Ludwigshafen
Letzte Ruhe mit Hund, Katze oder Kanarienvogel
Noch ist es hierzulande nicht erlaubt, die Asche von Verstorbenen in Flüssen oder Seen zu verstreuen, die Angehörigen im privaten Wald oder im eigenen Garten zu beerdigen oder einfach die Urne mit den Überresten der geliebten Mutter auf den Kaminsims zu stellen und damit allabendlich auf dem Sofa im Blick zu haben. Noch. Aber das könnte sich bald ändern.
Denn Bestattungen sind in Deutschland Ländersache, und das Land Rheinland-Pfalz will seine bisherigen Regelungen deutlich lockern. Darauf hat Gabriele Bindert, Leiterin des Bereichs Grünflächen und Friedhöfe des Wirtschaftsbetriebs Ludwigshafen (WBL), in dieser Woche bei einem Presserundgang über den Hauptfriedhof im Stadtteil West aufmerksam gemacht. Bindert liegt viel daran, die städtischen Friedhöfe langfristig als Orte der Begegnung und der Erinnerung zu erhalten. Daher stellte sie gemeinsam mit Heike Rippl, der Leiterin der Abteilung Friedhofsbetrieb und Krematorium, verschiedene neue Möglichkeiten der Bestattung vor.
Neuerungen seit Juli
Die beiden Verantwortlichen hoffen, dass die Ludwigshafener Friedhöfe dank der vielfältigen Möglichkeiten auch künftig für große Teile der Stadtgesellschaft zentrale Orte für die letzte Ruhe und die Erinnerung an Verstorbene bleiben.
Seit Juli bietet die Stadt die neuen Varianten für Bestattungen und Grabarten an. Die Stichworte pflegearm beziehungsweise pflegefrei spielen dabei eine wichtige Rolle. Denn viele Angehörige leben nicht mehr in der Stadt, in der etwa ihre Eltern begraben sind. Oder die Hinterbliebenen sind selbst schon so alt, dass sie nicht mehr die Kraft haben, sich um die Grabpflege zu kümmern. Diesen und weiteren Bedürfnissen und Wünschen wolle man mit den neuen Bestattungsmöglichkeiten gerecht werden, betonten Bindert und Rippl.
Tiere als Grabbeigabe
Ein Novum auf dem Hauptfriedhof sind kremierte Haustiere als Grabbeigabe. Im Tierkrematorium in Rheingönheim zum Beispiel können Hunde und Katzen eingeäschert werden. Die entsprechenden Behälter mit den sterblichen Überresten der Vierbeiner können seit Neuestem in Urnen- oder Erdgräber auf dem Hauptfriedhof beigefügt werden. Dafür wurden Gräberfelder ausgewiesen beziehungsweise angelegt. „Wir wissen nicht, ob nicht der Kanarienvogel schon längst irgendwo liegt“, erklärt die Friedhofschefin. Aber die Verwaltung wisse, dass Menschen auch ihre Haustiere heimlich in den jeweiligen Familiengräbern beerdigen. Ab sofort ist das nun ganz legal möglich.
Eine weitere Neuerung ist eine Urnengemeinschaftsanlage an einer historischen Friedhofsmauer oder in einem historischen Grab, das dadurch erhalten werden soll. Außerdem sollen durch diese Möglichkeit Lücken in den Gräberreihen geschlossen werden. Für die Hinterbliebenen sind diese Gräber pflegefrei. Pflege und Gestaltung übernimmt der Friedhof.
Variabel bei der Pflege
Das Kräuterrasengrab für Sarg oder Urne ist die dritte neue Variante im Portfolio. Auf einem vorgegebenen Fundament gibt es ein individuell gestaltetes Grabmal mit einer kleinen Grünfläche und einer ebenfalls kleinen Fläche für die individuelle Bepflanzung. Wird dies irgendwann nicht mehr gewünscht, weil die Hinterbliebenen die Pflege nicht mehr leisten können oder wollen, übernimmt die Friedhofsverwaltung die Gestaltung und Pflege.
Über die Vielzahl der Bestattungsmöglichkeiten auf den städtischen Friedhöfen informieren nach Angaben von Gabriele Bindert im Todesfall ausführlich die Bestatter. Neben den neuen Varianten gibt es auf dem 25 Hektar großen Hauptfriedhof mit sehr großem alten Baumbestand auch einen Friedwald mit pflegefreien Urnengräbern im naturnahen Bestattungsfeld, einen Memoriamgarten, eine Urnenmauer und ein Gräberfeld für Muslime. 950 muslimische Bürger haben hier mittlerweile ihre letzte Ruhe gefunden.
Neues Nutzungskonzept
Der Friedhof soll künftig noch viel mehr als bisher ein Ort der Begegnung für alle Teile der Stadtgesellschaft und alle Generationen werden, wünscht sich Gabriele Bindert. Ein Viertel der Friedhofsfläche soll nicht mehr für Gräber, sondern anders genutzt werden. Bindert nennt ein Beispiel: In Karlsruhe gebe es mitten auf einem Friedhof einen Kinderspielplatz und dort auch die Möglichkeit für die kleinen Besucher, ihre Trauer kreativ zum Ausdruck zu bringen.
Mit einer Veranstaltung im Rahmen des Kultursommers gibt es auch auf dem Ludwigshafener Hauptfriedhof schon kleine Schritte in diese Richtung: Am Samstag, 16. August, findet erstmals in der Trauerhalle ein Konzert statt. Das Duo Windflüchter präsentiert dann ab 16 Uhr sein Programm „Jung Sein – Jung Bleiben“.