Ludwigshafen
Nach „Leoso“-Pleite: Neuer Betreiber stellt seine Pläne für Hotel am Hauptbahnhof vor
Eine prominente Immobilie am Hauptbahnhof ist verkauft. Aus dem vor über einem Jahr geschlossenen „Leoso“ soll nun ein Hotel für Geschäftsreisende werden. Der neue Eigentümer will mehrere Millionen in die Sanierung stecken, der neue Betreiber das renovierte 192-Zimmer-Haus noch in diesem Jahr eröffnen. Oberbürgermeister Klaus Blettner spricht von einem guten Signal.
Das „Leoso“-Hotel (früher Ramada und Best Western) sorgte in den vergangenen Monaten vor allem für eins: jede Menge Negativ-Schlagzeilen. Vor über einem Jahr demonstrierten mehr als ein Dutzend Mitarbeiter am Haupteingang, weil ihre Löhne nicht gezahlt wurden, insgesamt 23 verloren ihren Job. Gewerkschafter sprachen von einem Skandal, die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen des Anfangsverdachts einer Insolvenzverschleppung. Wochen zuvor kappten die Technischen Werke (TWL) Strom- und Wasserzufuhr, weil Rechnungen nicht beglichen wurden. Die Außenstände betrugen über 70.000 Euro. Nach zwei dubiosen Geschäftsführerwechseln wurde der Betrieb an die Wand gefahren. Die Verantwortlichen tauchten ab. Die Zukunft des 192-Zimmer-Hauses wurde zum Politikum. Nach der Pleite soll nun ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.
Am 1. Januar wechselte das Gebäude den Besitzer. Neuer Eigentümer ist ein international tätiges Immobilienunternehmen, das in Deutschland eine eigene Gesellschaft gründen und eine sogenannte Budget-Hotel-Kette etablieren will, wie deren Sprecher Leo Morozov im RHEINPFALZ-Gespräch erklärt. Das heißt: Ein Hotel vornehmlich für Geschäftsreisende zu günstigen Preisen, das aber auch den Bustourismus im Blick hat. Der Hotel-Standort soll erhalten bleiben, in dessen Renovierung sollen mehrere Millionen Euro fließen, kündigt der 55-Jährige an. Zum Kaufpreis schweigt er, künftige Zimmerpreise könnten aktuell noch nicht beziffert werden.
„Ludwigshafen soll zu unserem Referenzprojekt werden. Wir wollen hier langfristig investieren, arbeiten eng mit der Stadt zusammen und glauben an diesen Standort“, sagt Morozov. Nach weiteren Standorten werde bereits Ausschau gehalten.
Fassade wird neu gestrichen
Einen Betreiber hat Morozov mit Wolfgang Riehl bereits gefunden. Der in Bad Dürkheim lebende 60-Jährige sei ein erfahrenen Hotelmanager, kenne Region und Standort. „Wir sind überglücklich, ihn zu haben“, sagt Morozov. Riehl ist eigenen Angaben zufolge bereits seit Jahrzehnten in der Branche tätig, hatte in anderen Häusern Führungs- und Direktorenposten inne und betrachtet das Projekt als Chance und Herausforderung zugleich. Geht es nach ihm, dann soll die neue Hotel-Kette von der Ludwigshafener Basis aus schnell wachsen, das Haus am Hauptbahnhof mit seinen sechs Obergeschossen im dritten oder vierten Quartal 2026 eröffnen.
Gute Bausubstanz
Positiv stimmt Riehl die insgesamt gute Substanz des 1973 gebauten Gebäudes, die im Wesentlichen erhalten werden soll. Die 28-Quadratmeter-Zimmer (einschließlich Sanitärbereich) hätten eine perfekte Größe, das überwiegend hochwertige Mobiliar könne weitgehend übernommen werden, so Riehl.
Ein rund 90 Quadratmeter großer Konferenzraum soll künftig für Tagungen nutzbar sein. Ausgetauscht werden müssten alle Fenster, schon allein der Energieeffizienz wegen. Die Fassade soll einen neuen Anstrich bekommen, um die triste Beton-Optik aufzuhübschen. Ein Architekt sei beauftragt.
