Buga23 RHEINPFALZ Plus Artikel Meine erste Bundesgartenschau: Die Pinguine zum Schluss

Das Willkommen-Blumenbeet: Von hier sind es nur noch wenige Schritte bis zum Haupteingang.
Das Willkommen-Blumenbeet: Von hier sind es nur noch wenige Schritte bis zum Haupteingang.

Seit Monaten ist dieses Wochenende im Kalender unseres Redakteurs Oliver Seibel fett markiert. Bei seiner Buga-Premiere hat er einiges erlebt.

Bundesgartenschau, Bundesgartenschau und noch mal Bundesgartenschau. Die vergangenen Wochen schon drehte es sich in meinem Arbeitsalltag vor allem um dieses Thema. Und am Freitag ging es endlich los. Schön, dass der Bundespräsident zur Eröffnung gekommen ist – aber auch irgendwie gut, dass er am Tag darauf nicht wieder da ist. Denn da heißt es dann nicht ständig: „Halt, stopp, hier dürfen Sie nicht durch, bitte in die andere Richtung.“ Wenn das Staatsoberhaupt sich die Ehre gibt, sind eben Teile des Geländes ein Hochsicherheitsbeet. Bodyguards, Polizisten und jede Menge weitere Sicherheitsleute. Und solch eine Szenerie bekommt freilich automatisch viel mediale Aufmerksamkeit. Am Wochenende ist es dann aber ganz anders. Volle Konzentration auf die Blumen, die Menschen, die sich so viel für das ehemalige amerikanische Kasernengelände haben einfallen lassen, und natürlich die Besucher.

So gegen 10 Uhr ist es in der Straßenbahn Richtung Feudenheim zu meiner Überraschung doch ziemlich entspannt. Sie ist nicht mal zur Hälfte gefüllt. Je näher das Areal kommt, desto verblüffter bin ich. Alle paar Meter stehen Plakate mit Werbung für den Maimarkt und einen Rummel namens „Mannemer Mess“. Die beiden Veranstaltungen gehen bald los. Besonders liebevoll am Wegesrand gepflanzte Frühlingsblümchen sind dann aber doch ein zarter Hinweis darauf, dass man in der richtigen Bahn sitzt, wenn man zur Buga will. Und die meisten von denen, die mitfahren, haben dieses Ziel. Vor allem sind das Familien mit Kindern. Bald ist auch der Blick frei auf die Gondeln der spektakulären Seilbahn, mit der ich nachher zum ersten Mal fahren werde. „Was? Die bleibt nicht?“, fragt ein Junge seine Eltern. „Nein“, antworten die ihm. Die wird im Oktober wieder abgebaut. Es heißt, es würde sich nicht rechnen, sie stehen zu lassen.

Überall Hobby-Fotografen
Mannheim aus der Luft: Der Blick aus der Seilbahn-Kabine liefert ungewohnte Perspektiven.
Mannheim aus der Luft: Der Blick aus der Seilbahn-Kabine liefert ungewohnte Perspektiven.

An der Haltestelle Talstraße leert sich die Bahn fast komplett. Nach vielleicht 300 Metern Fußmarsch stehe ich auf dem Platz vor dem Haupteingang. Und der ist wirklich sehr schön geworden. Die Leute zücken ihre Handys, machen Erinnerungsfotos vor dem Blumenmeer. Es ist gar nicht so leicht, das nicht zu fotografieren. Also tu ich es auch. Und höre gleich die ersten Fachgespräche. „Das ist Rollrasen. Schau mal, wie dicht der ist. Das hätten wir uns auch in den Garten machen sollen“, sagt ein mittelalter Mann zu seiner Begleitung. Jetzt aber schnell rein mit meiner Dauerkarte durch das automatisierte Drehkreuz.

Spätestens da dürften die meisten Besucher verstehen, was Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) bei seiner Eröffnungsrede damit meinte, dass das Areal seine Geschichte nicht verleugne. „Danger. Unauthorized Personnel keep out“, steht auf einem Schild des in Tarnfarben gehaltenen Gebäudes H7. Was so viel heißt wie: Kein Zutritt für Unbefugte. Ein Überbleibsel aus der Zeit, als die US-Army hier allerhand Kriegsgerät lagerte. Nun stehe ich also vor einer riesigen Halle, die wegen ihrer Form schlicht ein „U“ im Namen trägt. Hier werden viele der über 5000 Veranstaltungen stattfinden.

Es duftet nach Frühling
Besonderer Kasernen-Charme: Die Militärgeschichte des Geländes bleibt sichtbar.
Besonderer Kasernen-Charme: Die Militärgeschichte des Geländes bleibt sichtbar.

Ich gehe hinein in einen Bereich, der mit „Blumenhalle Floristik“ überschrieben ist. In einer gedämpften Lautstärke läuft dort elektronische Musik. Es duftet nach Frühling. Die Pflanzen-Arrangements sind spektakulär. Ein ambitionierter Hobbyfotograf geht oft ganz dicht ran, seine Aufnahmen werden bestimmt sensationell. Ich denke kurz darüber nach, mir einen Vortrag zum Thema „Bienenfreundlich Gärtnern“ anzuhören, entscheide mich dann aber dafür, mich weiter einfach treiben zu lassen. In der „Blumenhalle Gartenbau“ lerne ich dann noch, dass es wissenschaftlich erwiesen sei, dass Pflanzen uns mit gutem Klima versorgen, wir uns dadurch besser konzentrieren können und weniger Stress haben.

