Ludwigshafen
Linie 10: Planer werben für Ausbau ohne eigenen Gleiskörper
Wie berichtet, ist die Stadtverwaltung von dem ursprünglich geplantem Ausbau aus Kostengründen wieder abgerückt: Statt eines eigenen abgrenzten Gleiskörpers in der Mitte der Hohenzollernstraße wird nun eine neue Variante geplant, die sich am Bestand orientiert.
Diese neue Lösung habe große Vorteile, informierte Alexander Tremmel vom Bereich Tiefbau. Mit einem Gleiskörper könnten Verkehrsteilnehmer an allen Kreuzungen nur noch nach rechts abbiegen, ohne Abtrennungen in der Fahrbahnmitte sei das Abbiegen weiterhin in alle Richtungen möglich. In der Fahrbahn eingelassene Gleise ermöglichten Rettungsfahrzeugen das Überholen bei der Anfahrt zum Klinikum. In einem Gleiskörper könne der Straßenbahnverkehr nur noch auf einem Gleis geführt werden. Mit zwei Gleisen könne ein Zehn-Minuten-Takt bei den Straßenbahnen eingeführt werden, weil mehr Bahnen fahren könnten. Auch bei einer Panne oder einem Unfall stehe ein zweites Gleis zur Verfügung.
Durch den Verzicht auf einen Gleiskörper gebe es zudem genügend Platz für zwei Radwegstreifen entlang der Hohenzollernstraße. Die Haltestellen könnten trotzdem barrierefrei ausgebaut werden. Und nicht zuletzt wäre die Variante ohne Gleiskörper mit Gesamtkosten von 31,5 Millionen Euro rund 3,5 Millionen Euro günstiger, was auch die Ausbaubeiträge der Anwohner senke, warb Tremmel.
Lebhafte Debatte
Ortsvorsteher Osman Gürsoy (SPD) sah durchaus Vorteile in der neuen Variante, die sich am Bestand orientiert, meldete aber auch einige Wünsche im Namen des Ortsbeirats an: Das Tempo des Autoverkehrs in der Hohenzollernstraße müsse reduziert werden. Eine Anbindung der Haltestelle Ebertpark sei wichtig. Die Stadtteilentwicklung dürfe bei dem größten Nahverkehrsprojekt der Stadt nicht ins Hintertreffen geraten.
Andreas Bauer (SPD) regte eine baldige Einbindung der betroffenen Anlieger an. „Wir hatten einen Konsens, der nun über die Hintertür ausgehebelt worden ist“, kritisierte Wolfgang Leibig (CDU) die Stadtverwaltung, die Pläne umwerfen wolle, für die es bereits Baurecht gibt. Egal, was nun passiere – der Ausbau müsse zügig erfolgen. Ohne städtebauliche Akzente bei dem Projekt werde die CDU-Fraktion nicht zustimmen.
Entscheidung im Sommer
Auch Bernhard Wadle-Rohe (Linke) zeigte sich enttäuscht darüber, dass bei der Neuplanung vor allem der Ist-Zustand erhalten werde, denn die Hohenzollernstraße sei stark vom Durchgangsverkehr frequentiert. Mit einem Gleiskörper wäre die Straße verkehrsberuhigter. Er vermisste außerdem bei der neuen Variante konkrete Punkte wie einen neuen Straßenbelag für die Hohenzollernstraße, Radwegestreifen und auch neue Bäume. „Ich befürchte, es wird städtebaulich nur geringe Verbesserungen geben und das Ganze wird eine große Enttäuschung für die Menschen – auch wenn der ÖPNV-Takt besser wäre“, sagte Wadle-Rohe. Gisela Witt (Grüne) meinte, dass die abgespeckte Variante aus finanziellen Gründen wohl die einzig sinnvolle Lösung sei.
Tremmel versprach, die Anregungen aus dem Ortsbeirat Nord zu berücksichtigen und bis zum Sommer mit der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) eine entscheidungsreife Planung für die Bestandsvariante vorzulegen. Baubeginn könnte dann frühestens im Herbst 2023 sein. Bereits am Montag hatte der Bauausschuss zugestimmt, die Variante ohne Gleiskörper – die derzeit noch eine Konzeptidee ist – detaillierter zu planen. Die Politiker und der Ortsbeirat Friesenheim meldeten ähnliche Wünsche das Gremium in Nord an.
Mehr über die Kostenentwicklung erfahren Sie hier.