Ludwigshafen
Neubaugebiet in Rheingönheim: Ignoriert die Verwaltung den Widerstand im Stadtteil?
Im südlichen Stadtteil Rheingönheim sollen sich Häuslebauer in den nächsten Jahren wieder ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen können. Die Weichen dafür will die Ludwigshafener Verwaltung in den nächsten Sitzungen des städtischen Bau- und Grundstücksausschuss (2. Dezember) und des Stadtrats (9. Dezember) stellen. Dann sollen beide Gremien den Aufstellungsbeschluss für ein Neubaugebiet „Im Kappes“ mit rund 200 Wohneinheiten fassen. Zuvor sei das Vorhaben am Mittwochabend mit dem Ortsbeirat besprochen worden. Mit dem Beschluss würde nach Angaben der Verwaltung ein Startpunkt auf dem Weg zu einem Bebauungsplan des Gebiets gesetzt.
Beim Neubaugebiet „Im Kappes“ handelt es sich um eine rund zehn Hektar große Fläche im südwestlichen Teil von Rheingönheim, die sich überwiegend im Besitz vieler Einzeleigentümer befindet und die im Flächennutzungsplan bereits seit 1999 als Wohnbaufläche ausgewiesen ist, informiert die Verwaltung über die Rahmenbedingungen. Bislang werde das Gelände landwirtschaftlich genutzt. Ziel sei die Entwicklung eines zu Rheingönheim passenden Wohngebietes mit gemischten Strukturen. Angestrebt werde ein Angebot für Einfamilienhausgrundstücke, aber auch kleinere Mehrfamilienhäuser, um verschiedene Wohnwünsche und -bedarfe bedienen zu können. Eine Bepflanzung sowie ein möglichst naturnahes Regenwassermanagement würden dabei von Anfang an mitgedacht, versichert die Verwaltung in einer Mitteilung.
Gegenwind aus dem Süden
Grünes Licht aus dem Rheingönheimer Ortsbeirat gibt es für das Vorhaben jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Es gibt jede Menge Gegenwind aus dem Süden: Bereits im Juni 2020 hatte sich eine knappe Mehrheit gegen das von der Stadt gewünschte Neubaugebiet „Im Kappes“ ausgesprochen. Die Gegner hatten schon damals auf die Bedeutung von Grünflächen für das Stadtklima und die Erholung der Bürger hingewiesen und gefordert, dass die Innenentwicklung Vorrang haben müsse, auch im Ortskern von Rheingönheim, in dem vieles im Argen liege. Es dürfe nicht jeder freie Quadratmeter Boden im und um den Ort für den Hausbau versiegelt werden, argumentierten Bürgervertreter und auch eine Bürgerinitiative, die sich seither für den Erhalt des grünen Südens engagiert.
Nach den Kommunalwahlen im Juni gibt es im Ortsbeirat an den Plänen der Verwaltung nun sogar eher noch mehr Kritik als beim ersten Vorstoß. Daher stellte Ortsvorsteher Wilhelm Wißmann (CDU) am Mittwochabend schon beim Aufrufen des Tagesordnungspunkts „Bebauungsplan Nr. 675 ,Im Kappes’ - Information zur Aufstellung" fest: „Wir nehmen die Information zur Kenntnis, aber wir beschließen heute nichts.“ Er kritisierte insbesondere, dass in dem Stadtteil seit vielen Jahren eine zweite Grundschule fehle, die den Rheingönheimern schon bei der Erschließung des Neubaugebiets „Neubruch“ versprochen worden sei. Auch Kitaplätze seien Mangelware. Dafür gab es Applaus von vielen Bürgern, die die Sitzung aufmerksam verfolgten.
Keine neue Schule in Sicht
Für die Grünen stellte Lutz Wind fest: „Es gibt zu viel Flickschusterei im Ort.“ Für die CDU ergänzte Andreas Mattern (parteilos): „Wir müssen die vorhandenen Probleme beseitigen, bevor wir neue schaffen.“ Thomas Engeroff (SPD) bilanzierte: „Ich fühle mich nicht imstande, pro oder kontra abzustimmen.“ Denn es gebe zu viele offene Fragen mit Blick auf die Erschließung eines weiteren Neubaugebiets. Dabei hatte die SPD sich vor vier Jahren noch für das Vorhaben ausgesprochen, weil in Ludwigshafen dringend Wohnraum gebraucht wird. Joachim Zell (CDU) nannte das Vorgehen der Verwaltung eine Hau-Ruck-Aktion. „Ich bin entsetzt.“
Ein Schulneubau ist in Rheingönheim derzeit nicht in Sicht. Stattdessen wurden im vergangenen Jahr Container für rund drei Millionen Euro im Hof der Mozart-Grundschule aufgetürmt, um für die vielen Schüler die benötigten Klassensäle zur Verfügung zu stellen. Die lange geplante Sanierung und Erweiterung der ebenfalls dringend benötigten katholischen Kita St. Joseph verzögert sich auf unbestimmte Zeit, weil das Container-Ausweichquartier, das gerade erst saniert worden war, nun wegen erheblicher Mängel doch nicht mehr genutzt werden kann. Wie und wann es bei diesem Projekt weitergeht, ist laut Verwaltung offen.
Termin
Mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan „Im Kappes“ beschäftigt sich der Bau- und Grundstücksausschuss am 2. und der Stadtrat am 9. Dezember. Beide Gremien tagen ab 15 Uhr im Pfalzbau.