Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nahost-Krieg: „Meile der Religionen“ in den Quadraten abgesagt

Zu den bisherigen Veranstaltungen in Mannheim kamen bis zu 5000 Besucher.
Zu den bisherigen Veranstaltungen in Mannheim kamen bis zu 5000 Besucher.

Es hätte ein gemeinsames Fest von Muslimen, Christen und Juden werden sollen. Wegen Sicherheitsbedenken und Misstönen fällt das bundesweit einzigartige Fest in Mannheim aus.

Der Krieg im Nahen Osten, der durch die US-Bombardements mehrerer iranischer Atomanlagen vollends zu eskalieren droht, hat Auswirkungen auf Mannheim. Die für Dienstag geplante „Meile der Religionen“ wird nicht stattfinden. Bei dem Fest, zu dem unterschiedliche Religionen einladen, hätte eine lange Tafel quer durch die Quadrate aufgebaut werden sollen – symbolisch vom Haus der Katholischen Kirche in F2 bis zur evangelischen Konkordienkirche in R2. Ein gedeckter Tisch mit den unterschiedlichsten Spezialitäten sollte die Menschen im interreligiösen Gebet verbinden.

Außerdem werden die Gotteshäuser traditionell zu diesem Anlass geöffnet. Zum Stadtjubiläum im Jahr 2007 fand diese bundesweit einmalige Meile zum ersten Mal statt. Die gesamtpolitische Lage lasse die Zusammenkunft in diesem Jahr nicht zu, wie es vom „Forum der Religionen“ als Veranstalter heißt. „Schweren Herzens müssen wir die Veranstaltung absagen“, so die Organisatoren.

Jüdische Gemeinde zieht sich auch zurück

Der Rückzug mehrerer Gemeinden erfolgte tröpfchenweise. Schon vor Monaten hatte die DITIB-Gemeinde der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee ihre Teilnahme abgesagt. Die Moschee am Eingang zum Jungbusch ist die größte in Mannheim und wird in erster Linie von Türken besucht. Die islamische Seite kritisierte, die Art und Weise, wie das Forum organisiert ist. Daher wollte man auch bei der „Meile der Religionen“ nicht mehr dabei sein. Im Forum sind über 30 Gemeinden, Vereine und Einrichtungen vertreten sind. Mitglieder sind Vertreter der christlichen Kirchen, der Moscheegemeinden, der jüdischen Gemeinde und der alevitischen Gemeinde. Seit 2007 steht es für ein friedliches, vertrauensvolles und freundschaftliches Miteinander der Religionen in der Quadratestadt. Den Mitgliedern ist Abraham als Stammvater gemeinsam.

Ein Fest des friedlichen Miteinanders der Religionen war das Ziel der Veranstalter.
Ein Fest des friedlichen Miteinanders der Religionen war das Ziel der Veranstalter.

Vor wenigen Tagen sagte auch die jüdische Gemeinde ihre Teilnahme an der Veranstaltung am Dienstag ab. Der Vorstand begründete die Entscheidung mit den aktuellen Ereignissen im Nahen und Mittleren Osten. Man wolle ausschließen, dass das jüdische Gemeindezentrum im Quadrat F3 in den Fokus von Protestaktionen gerate. Gerade weil der jüdischen Gemeinde die „Meile der Religionen“ als Zeichen des Zusammenhalts der Religionen in Mannheim so wichtig sei, habe man im Interesse der Sicherheit aller so entschieden. Der Entschluss, so der Vorstand, sei schmerzhaft und nicht leichtgefallen. Zunächst war noch davon die Rede, dass die Veranstaltung in abgespeckter Form dennoch stattfinden solle. 60 Tische hätten es noch werden sollen.

Gesprächsangebot von OB Specht

Doch daraus wird nun nichts. „Die aktuelle gesamtpolitische Lage erschwere es inzwischen nicht nur der jüdischen Gemeinde, sondern mehreren anderen Gruppen, mit einem sicheren und unbeschwerten Gefühl an der Veranstaltung teilzunehmen und Gäste dazu einzuladen“, hieß es in einer Mitteilung der Organisatoren. Die Sprecher des Veranstalters bedauern diese Entwicklung. Weil weitere kurzfristige Absagen hinzugekommen seien, seien die organisatorischen Abläufe am Tag der „Meile“ nicht mehr zu stemmen. Christliche Gruppen haben offenbar nicht abgesagt, wer sich zuletzt noch zurückgezogen hat, ist unklar. Früher sind bis zu 5000 Gäste zu der bis zu 400 Meter langen Tafel geströmt.

Zuletzt sind 2019 Spezialitäten aus unterschiedlichen Kulturen aufgetischt worden.
Zuletzt sind 2019 Spezialitäten aus unterschiedlichen Kulturen aufgetischt worden.

Die Forum-Verantwortlichen möchten die Menschen stattdessen ermutigen, „ein verbindendes und friedensstiftendes Gebet für alle Menschen unserer Gemeinden, unserer Stadt und der Welt zur geplanten Zeit der Meile am 24. Juni um 18 Uhr zu sprechen.“ Auch Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) bedauert die Absage, auch wenn er die individuellen Sicherheitsbedenken für nachvollziehbar hält. Den Sicherheitsbehörden seien aber keine konkreten Bedrohungen für das interreligiöse Fest bekannt gewesen. „In der aktuellen weltweit konfliktgeladenen Situation ist es umso wichtiger, dass in Mannheim alle Nationalitäten und Religionen auch weiterhin miteinander im Dialog bleiben, um das traditionell friedliche Zusammenleben in unserer Stadt zu erhalten“, ergänzte der Oberbürgermeister.

Seine Einladung erging an alle bisherigen Beteiligten der Veranstaltung. In einem Gespräch will Specht ausloten, wie man gemeinsam Voraussetzungen schaffen könne, dass in Mannheim bald wieder eine „Meile der Religionen“ stattfindet. Zuletzt fand die Veranstaltung 2019 statt.

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