Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Rund 2500 Besucher bei „Meile der Religionen“ auf Mannheimer Marktplatz

Gemeinsam essen, miteinander reden: Besucher der „Meile der Religionen“ auf dem Mannheimer Markplatz.
Gemeinsam essen, miteinander reden: Besucher der »Meile der Religionen« auf dem Mannheimer Markplatz. Foto: KUNZ

Bei der „Meile der Religionen“ haben am Mittwochabend Vertreter aller in Mannheim lebenden Religionsgemeinschaften ein großes Fest der Begegnung auf dem Mannheimer Marktplatz gefeiert. An einer fast 200 Meter langen „Tafel“ mit Speisen aus vielen Kulturen nutzten rund 2500 Besucher die Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen.

Zu Beginn begrüßten der evangelische Dekan Ralph Hartmann, der katholische Stadtdekan Karl Jung, der Kantor der jüdischen Gemeinde Amnon Seelig und Imam Hafiz Midhat Beganović von der bosnisch-muslimischen Gemeinde die Besucher. „Wir wollen Frieden für alle“, sprachen oder sangen sie in Gebeten und in den jeweiligen Sprachen und Traditionen ihrer Religionen. Mit dem Teilen von Brot und Wein wurde die „Meile der Religionen“ dann offiziell eröffnet.

Weil man sich beim Essen und Trinken am einfachsten kennenlernt, war die „Meile“ vor allem eine fast 200 Meter lange Tafel von aneinandergereihten Tischen, die von der evangelischen CityKirche Konkordien über den Marktplatz mit der katholischen Kirche St. Sebastian bis hin zur jüdischen Synagoge reichte. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer der Religionsgemeinschaften nebst zugehörigen sozialen Einrichtungen und Kulturvereine verköstigten die Besucher. Wie die Veranstalter mitteilen, haben über 50 Gruppierungen aus der Stadt die 91 Tische gedeckt.

Entsprechend bunt war das Angebot. Von Leberwurstbrot bis zu orientalischem Bulgur-Salat und Falafeln reichte das Spektrum der Spezialitäten. Viele Besucher bummelten entlang der Tische, probieren mal hier, mal da, und kamen dabei ganz ungezwungen ins Gespräch. Einige nutzen die Gelegenheit auch zu einem Besuch der geöffneten Gotteshäuser.

Erstmals bei der „Meile“ dabei war die alevitische Gemeinde Rhein-Neckar, deren Gemeindezentrum sich im Stadtteil Neckarau befindet. Die Aleviten sind eine Glaubensgemeinschaft aus der Türkei, die sich nach eigener Aussage auf eine „Ur-Fassung“ des Korans bezieht und deshalb noch immer unter der Diskriminierung durch die sunnitische „Staatsreligion“ der Türkei leidet. „Für uns ist es wichtig, uns hier zu präsentieren und den Dialog mit allen zu führen. Für uns Aleviten steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir setzen uns ein für Menschenrechte, Freiheit und Demokratie“, sagte Cem Cantekin, der als stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde in Ludwigshafen wohnt.

Etwas weiter am Quadrat F 2 reichten die Tische bis vor die Synagoge. „Aktionen wie die ,Meile’ sind wichtig, um zu zeigen, dass wir alle für das gute Miteinander in Mannheim einstehen“, bekräftigte Esther Graf aus dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde. Zurück in Richtung CityKirche hatte Helferin Ayse Aydin an einem der Tische neben Gebäck auch Info-Material im Angebot. Die 23-jährige Studentin absolviert derzeit im Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog ein Praktikum. „Ich mache Workshops in Schulen für die Förderung der Demokratie, gegen Diskriminierung und für gender diversity“, erzählte Aydin, die gläubige Muslimin ist, wie sie sagte. Gegen 20 Uhr endete die Veranstaltung so, wie sie auch begonnen hatte – mit einem gemeinsamen Gebet.

Mit der „Meile der Religionen“ besitzt Mannheim nach Angaben der Organisatoren ein bundesweit einmaliges Veranstaltungsformat. Die erste „Meile“ fand 2007 anlässlich des 400. Geburtstags der Stadt Mannheim auf Initiative des „Forums der Religionen“ statt. Im diesem Forum arbeiten die christlichen Kirchen, die Moscheegemeinden und die jüdische Gemeinde zusammen.

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