Ludwigshafen „Meine Musik soll man lieben oder hassen“

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Ambrose Akinmusire: ein Name wie aus einem Märchen. Der 32-jährige Afroamerikaner ist einer der angesagtesten Trompeter des aktuellen Jazz. Beim Festival „Enjoy Jazz“ vor zwei Jahren hatte Akinmusire mit seinem Quintett einen grandiosen Auftritt, jetzt kommt der Echo-Jazz-Preisträger am Ostermontag in die Mannheimer Alte Feuerwache.

Von prominenten Jazzstars wie Steve Coleman und Wayne Shorter wurde er gefördert, mit Vijay Iyer und Jason Moran spielte er, und in diesem Umfeld ist auch seine eigene Musik zu verorten. Ambrose Akinmusire gehört zu den jungen intellektuellen Afroamerikanern, die eigene Wege aufsuchen. Bei aller Virtuosität seines Trompetenspiels ist er kein Blender, sondern ein bescheidener und unprätentiöser Künstler. Ein reflektierter Musiker, der die schwarze Tradition auf spannende Weise mit neuen Visionen zu erfüllen versteht. Die Kompositionen des Musikers aus Los Angeles bevorzugen eine harmonische Sprache, die man eher mit Benjamin Britten assoziieren würde als mit Jazz. Weite Intervallsprünge und unwegsam-aparte Harmonien bestimmten dieses Spiel. Gleichzeitig sind diese schwer greifbaren Melodien und Akkorde von einer unbändigen Ausdruckskraft durchdrungen. „Viele Leute Leute haben mich inspiriert“, sagt Akinmusire im RHEINPFALZ-Gespräch. Britten habe ihn ebenso beeinflusst wie Morton Feldman, der Trompeter Booker Little hat ihn beeindruckt, aber auch Sängerinnen wie Abbie Lincoln oder Johnie Mitchel. „Mich fasziniert Musik von Leuten, die das besondere Etwas haben, das dir das Gefühl gibt, im Weltall zu schweben. Alles inspiriert mich, ich versuche so viel wie möglich von der Welt zu erfahren und all das spiegelt sich in meinem Kompositionen: das Positive ebenso wie das Negative in der Welt. Meine positiven Gefühle, aber auch Sorgen und Ängste“, so Ambrose Akinmusire. Als Sohn nigerianischer Eltern wuchs Akinmusire in North Oakland auf. Schon als Dreijähriger lief er in der Kirche sofort zum Pianisten und haute in die Tasten, worauf ihn seine Mutter zum Klavierunterricht schickte. „Als Jugendlicher ging ich dann später in ein Jazz-Sommercamp und verliebte mich in den Jazz. Ich hörte tonnenweise Platten und informierte mich, wer diese Leute waren, welche Lebensumstände die afroamerikanischen Musiker hatten während der Rassentrennung. All das inspirierte mich für meine eigene Musik“. Nach dem Besuch der Berkeley Highschool erhielt er ein Stipendium zum Studium an der Manhattan School of Music und ging danach ans Thelonious Monk Institute, wo er bei den Trompetern Terence Blanchard und Billy Childs Unterricht hatte. Etliche Preise und Auszeichnungen begleiten den künstlerischen Weg, darunter der Gewinn des Thelonious-Monk-Wettbewerbs und die Wahl beim Kritikerpoll des renommierten US-Fachmagazins „Down Beat“ als bester Trompeter. Ganz besonders ist seine Technik, die jedem Ton eigene Glut und Farbe gibt. Unablässig formt und feilt er an den Tönen, mit Lippenspannung, leisem Einpressen und Growling, wobei sein Instrument öfters auch wie ein Schofar oder eine Schalmei klingt. In Verbindung mit den ungewöhnlichen Melodien ergibt dies gelegentlich eine fast surreal anmutende magische Kraft. Beim Konzert in Mannheim wird er exzellente Musiker an seiner Seite haben: den Tenorsaxofonisten Walter Smith III, den Pianisten Sam Harris, den Bassisten Harish Raghavan und den Schlagzeuger Justin Brown. Sein aktuelles Album mit dem sehr poetischen Titel „The imagined savior is far easier to paint“ ist beim Traditions-Label „Blue Note“ erschienen. Dass der Titel wie ein Gedicht klingt, ist tiefere Absicht. „Es liegt an einem selber, was man aus dem Titel hervorholt. Jeder hat eigene Vorstellungen, ich will offen sein. Ich will dass die Leute eine Reaktion zeigen auf meine Musik, dass sie sie lieben oder hassen“.

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