Schifferstadt / Rhein-Pfalz-Kreis
Letzter Aufguss absehbar
Sinkende Besucherzahlen, steigende Konkurrenz im Umland – damit sind schon mal die beiden wichtigsten Faktoren genannt, warum sich der Kreis dazu entschlossen hatte, die Schließung der Sauna im Schifferstadter Kreisbad voranzutreiben. Wobei es sich der Kreis dann doch wieder nicht so einfach gemacht hat.
Vier Alternativen hatte die Kreisverwaltung den Mitgliedern des Kreistags in der letzten Sitzung des Gremiums Anfang Dezember 2025 präsentiert. Es waren Varianten, wie man mit der Sauna weiter verfahren könnte. Variante eins beinhaltete die komplette Sanierung des Saunabereichs. Geschätzte Kosten laut Verwaltung: zwischen circa 2,5 und 3,5 Millionen Euro. Dabei wären der Umkleide- und der Sanitärbereich im Erdgeschoss erneuert worden, ebenso wie das Dampfbad. Zwei neue Saunakabinen ersetzten die bisherigen Saunen. In der 90-Grad-Aufgusssauna hätte man sich den Einbau eines Panoramafensters vorstellen können. Sogar eine Erweiterung des Saunabereichs auf das Areal, wo noch das Bistro ist, wäre hier denkbar gewesen. Und auch der Freiluftbereich wäre größer geworden.
100.000 Euro für Sanierung?
Variante zwei sei laut Verwaltung die Idee zugrunde gelegen, den Saunabereich in Schifferstadt „mit geringen finanziellen Investitionen“ so aufzuwerten, um einen weiteren Betrieb für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu gewährleisten und einen weiteren Verlust an Besuchern so zu vermeiden. Im alten Dampfbad hätten hier die Fliesen überklebt werden sollen, auch die Decke wäre saniert worden. Bei den Attraktionsduschen wäre der Bereich durch das Herausnehmen der Duschen heller und freundlicher gestaltet worden. Im neuen Duschbereich wären eine Schwall- und eine Eimerdusche entstanden. Die Fenster im Untergeschoss wären größer geworden. Für diese Variante hatte die Kreisverwaltung mit Kosten von rund 100.000 Euro kalkuliert.
Variante drei hatte bei den Ausführungen in der Sitzungsvorlage den meisten Platz eingenommen. Bei den Erläuterungen dazu wurde gleich am Anfang klar, wohin die Reise gehen soll. Der Saunabereich sollte aufgegeben werden. Stattdessen sollte aus dem unteren Bereich ein Gymnastikraum werden. Konkret könne man sich im Erdgeschoss einen großen Gruppenraum mit angrenzenden kleinen Lagereinheiten vorstellen. Genutzt werden könnte dieser Bereich dann zum Beispiel für Eltern-Kind-Kurse, Musikalische Früherziehung oder Tanzkurse. Eine Vermietung an private Kursanbieter sei möglich wie die Nutzung durch umliegende Schulen und Kitas, wie etwa das Rettichnest.
Räume für Musikschule im Obergeschoss
Das Obergeschoss könnte für die Musikschule umgestaltet werden. Vier Räume stehen hier laut Verwaltung zur Verfügung, rund 44, 27, 37 und 46 Quadratmeter groß. Hier könnte Instrumentalunterricht stattfinden. Zwei Räume könnte man jeweils mit einem Klavier ausstatten. Und auf der 71 Quadratmeter großen Dachterrasse könnten Workshops im Freien stattfinden. Außerdem wäre hier Platz für diverse Kurse der Kreisvolkshochschule.
