Ludwigshafen
Millionen Mehrkosten für Schul-Bauprojekte: Warum es noch teurer werden könnte
Darf’s ein bisschen mehr sein? Die Frage hört man beim Einkauf nur noch selten. Die Ludwigshafener Stadtpolitik muss sie öfter anhören. Und die Frage taucht bei zwei Schulprojekten auf. So wird ein Neubau an der Anne-Frank-Realschule plus (West) statt geplanter 15,4 rund 22,5 Millionen Euro kosten. Zudem wurde im Oktober bekannt, dass die Fassade der Gräfenau-Grundschule im Ludwigshafener Hemshof für rund 1,7 Millionen Euro saniert werden muss, weil akute Gefahr droht. Eine unerwartete Ausgabe, bei der es noch erhebliche Folgekosten geben kann.
Die Arbeiten an der Gräfenauschule sollen im nächsten Frühjahr beginnen und Ende 2025 abgeschlossen sein, heißt es seitens der Stadt. Doch Aufschub dulden die Arbeiten nicht. Der Sandstein an großen Teilen der Fassade weise sehr starken Zerfall auf, lose Gesteinsteile drohten herabzustürzen.
Kosten können noch steigen
469 Schülerinnen und Schüler müssen dann in eine Interimslösung umziehen – in Container. Nur wo diese aufgestellt werden sollen, ist derzeit noch offen. Mehrere Standorte werden geprüft. Geeignet scheint den Planern der Marienpark zu sein – eine Grünfläche zwischen der Industriestraße und der Hohenzollernstraße in der Nähe der Marienkirche am Rande des Hemshofs. Die Kosten für diese Unterbringung sind noch nicht beziffert.
Was die Kosten der Fassadensanierung anbetrifft, ist ein Umstand besonders kurios. Die gesamte Schule soll ohnehin saniert und umgebaut werden. Drei Millionen Euro sind dafür im Haushalt 2025 eingestellt worden. In den folgenden Jahren bis 2028 hat die Verwaltung insgesamt über 25 Millionen Euro für das Bauprojekt eingeplant.
Bei der Anne-Frank-Realschule plus sieht es anders aus. Da hatte der Stadtrat bereits 2019 zugestimmt, dass ein Erweiterungsbau hochgezogen wird, in dem unter anderem sieben dringend benötigte Klassenräume untergebracht werden, dazu zwei Naturwissenschaftsräume, ein Musikraum und ein Raum für das Fach Textiles Gestalten. Nun stellt sich heraus: „Während der Arbeiten für den Erweiterungsbau wurden unvorhersehbare Maßnahmeerweiterungen notwendig, die zu Mehrkosten geführt haben“, wie es seitens der Verwaltung heißt.
Im Klartext: Bei den Erdarbeiten für die Vorbereitung der Gründung der Bodenplatte des Erweiterungsbaus wurde festgestellt, dass der vorgefundene Boden durch mehrere Schlickschichten in unterschiedlichen Tiefen durchzogen ist. „Weitere Bodensondierungen und Bodenanalysen haben ergeben, dass der Baugrund für die geplante Flachgründung nicht geeignet ist“, so die Verwaltung. Das heißt: Der Neubau musste auf Pfähle gestellt werden. Mehrkosten: rund 7,1 Millionen Euro. Zudem muss belasteter Boden abgetragen werden, der an den geplanten Außenanlagen gefunden wurde.
Problemschicht nicht erfasst
„Wieso wurde das nicht vorher geprüft?“, will Anke Simon (SPD) im Bau- und Grundstücksausschuss wissen: „Wurde da mal gebohrt, oder schaut man nur, dass es links und rechts daneben bei Bauprojekten gut ging?“ Christoph Heller (CDU) stößt ins selbe Horn. Grundsätzlich gehe es immer darum, dass man von Mehrkosten überrascht werde, bei allen Bauprojekten der Stadt. Rainer Bernhard von der Gebäudewirtschaft der Stadt Ludwigshafen beruhigt: Der Baugrund sei untersucht worden mit mehreren Bohrungen. „Aber man kann daneben liegen“, sagt er mit einem Achselzucken. Im Fall der Realschule habe sich die Bodenschicht genau zwischen den Bohrungen befunden.
Die Mehrkosten werden unter Umständen nicht dabei enden, so die Befürchtungen der Stadträte. Denn auch bei der Ausstattung der neuen Schulräume gibt es eine Unschärfe, die erneut Anke Simon zur Sprache bringt. Sie hat das Gefühl, dass 60.000 Euro für die Ausstattung inklusive digitaler Schultafeln etwas knapp bemessen sind. Nicole Stöcklin vom Bereich Bauen für Bildung erklärt, dass der Betrag pro forma eingestellt worden sei. „Die Tafeln haben mehr einen Hinweischarakter für den Haushalt“, sagt sie.
Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) bringt im Zusammenhang mit den Teuerungen für Bauprojekte noch einen weiteren Hinweis. Denn: Bei geförderten Bauprojekten werden Teuerungen nicht automatisch mit gefördert – beispielsweise beim Bürgermeister-Reichert-Haus, das ebenfalls 7,1 Millionen Euro teurer wird. Steinruck: „Ich rate künftig dazu, Fördermittel-Programme nur zu beantragen, wenn auch Steigerungen berücksichtigt sind. Sonst geht unser Haushalt immer mehr in die Knie.“ Bei der Anne-Frank-Realschule muss die Bauausführung bis 2025 abgeschlossen sein, damit überhaupt Fördermittel fließen. Die Mehrkosten trägt die Stadt.