Kaum wieder an der frischen Luft, höre ich wundervolle Klänge von Streichinstrumenten. Ich folge ihnen und nähere mich der großen Bühne, die ich schon von der offiziellen Eröffnung mit dem Bundespräsidenten am Freitag kenne. Einige Hundert Menschen sitzen auf Stühlen direkt davor – andere lauschen dem Haifa Symphony Orchestra von einer Wiese aus, wo sich Besucher ganz entspannt in Liegestühlen niedergelassen haben. Die Vorstellung, es ihnen gleich zu tun, ist verlockend. Aber ich habe mir noch einiges vorgenommen für diesen Tag. Damit ich durchhalte, esse ich schnell eine Bratwurst – in der Hoffnung, dass ich dadurch die CO2-Bilanz der Veranstaltung nicht allzu sehr schädige. Dann geht’s weiter kreuz und quer über das Gelände – ab diesem Zeitpunkt natürlich mit Senf-Fleck auf der Hose.

Die Zeit drängt
Hier startet Oliver Seibel seinen Rundgang.
Hier startet Oliver Seibel seinen Rundgang.

Ich streife den landwirtschaftlichen Bereich, wo auch der Mutterstadter Pfalzmarkt sein wellenförmig angelegtes Stück Boden hat, um darauf Paprika, Mangold und Co. anzupflanzen. Dann entdecke ich den „Möglichkeitsgarten“ der beiden Kirchen. Eine freundliche Dame erklärt gerade einem Besucher, dass das im Wind flatternde Dach aus recycelten alten Fahnen bestehe. Nachhaltigkeit ist auf der Buga 23 in Mannheim das Zauberwort. Etwas weiter Richtung Parkrand tollen viele Jungen und Mädchen auf den sehr schönen Kinderspielplätzen herum. Wer etwas älter ist und Sport treiben will, kann das auf der Fläche einer in der Region bekannten Fitnessstudio-Kette tun.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir: Jetzt muss ich mir unbedingt den neu gemachten Luisenpark angucken. Die Grünanlage war schon 1975 Hauptschauplatz einer Bundesgartenschau. Diesmal ist sie eine Art Satellit der Veranstaltung. Der Clou: Ich werde gleich in einer der 64 Kabinen der Seilbahn Platz nehmen, die mich auf die andere Seite des Neckars bringt. An der Station angekommen, stelle ich mich an in einer kleinen Schlange und nutze die Zeit, um ein Beruhigungsschild zu studieren, auf dem es heißt, dass Seilbahnen die sichersten Verkehrsmittel der Welt seien. Ein Kind bringt mich aber schnell auf andere Gedanken: „Geht es da zu den Tieren?“ Recht hat der Kleine. Es geht zu den Pinguinen. Die Fahrt macht wirklich Spaß. Wann hat man schon mal so eine Aussicht auf Mannheim? In weniger als zehn Minuten ist der Luisenpark erreicht. Mit einem netten „Guten Tag und viel Spaß“ begrüßt mich eine Buga-Helferin.

Endlich bei den Publikumslieblingen
So viel Schönheit muss einfach festgehalten werden.
So viel Schönheit muss einfach festgehalten werden.

Ich bin schon ewig nicht mehr im Luisenpark gewesen. Aber ich fühle mich gleich wie zu Hause. Es ist einfach schön dort. Wie schon auf dem Spinelli-Gelände tritt man sich nicht gegenseitig auf die Füße. Denn so richtig voll ist es weder hüben noch drüben. „Oha, hier ist ja noch einiges zu tun“, sagt ein Besucher, als er vor der neuen Unterwasserwelt steht. Und in der Tat ist man hier nicht rechtzeitig zur Buga fertig geworden. Im Mai soll es dann irgendwann so weit sein. Fertig ist aber das neue Pinguin-Gehege. Und hier wird’s dann doch ein bisschen enger. Die lustigen Tiere, die erst vor wenigen Tagen aus ihrem Ausweichquartier, dem Frankfurter Zoo, zurückgebracht worden sind, haben nicht nur bei Kindern Kultstatus.

Ich schaue wieder auf meine Uhr, die Tag für Tag misst, wie faul oder aktiv ich bin. 23.000 Schritte – nicht übel. Mir tun die Füße weh. Genug für heute. Ich laufe quer durch den Park, verlasse durch eine Drehtür am Fernmeldeturm das Gelände und setze mich wieder in eine Straßenbahn. Und einer meiner ersten Gedanken ist: „Oh nein, ich habe den Panoramasteg auf Spinelli vergessen. Ich hätte es aufschreiben sollen.“ Beim nächsten Mal, beruhige ich mich – denn ich komme wieder, keine Frage.

Getaucht wird dann morgen: Die Luisenpark-Pinguine entspannen im neuen Gehege.
Getaucht wird dann morgen: Die Luisenpark-Pinguine entspannen im neuen Gehege.
aufmacher

Alle Infos, Artikel und Geschichten zur Bundesgartenschau auf einen Blick!

Informationen zum Eintritt, den Dauerkarten oder der Anreise: Hier finden Sie alle Artikel zur Bundesgartenschau 2023 in Mannheim. Dazu gehören Fakten zur Seilbahn, ein Überblick über die Gastronomie und Erfahrungen der ersten Buga-Besucher. Außerdem erklären wir, wo Luisenpark und Spinelli-Park genau liegen, was auf der Bundesgartenschau erlaubt und verboten ist und berichten über Veranstaltungen und Events.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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