Einbrecher verursachen hohen Sachschaden
Gründlich saniert werden müssten das Haupt- und das Nebendach. Dort sollen Photovoltaikanlagen installiert werden. Mit diesen Arbeiten werde begonnen, sobald es das Wetter zulasse. Dafür seien konstante Plusgrade nötig. Dann werde auch ein Bauzaun errichtet – der Einbrecher und „Lost-Place“-Vandalen abhalten soll. Laut Riehl wurde in den vergangenen Monaten mehrfach in das Gebäude eingebrochen, teilweise mit Leitern eingestiegen, und ein Sachschaden im fünfstelligen Eurobereich angerichtet. „Wir hatten schon mal bis zu 17 Polizisten hier“, berichtet er. Die Ermittler der Kripo werteten die zahlreichen Spuren noch aus. Aktuell schaue ein Hausmeister so gut es eben geht nach dem Rechten in dem verwaisten Gebäude, so Riehl.
Klar sei, dass das Haus besser isoliert und die Haustechnik überholt werden müsse. Es soll teilklimatisiert und in ökologischer Hinsicht aufgewertet werden. „Wir werden auf der Baustelle in der Spitze zwölf bis 15 Gewerke gleichzeitig haben“, berichtet Riehl. Vom Investor, der vorerst noch im Hintergrund bleiben will, ist der neue Betreiber überzeugt. Dieser sei liquide und absolut seriös.
Zehn bis zwölf Mitarbeiter
Zehn bis zwölf Mitarbeiter sollen nach der Eröffnung in dem Budget-Hotel beschäftigt werden, für das es noch keinen offiziellen Namen gibt. Darum sollen sich Marketing-Profis kümmern. Ob unter dem neuen Personal auch ehemalige „Leoso“-Mitarbeiter sein werden, ist offen. Ausschließen wollen Morozov und Riehl das nicht, aber auch nichts versprechen. Das gastronomische Konzept für das Hotel sei noch nicht ausgefeilt. Die Zimmer-Kapazität in der Pasadenaallee 4 soll stabil bleiben.
Die gute Verkehrsanbindung ist für Riehl ein Vorteil des Standorts. Ein zweiter sei das an der Helmut-Kohl-Allee geplante Zukunftsquartier „City West“, das sich auf 39 Hektar vom Rhein bis zum Hauptbahnhof erstreckt, den Hotel-Standort inbegriffen.
Pachtverhältnis gekündigt
Bisheriger Eigentümer der Immobilie war die Ignatz Bubis Hotelbesitz Ludwigshafen GmbH & Co. KG. Sie gehört zur Leoso-Unternehmensgruppe mit Sitz in Köln, die in Leverkusen ein zweites Haus betreibt. Laut ihrem Geschäftsführer Maximilian L. Kremer hat die Bubis GmbH die Immobilie in einer eigenen Betriebsgesellschaft, der HBG Hotelbetriebs GmbH Ludwigshafen, 20 Jahre lang erfolgreich geführt – bis zur Übernahme im Jahr 2024 durch die neuen Geschäftsführer, die Kremer für die Pleite verantwortlich macht. Er beklagt einen finanziellen Schaden im sechsstelligen Eurobereich. Die Fortführung des Hotelbetriebs unter dem Auftritt „Leoso“ untersagte er den damaligen Betreibern wegen nicht bezahlter Lizenzgebühren. Das Pachtverhältnis wurde gekündigt.
„Werden Prozess konstruktiv begleiten“
OB Klaus Blettner bewertet die neuen Pläne für das ehemalige „Leoso“-Hotel „grundsätzlich positiv“. Auf Anfrage sagt der 58-jährige Christdemokrat: „Wenn in bestehende Standorte investiert wird und Arbeitsplätze gesichert werden, ist das ein gutes Signal für unsere Stadt. Wichtig ist mir, dass sich das Konzept sinnvoll in Ludwigshafen einfügt und unserer lokalen Wirtschaft zugutekommt. Diesen Prozess werden wir konstruktiv begleiten.“
