Ludwigshafen
Ludwigshafener Geschichte(n): Mit der Einwohnerzahl wuchs die Ärzteschaft
Der Doktor kam also schon rund sieben Jahre vor der ersten Sitzung des Ludwigshafener Gemeinderats am 4. Juni 1853. Damals kümmerten sich auch schon zwei weitere Ärzte um die Gesundheit der offiziell 1520 Einwohner (1852): Dr. Simson Gutherz zog 1849 nach Ludwigshafen. Er wurde 1855 zum „Spitalarzt“ ernannt. Ein Krankenhaus in heutigem Sinn gab es damals allerdings noch nicht. Die Kranken wurden von den Ärzten ins Privathaus von Polizeidiener Jakob Röder „eingewiesen“, der sie gegen eine jährliche Vergütung von 900 Gulden beherbergte und verpflegte.
Bald 50 Ärzte in der Stadt
Franz August Schneider folgte als dritter Arzt am 1. März 1852. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, als Ludwigshafen auf rund 70.000 Einwohner angewachsen war, hatten sich in der jungen prosperierenden Stadt insgesamt genau 50 Ärzte niedergelassen, von denen 25 bei der Jahrhundertwende am 31. Dezember 1900 noch tätig waren.
Die ersten drei Ludwigshafener Ärzte blieben knapp zehn Jahre „unter sich“ – erst am 1. Januar 1861 wurde aus dem Trio ein Quartett, als Julius Werner als erster Amtsarzt von Mutterstadt nach Ludwigshafen versetzt wurde. Das hing damit zusammen, dass mit der Verlegung des damaligen Landgerichts und späteren Amtsgerichts am 1. Januar 1861 nach Ludwigshafen auch der Sitz des Gerichtsarztes, damals „Kantonsphysikat“, in der aufstrebenden Gemeinde am Rhein deren Bedeutung steigerte.
Klinikum geschaffen
Auch in den beiden Ludwigshafener „Ursprungsgemeinden“ Friesenheim und Mundenheim gab es zu dieser Zeit Ärzte: Nikolaus Schröder war 1862 der erste Friesenheimer Arzt, dem erst am 30. Dezember 1891 mit Julius Hammer ein weiterer Mediziner folgte. Die Mundenheimer waren da bereits mit zwei Ärzten „versorgt“: Im Dezember 1884 kam ein Dr. Orth in das einstige Dorf. Im Juli 1887 erschien mit Johann Klein ein zweiter Doktor.
Wesentlich mehr Bedeutung hatte zu diesem Zeitpunkt wohl schon Ernst Westhoven: Er war ab dem 1. Juli 1885 der erste ärztliche Direktor des neugeschaffenen Ludwigshafener Hospitals an der Bremserstraße (heute Klinikum). Mit Theophil Runck (1897) und August Runck ( 1898) folgten in Mundenheim die auch kommunalpolitisch engagierten Begründer der ärztlichen „Runck-Dynastie“, deren Nachfahren noch nach dem Zweiten Weltkrieg im Schatten der katholischen Kirche St. Sebastian eine gutgehende Praxis betrieben.
Fachärzte folgen
Fachärzte ließen sich in Ludwigshafen erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nieder. Edwin Stroschein war 1892 der erste Augenarzt in der Stadt – sein Kollege Eugen Blaß folgte zwei Jahre später. Für Hals, Nase und Ohren (HNO) war ab 1893 Franz Schalk zuständig, erster Gynäkologe war ab 1896 Hans Heuck und als erster Chirurg und Orthopäde kam 1900 Hans Dehner in die Stadt. Ein Jahr zuvor hatte sich mit Jacob Eberle der erste von nur drei Zahnärzten im 19. Jahrhundert in Ludwigshafen niedergelassen. Den Ärzten zur Seite standen um 1900 nach Angaben der damaligen Stadtverwaltung 17 Bader und 39 Hebammen.
Heute gibt es laut kassenärztlicher Vereinigung in Ludwigshafen knapp 120 Hausärzte und 190 Fachärzte. Das klingt viel, doch künftig rechnen Fachleute mit einem Ärztemangel. Denn viele Mediziner gehen in Rente. Es mangelt an Nachwuchs, warnt das Ärztenetz Golu (Gesundheitsorganisation Ludwigshafen).