Der Kreis rechnet damit, dafür rund 102.000 Euro investieren zu müssen. Auf der anderen Seite ist allerdings auch ein Einsparpotenzial ausgewiesen. So rechnet man im Kreishaus zum Beispiel damit, jährlich gut 89.000 Euro an Stromkosten für zwei Saunaöfen, das Dampfbad und die Beleuchtung einzusparen. Zusätzlich könnte sich der Personalbedarf um zwei Teilzeitstellen verringern, wodurch die Kasse um etwa 36.000 Euro brutto entlastet würde. Und auch etwa 10.500 Euro Wasserkosten pro Jahr wären dann hinfällig.
Im Gegensatz zu Variante drei war Variante vier die kürzeste. Hier würden keine weiteren Investitionen im Saunabereich in Schifferstadt mehr getätigt. Die Sauna würde weiter so fortgeführt, wie bislang. Der Kreis ist aber davon ausgegangen, dass der Saunabereich im Schifferstadter Kreisbad höchstens noch fünf Jahre zu nutzen sei.
Da der Kreistag schließlich einstimmig für die auch von Landrat und Kreisverwaltung präferierte Variante drei votierte, tat sich Volker Knörr (CDU) leicht, im RHEINPFALZ-Gespräch von „trauter Zweisamkeit“ zwischen Kreistag und Landrat zu sprechen. Er wisse, dass es immer ein empfindliches Thema sei, wenn man etwas schließe. Weshalb er nicht unvorbereitet an dieses Thema herangegangen sei. Eine Umfrage auf einer Weihnachtsfeier der Schifferstadter CDU habe ihn in seinem Vorhaben bestärkt.
„Wir haben alle Möglichkeiten aufgelistet. Aber selbstverständlich war Nummer drei unsere Favoritin“, betonte der Landrat. Es sei wirtschaftlich nicht sinnvoll, eine Millionensumme in diese Sauna zu stecken. Zumal es im Umkreis bessere Saunen gebe. Knörr nannte neben den Kreisbädern in Mutterstadt, Maxdorf-Lambsheim und Römerberg auch noch Schwimmbäder in Speyer und Bad Dürkheim sowie die Tatsache, dass auch viele Fitnessstudios mittlerweile eine Sauna anbieten würden.
Mit dem Votum für die Schließung der Sauna habe man gleichzeitig eine gute Lösung für die Musikschule und die Kreisvolkshochschule gefunden. „Wir haben auch überlegt, die Räume extern zu vergeben. Aber das wäre Quatsch. So müssen wir für unsere eigenen Einrichtungen nichts anmieten“, betonte Knörr. Laut Kreisverwaltung befürchte die Musikschule in den kommenden Jahren den Verlust von Räumen, etwa durch den Verkauf von Pfarrheimen.
Zwei Alternativen für Zugang
Für den Zugang zu diesen Räumen gebe es zwei Alternativen: von außen, aber auch über den Haupteingang, wie Sven Pentner, Abteilungsleiter Schule, Kultur und Sport bei der Kreisverwaltung, ausführt. Wobei der Landrat keinen Hehl daraus macht, dass er „ein Freund der externen Lösung“ ist. Wenn die Räume morgens genutzt würden, dann aber noch niemand im Bad sei, sei das so einfacher.
Die beiden Öfen aus der Sauna würden eingelagert, erläutert Pentner. Als Ersatz könne man diese immer noch nutzen, falls es in einer der anderen Saunen in den Kreisbädern einen Ausfall gebe. Schauen müsse man, wie es mit dem Kiosk im Schifferstadter Kreisbad weitergehe. Da wolle man das Gespräch mit dem Betreiber suchen.
Wie lange die Sauna noch weiterbetrieben wird, steht konkret noch nicht fest. Das hängt auch damit zusammen, dass der Kreis auch das Schifferstadter Kreisbad generell sanieren möchte. Unter anderem werden laut Sven Pentner ein Edelstahlbecken eingesetzt und der Sanitärbereich neu gemacht. Wenn alles gut läuft, könne man damit Anfang 2027 beginnen. „Wir schauen, dass wir die Sauna dann so lange weiterbetreiben, wie es geht“, meint Pentner.