Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Linie 10: Nach Notbremse geht’s weiter

Die Linie 10 in der Hohenzollernstraße.
Die Linie 10 in der Hohenzollernstraße.

Der Ausbau der Stadtbahnlinie 10 in der Hohenzollernstraße wird nur abgespeckter Form stattfinden. Nun muss der letzte Bauabschnitt neu geplant werden. Das soll Kosten sparen und Verbesserungen bringen. Der Bauausschuss hat der Stadtspitze am Montag einige Hausaufgaben für die Neuplanung aufgegeben.

Die Linie 10 wird auf dem 1,1 Kilometer langen Restabschnitt zwischen Sternstraße und Marienkirche lediglich im Bestand ausgebaut – also ohne ein neuen eigenen Gleiskörper in der Mitte der Fahrbahn. Für diese Variante hat sich am Montag der Bauausschuss des Stadtrats einstimmig ausgesprochen.

Das größte Nahverkehrsprojekt in Ludwigshafen hatte nach langen Anlaufschwierigkeiten an Fahrt aufgenommen. In Alt-Friesenheim wurden die Bauarbeiten schneller abgewickelt als ursprünglich geplant. Eigentlich lagen auch die Pläne für den letzten Bauabschnitt in der Hohenzollernstraße fix und fertig in der Schublade. Doch nun muss komplett neu geplant werden.

Kosten gestiegen

Hauptgrund: Die Kosten sind explodiert. Statt 23,5 hätte der Ausbau in der Hohenzollernstraße in der eigentlich geplanten Variante 35 Millionen Euro gekostet, für die bereits Baurecht vorliegt. Bereits die fast vollendete Modernisierung in Alt-Friesenheim kostet mit 19 rund fünf Millionen Euro mehr als ursprünglich veranschlagt. 54 Millionen Euro stehen inzwischen unterm Strich für das 2005 angeschobene Gesamtvorhaben: ein Plus von 16,5 Millionen. Das Baudezernat hat deshalb die Notbremse gezogen und damit zum Jahresende einen Sturm der Empörung bei den Kommunalpolitikern in Friesenheim und im Stadtteil Nord ausgelöst.

Denn dort war der Eindruck entstanden, dass sich die Stadtspitze mit einer Sanierung ohne eigenen Gleiskörper von einer Aufwertung der Hohenzollernstraße verabschiedet habe. Statt ein Stück Stadtentwicklung würde es nur ein paar neue Gleise geben, lautete die Befürchtung.

Mehr Platz ohne Gleiskörper

Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet. Denn Baudezernent Alexander Thewalt (parteilos) hat versichert, dass der Ausbau auch in einer abgespeckten Variante viele Vorteile bringe. Der 1:1-Neubau der Gleise in der Hohenzollernstraße böte für den Auto- und den Radverkehr mehr Platz. Die ÖPNV-Taktung könne verbessert werden. Und nicht zuletzt sei das Ganze günstiger. Die neue Variante ohne Gleiskörper soll 3,5 Millionen Euro weniger kosten. Die Gleiskörper-Variante sei seinerzeit nur so geplant worden, weil es dafür Fördergelder gab. Mittlerweile hätten sich aber die Förderrichtlinien geändert.

Thewalts Argumente haben die Fraktionen offenbar überzeugt, denn sie stimmten ohne Gegenstimmen oder eine Enthaltung für die Neuplanung. Allerdings bekam die Stadtverwaltung dafür eine Menge „Vorschläge“ mit auf den Weg. Friesenheims Ortsvorsteher Günther Henkel (SPD) forderte im Namen seines Ortsbeirats eine standardmäßige Anbindung des Ebertparks an die Linie 10. Außerdem müsse der Autoverkehr in der Hohenzollernstraße „entschleunigt“ sowie die Sicherheit für Fußgänger und Radler verbessert werden. Zudem müsse die Hohenzollernstraße optisch aufgewertet werden, auch wenn es sich jetzt nur noch um ein reines ÖPNV-Projekt handele.

Besserer ÖPNV-Takt möglich

Raik Dreher (Grünes Forum und Piraten) forderte die Verwaltung auf, diese Anregungen bei den neuen Plänen zu berücksichtigen. Christoph Heller (CDU) sprach sich für einen neuen Straßenbelag in der Hohenzollernstraße aus und forderte die Schaffung eines Radwegstreifens. Auch die Parkplätze sollten den Bedürfnissen entsprechend angeordnet werden. „Die Stadtentwicklung sollte nicht ganz vergessen werden“, meinte Heller.

Heike Heß (Grüne im Rat) unterstrich, dass sich ohne die Beschränkungen durch einen Gleiskörper das ÖPNV-Angebot verbessern lasse. Christian Schreider (SPD) begrüßte die Möglichkeit für eine Zehn-Minuten-Taktung des Straßenbahnverkehrs und betonte, dass der Ausbau barrierefreier Haltestellen ebenso wichtig sei wie eine bessere Sicherheit für alle restlichen Verkehrsteilnehmer. Ohne Gleiskörper hätten Rettungswagen auch eine leichtere Anfahrt zum Klinikum.

Neue Pläne bis April

„Ihre Vorgaben sind auch unsere. Wir nehmen alle diese Punkte auf“, versicherte Baudezernent Thewalt, der wegen der spät erfolgten Kommunikation der Planänderungen in die Kritik geraten war. „Es ist noch viel offen“, sagte Thewalt. Gesetzt sei auf jeden Fall der Ausbau der barrierefreien Haltestellen in der Hohenzollernstraße. Ein besserer ÖPNV-Takt koste aber Geld. Die Verwaltung und die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV), die das Bauprojekt abwickelt, wollen bis April die Neuplanung fertig haben und dem Stadtrat zur Abstimmung vorlegen. Der Druck wegen der Verzögerungen ist groß: „Die Verwaltung muss jetzt richtig Gas geben“, forderte Ortsvorsteher Henkel.

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