen wir für die Prognose ein Programm, das unter anderem sehr viele Ortsentwicklungsthemen berücksichtigt, beispielsweise Neubaugebiete und die damit verbundenen steigenden Schülerzahlen“, erläutert Knörr.

Viele Ludwigshafener Kinder

Zur Wahrheit gehöre allerdings auch, dass viele Schülerinnen und Schüler aus dem südlichen Ludwigshafen nach Limburgerhof kämen. Von dort aus betrachtet sei die Rudolf-Wihr-Realschule plus die nächstgelegene Kreisschule und werde angesichts der Schulsituation in Ludwigshafen der vergangenen Jahre – mit Raumnot und sozialen Problematiken – als Alternative in Betracht gezogen.

Dass für die Realschulen plus im Kreis insgesamt eine Entwicklung vorausgesagt wird, die zunächst noch mit steigenden, ab den 2030er-Jahren dann aber mit stetig fallenden Schülerzahlen einhergeht, hängt mit der Geburtenentwicklung zusammen.

Rückläufige Geburtenrate

Die Anzahl der Geburten sei rückläufig, was sich zeitverzögert auf alle Altersgruppen im Schulalter auswirke. Während 2022 zum Beispiel noch 1423 Geburten im Rhein-Pfalz-Kreis verzeichnet worden seien, gehe man für das Jahr 2035 nur noch von 1100 Geburten aus, heißt es seitens der Verwaltung.

Hochgerechnet für die Grundschulen im Rhein-Pfalz-Kreis bedeutet der prognostizierte Geburtenrückgang: Die Anzahl der Schüler sinkt kontinuierlich – und zwar von rund 6900 Grundschülern im Jahr 2025 auf unter 5000 im Jahr 2035. An den Realschulen plus erfolgt der zahlenmäßige Rückgang etwas später, nämlich ab den 2030er-Jahren: Mit 4037 Kindern und Jugendlichen an den Realschulen plus rechnet die Kreisverwaltung im Jahr 2029, unter 3500 sollen es laut Prognose im Jahr 2035 noch sein.

Mehr Realschüler bis 2029/30

Neben dem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen an der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof, werden in den kommenden drei bis vier Jahren auch für die Realschule plus im Schifferstadter Paul-von-Denis-Schulzentrum klar steigende Zahlen erwartet: Von 786 Schülerinnen und Schülern in 2022 soll es demzufolge rauf gehen auf 976 in 2029. Danach kommt es den aktuellen Prognosen zufolge zu einem Rückgang auf 875 Kinder und Jugendliche bis zum Jahr 2035. Die Maxdorfer Justus-von-Liebig-Realschule plus verzeichne ebenfalls leicht steigende Schülerzahlen bis 2030 (maximal 654 Kinder und Jugendliche), danach wird ein Absinken der Schüleranzahl auf 533 bis zum Jahr 2035 erwartet.

Die weiteren Prognosen für Realschulen plus lauten gemäß Schulentwicklungsplan wie folgt: In Dudenhofen sinken die Schülerzahlen von maximal 414 in 2025 auf mindestens 356 in 2035, für die Peter-Gärtner-Realschule plus in Böhl-Iggelheim wird ein Maximum von 441 Schülerinnen und Schüler für die Jahre 2028 und 2029 prognostiziert. Mindestens 375 Kinder und Jugendliche sollen der Prognose zufolge die Schule im Jahr 2035 noch besuchen. Bobenheim-Roxheim: Die Realschule plus verzeichne von 2022 bis 2029 einen Anstieg von 394 auf 488 Schülerinnen und Schüler, der danach abflache auf 371 im Jahr 2035.

Fast 5700 Auspendler

Nach Angaben der Kreisverwaltung besuchten im Jahr 2024 insgesamt 13.315 Kinder und Jugendliche die Schulen im Rhein-Pfalz-Kreis – davon waren 6889 Grundschüler. Relativ hoch ist mit 5691 die Anzahl derjenigen Schüler, die zwar im Rhein-Pfalz-Kreis wohnen, wegen des Besuchs eines Gymnasiums oder einer Förderschule aber in umliegende Kommunen pendeln – auch Grundschüler werden in der Statistik als Pendelnde erfasst, nicht jedoch die Berufsschüler. Zielort Nummer eins war demzufolge für 2602 Schüler die Stadt Speyer, es folgen Frankenthal (1338), Ludwigshafen (1040) und Bad Dürkheim Stadt und Kreis (207).

Die Anzahl derjenigen Schüler, die aus umliegenden Kommunen in den Rhein-Pfalz-Kreis einpendeln, ist mit 1348 Schülern deutlich kleiner: 229 „Auswärtige“ hat laut Statistik allerdings allein schon die Rudolf-Wihr-Realschule plus Limburgerhof im Jahr 2024 aufgenommen, 212 die Justus-von-Liebig-Realschule plus in Maxdorf, und 344 das ebenfalls in Maxdorf beheimatete Lise-Meitner-Gymnasium.

Gymnasien zunächst stabil

Für Letzteres wird vorhergesagt, dass die Anzahl der Schüler von maximal 857 im Jahr 2028 auf 724 im Jahr 2035 absinken wird; das Schifferstadter Paul-von-Denis-Gymnasium soll laut Prognose stabil bei rund 1150 Schülerinnen und Schülern liegen und ab 2033 einen leichten Rückgang verzeichnen.

Was die Integrierte Gesamtschule Mutterstadt betrifft, gehe das Prognoseprogramm angesichts künftig sinkender Schülerzahlen davon aus, dass auch dort die Schülerzahl minimal zurückgehen könnte. „Wir betrachten diese Prognose allerdings mit größter Zurückhaltung, da die Nachfrage weiterhin sehr hoch ist und viele Eltern die IGS wohl auch in Zukunft wegen ihrer gymnasialen Komponente bevorzugen werden“, erläutert Volker Knörr.

Bleibt noch zu erwähnen, dass auch die Fachoberschule im Schifferstadter Paul-von-Denis-Schulzentrum in den kommenden Jahren zunächst mehr Schüler aufnehmen wird: Ausgehend von 69 jungen Menschen im Jahr 2022 sollen es 90 im Jahr 2032 sein. Danach werden die Einrichtung, die einen Fokus auf technische Informatik legt, allerdings wieder weniger Schüler besuchen – zumindest, wenn die Prognose recht behält. An der Schifferstadter Förderschule erwartet die Kreisverwaltung bei leichten Schwankungen eine insgesamt stabile Entwicklung. Auch an der Salierschule werden aber rückläufige Schülerzahlen ab 2031 erwartet.

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