Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Mit zwei Verkäuferinnen ist das nicht mehr zu bewältigen“: Metzgerei Neubauer muss schließen

Führt die Familienmetzgerei in zweiter Generation seit 1999: Michael Neubauer.
Führt die Familienmetzgerei in zweiter Generation seit 1999: Michael Neubauer.

Die Traditionsmetzgerei Neubauer in Mundenheim öffnet am Samstag zum letzten Mal. Es mangelt an Personal. Daher zieht der Chef einen Schlussstrich.

Im Verkaufsraum der Mundenheimer Familienmetzgerei Neubauer herrscht reges Treiben. Acht Menschen – vom Rentnerpaar bis hin zum Rettungssanitäter in Dienstkleidung – warten auf hausgemachte Leberknödel oder ein Frikadellenbrötchen für die Mittagspause. Michael Neubauer, der Chef der Metzgerei, plaudert mit einem Kunden – man kennt sich. Dass der Laden nur noch wenige Tage geöffnet hat, lässt sich der Fleischermeister nicht anmerken.

Die Tradition des Familienbetriebs reicht bis ins Jahr 1965 zurück, als die Metzgerei in Oppau gegründet wurde. 1975 zog sie nach Mundenheim um. Michael Neubauer übernahm das Geschäft vor über 25 Jahren von seinem Vater und leitet es seither mit Herzblut und Hingabe. Drei Verkäuferinnen versorgten von Montag bis Samstag täglich bis zu 170 Kunden mit frischen Fleisch- und Wurstwaren.

„Gesucht, gesucht – aber niemanden gefunden“

Doch nun steht das Ende bevor. „Eine Verkäuferin geht noch dieses Jahr in Rente. Mit zwei Leuten im Verkauf ist das Geschäft einfach nicht mehr zu bewältigen“, erklärt der 60-jährige Chef. Früher waren sie noch zu fünft im Verkauf und konnten sich mit Wochenendschichten abwechseln. Doch seit mittlerweile zwei Jahren muss jede Mitarbeiterin jeden Samstag arbeiten. „Irgendwann muss man einen Schnitt machen – die Mitarbeiter haben das auch gemerkt“, sagt Neubauer.

Im Hintergrund des Gesprächs bimmelt die Ladentür fast im Sekundentakt, auch das Telefon klingelt ständig. Die Verkäuferinnen haben alle Hände voll zu tun. Ab und zu kommt eine von ihnen nach hinten, um den Chef nach einer Rechnung oder Bestellung zu fragen. Sogar der 88-jährige Vater von Michael Neubauer ist noch aktiv, wühlt durch die Metzgerei und packt mit an. Von der Wurstküche an die Ladentheke und zurück. An der Kundschaft mangelt es jedenfalls nicht, doch das Personal wird immer knapper.

„Wir haben gesucht und gesucht, aber niemanden gefunden“, sagt Neubauer. „Das ist ein Trend, den ich auch bei vielen Kollegen in der Region feststelle. Jeder sucht Personal – sowohl im Verkauf als auch in der Produktion. Manche Metzgereien haben schon ihre Öffnungszeiten reduziert und haben nur noch halbe Tage geöffnet.“ Dies habe man selbst auch schon getestet. Aber damit seien weder die Kunden noch die Belegschaft zufrieden.

Neben dem Verkauf im Laden bietet die Traditionsmetzgerei auch täglich Mittagessen an, das auf Wunsch sogar bis an die Haustür geliefert wird – vor allem für Senioren. „Für die Menschen, die täglich ihr Mittagessen von uns bekommen, ist die Nachricht natürlich ein Schlag“, meint Neubauer. Kleine Entwarnung: Die Metzgerei Wieland aus Friesenheim übernimmt zumindest teilweise die Lieferungen.

„Emotionen – erst am letzten Tag“

„Die Emotionen kommen wahrscheinlich erst am letzten Tag – aber es geht mir schon ans Herz, wenn langjährige Stammkunden sich verabschieden“, sagt Neubauer nachdenklich. Die persönliche Beratung und Verbundenheit zu den Kunden sei es, die für ihn den Job als Metzger besonders gemacht haben. Bis Samstag, 19. April, läuft das Geschäft noch wie gewohnt. „Ich hätte noch drei, vier Jahre weitergemacht“, fügt er hinzu, als wäre der Abschied aus der Metzgerei etwas, das er sich nie so wirklich hätte vorstellen können. Was ihm aber besonders am Herzen liegt: Alle Mitarbeiter konnten entweder in neue Jobs vermittelt werden oder gehen in den wohlverdienten Ruhestand.

Inzwischen zieht sich eine lange Schlange von Kunden bis hinaus auf die Straße. Der Betrieb floriert, doch was fehlt, ist das Personal. Nach der Metzgerei Ott, die bis 2022 eine feste Größe in der Innenstadt war, verschwindet nun das nächste Stück Metzgertradition aus dem Ludwigshafener Stadtbild.

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