Ludwigshafen
Millionenprojekt: Der lange Weg zu mehr barrierefreien Bushaltestellen
Für viele Menschen mit Behinderungen ist die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel nur begrenzt möglich, vor allem das Aus- und Einsteigen in Linienbusse stellt für viele Menschen mit eingeschränkter Mobilität ein Problem dar. Der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen läuft, erweist sich aber als Mammutprojekt, das viel Zeit braucht. Über den aktuellen Stand und das kommende dritte Ausbaupaket mit weiteren zehn Bushaltestellen hat die Stadt nun den Beirat für Menschen mit Behinderungen informiert.
Alexander Tremmel, Leiter der Abteilung Straßenbau, sagte, von 370 Bushaltestellen in der Stadt seien aktuell 143 barrierefrei ausgebaut. Teilweise barrierefrei, also mit ebenem Zugang, aber ohne taktiles Leitsystem, seien 18 Haltestellen. In der Planung für den Umbau befänden sich 26 Haltestellen. Nicht barrierefrei seien derzeit noch 183 Bushaltestellen, knapp die Hälfte des Bestands. Bisher seien zwei Ausbaupakete abgeschlossen worden, berichtete Tremmel. Ab 2022 seien im ersten Ausbaupaket zwölf Bushaltestellen barrierefrei umgebaut worden, darunter drei rund um das Marienkrankenhaus. Mit dem zweiten Paket habe man über die Stadt verteilt 15 Bushaltestellen umgestaltet.
1,6 Millionen Euro für drittes Ausbaupaket
Das nun anstehende dritte Paket sehe den Umbau von zehn weiteren Bushaltestellen vor. Darunter seien die Haltepunkte Am Weidenschlag in der Notwende in beiden Richtungen, an der BASF (Tor 1+2), an der Kirche in Edigheim, der Frankenstraße in Oppau, die Haltestelle Hochfeldstraße Gartenstadt in beiden Richtungen und Niederfeld Gartenstadt sowie Ruchheim und Ruchheim Schloss Richtung Melm, erklärte Tremmel. Die Reihenfolge des Umbaus ergebe sich aus der im Nahverkehrsplan 2018 aufgestellten Prioritätenliste. Der Fördermittelgeber wünsche Pakete mit zehn bis 15 Haltestellen.
Das Land Rheinland-Pfalz erteilt auf Antrag eine Förderung von 85 Prozent der Baukosten. Praktisch umgesetzt wird die Barrierefreiheit durch den Bau einer Ebene für den Ein- und Ausstieg zwischen Bus und Gehweg mithilfe eines hohen Bordsteins. Hinzu kommt der Einbau taktiler und kontrastierter Leitelemente für blinde und seheingeschränkte Personen. An der Frankenstraße in Oppau werde es eine neue Querung am Seniorenwohnpark geben, dort werde auch die neue Haltestelle hinkommen, kündigte Tremmel an. Aktuell sei die Haltestelle verlegt und ein Provisorium vorhanden. Die Kosten des dritten Ausbaupakets lägen bei 1,6 Millionen Euro. Nach Bewilligung des Förderbescheids, Zustimmung der städtischen Gremien, der Ausführungsplanung und Ausschreibung könne der Umbau voraussichtlich 2027 realisiert werden.
Die Mitglieder des Behindertenbeirats begrüßten das dritte Ausbaupaket einstimmig. Einige nutzten die Gelegenheit, ihrem Ärger über unschöne Erlebnisse mit Linienbussen Gehör zu verschaffen. Der Abteilungsleiter sagte, mit dem geplanten vierten Ausbaupaket stehe der Umbau von weiteren 15 Bushaltestellen an. Dazu komme der Umbau von rund 30 Haltestellen im Rahmen von größeren Straßenbauprojekten wie an der Rohrlachstraße und für die Linie 10. Auch diese solle laut Rhein-Neckar-Verkehr 2027 beendet sein.
Zur Sache:
Eigentlich müssten alle Haltestellen für Busse und Bahnen seit 1. Januar 2022 barrierefrei ausgebaut sein. Das hat der Gesetzgeber im Personenbeförderungsgesetz beschlossen. Von dem Ausbau sollen Behinderte, Familien mit Kinderwagen oder ältere Menschen mit Gehhilfen profitieren. Doch in Ludwigshafen wurde dieses Ziel nicht erreicht. Die Gründe sind vielfältig: Der Umbau einer Haltestelle ist teuer und die Finanzlage der Stadt seit Jahren sehr angespannt. Der Ausbau der Haltestellen erfolgt deshalb nur schrittweise. Der Stadtrat hat 2018 im Nahverkehrsplan eine Prioritätenliste erstellt und auch anhand von Fahrgastzahlen festgelegt, welche Haltestellen als erstes umgebaut werden sollen – und wo man sich noch Zeit lassen kann. Außerdem wird der Planungsaufwand für solche Umbauten immer aufwendiger. Beim Tiefbauamt der Stadt fehlt es an Personal, was ebenfalls zur Verzögerungen führt. Von den 370 Bushaltestellen im Stadtgebiet ist fast die Hälfte (183) bisher nicht umgebaut worden – hat also weder einen ebenerdigen Einstieg für die Fahrgäste noch ein Leitsystem für Sehbehinderte. Von insgesamt 51 Straßenbahnhaltestellen in Ludwigshafen sind etwa 80 Prozent barrierefrei. Das Ausbauprogramm wird noch Jahre dauern.