Ludwigshafen
Der Hauptfriedhof – Eine ganz besondere Grünanlage
Ein Friedhof ist ein Ort des Gedenkens, des Innehaltens, des Trauerns. Doch er ist auch ein grüner Fleck inmitten der Stadt und bietet den Menschen Ruhe in einer gärtnerisch gepflegten Landschaft. Das gilt für die acht Friedhöfe in den Stadtteilen und ganz besonders für den Hauptfriedhof, der mit seinen 25 Hektar fast so groß ist wie der Ebertpark.
„Das ist, neben dem Ebertpark, die schönste Grünfläche der Stadt“, sagt Heike Rippl selbstbewusst. Die Abteilungsleiterin Friedhöfe verweist auf den „Fluss des Lebens“, der sich malerisch mit Staudenbepflanzungen und Bäumen vom Haupteingang an der Bliesstraße bis hin zur 1955 eingeweihten neuen Trauerhalle zieht. Der Vergleich zum bekanntesten Park der Stadt liegt dabei nahe. Hier wie dort hatte schließlich Gärtnermeister Harald Sauer seine gestalterischen Hände im Spiel, auch wenn er selbst diesen Einfluss herunterspielt („Ich habe da nur ein paar Stauden gesetzt.“).
Die Grünpflege auf den Friedhöfen sei eine wichtige Arbeit, betont auch Bereichsleiter Horst Senk. Denn neben der Bestattungskultur tragen die Friedhöfe mit insgesamt 55 Hektar Gesamtfläche und rund 3500 Bäumen nicht nur zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts und des Stadtklimas bei. „Sie werden als Grünanlagen geschätzt. Es gibt viele Menschen, die ihre Mittagspause hier bei uns verbringen. Auch deshalb haben wir hier so viele Bänke stehen.“
Ausflug in die Stadtgeschichte
Und die Friedhöfe haben nicht nur Grünes zu bieten, sondern sind zugleich ein Ausflug in die Geschichte. In die Stadtgeschichte – auch wenn viele Menschen, die in Ludwigshafen ihre Spuren hinterlassen haben, etwa die BASF-Gründer Friedrich Engelhorn und Carl Clemm auf dem Mannheimer Hauptfriedhof liegen oder sich, wie Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, für Speyer als letzte Ruhestätte entschieden haben. „Unsere Ehrengräber sind in erster Linie die Bürgermeister“, sagt Rippl. Valentin Bauer, Friedrich-Wilhelm Wagner und viele andere auch liegen im Ehrengräberbereich nahe des Eingangs an der Frankenthaler Straße. Die Namen auf den Grabsteinen stehen auch auf dem Stadtplan. Hier sind sie umgeben von sehr viel und meist schattigem Grün. „Gerade in diesem alten Friedhofsbereich war es auch bei über 40 Grad erträglich“, sagt die Abteilungsleiterin.
Aber nicht nur der älteste und damit auch grünste Teil des Areals lohnt einen Besuch. Die Urnenmauer beispielsweise, die ein wenig versteckt hinter der Trauerhalle liegt, zeigt eine ganz spezielle Begonien-Bepflanzung. „Unter dem Dach ist ein besonderer Ort“, sagt Rippl mit andächtiger Stimme. Sie könnte sich hier auch kleine, natürlich musikalisch stimmige Konzerte oder auch Lesungen vorstellen. Denn der Friedhof müsse nicht automatisch ein Ort der Trauer sein. „Wir wollen einen Ort der Begegnung, einen Ort des Lebens schaffen.“
Es gilt strenges Hundeverbot
So etwas ist das Baumgräberfeld schon heute. Die Gedenksteine werden nicht an Linden, Birken, Kastanien und Ahornbäumen, sondern an Sammelstellen vereint. Auf den Bänken daneben unterhalten sich die Angehörigen. Solche Orte will Heike Rippl verstärkt schaffen. Dafür wolle sie auch über verschiedene Änderungen nachdenken. So gelte auf den Ludwigshafener Friedhöfen ein strenges Hundeverbot. „Das ist nicht überall in Deutschland so.“ Dadurch könnten teilweise Angehörige nicht an der Beerdigung teilnehmen, denn in der Sommerhitze ist ja auch das Auto kein Platz für Tiere. „Und ältere Frauen schmuggeln manchmal ihre Hunde in kleinen Taschen mit herein“, weiß die Abteilungsleiterin.
Überhaupt gibt es jede Menge freilebende Tiere auf dem Hauptfriedhof: Eichhörnchen, Marder und natürlich viele Vogelarten. Für letztere haben die Mitarbeiter – auf den Friedhöfen übernehmen 35 Menschen die Grünpflege – eigens Nistkästen angebracht. „Kollegen von mir aus anderen Städten haben mir auch schon von einer Waschbär-Kolonie berichtet. Die haben sie eingefangen und in einem eigenen Gehege untergebracht“, sagt Rippl. Eine Attraktion, die auch Familien mit Kindern locke. Eine Attraktion, wie es sie in Ludwigshafen nicht gibt. Hier steht der Friedhof als ruhiger Park mitten im Herzen der Stadt.
Die Serie
Über 1000 Hektar Grünfläche gibt es in Ludwigshafen, darunter viele Parks. In unserer Serie „Ab ins Grüne“ erzählen wir ihre Geschichten, treffen Park-Menschen und genießen selbst den wohltuenden Schatten großer Bäume.