Ludwigshafen
Leere Lokale sorgen bei Gastronomen für großen Frust
Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Rheinland-Pfalz kritisiert massiv die Beschränkungen für das Hotel- und Gaststättengewerbe im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus und fordert gleichzeitig eine Impfpflicht. Am Dienstag appellierten Gastronomen an die Landesregierung in Mainz, die Testpflicht zu streichen.
In Ludwigshafen sind die Gastronomen frustriert, enttäuscht, wütend und kämpfen ums Überleben. Jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft normalerweise längst Fahrt aufgenommen hätte, herrscht allerorten Tristesse. Umsatzeinbrüche, Stornierungen, kaum einen trifft es derzeit stärker als die Gastrobranche.
Stammkunden fehlen
„Die Situation ist brutal“, sagt Renato Straci, Inhaber der Traditionspizzeria „Da Mario“ in der Mundenheimer Straße in Süd. Zahlreiche Gäste bleiben seit der Verschärfung weg. 80 bis 85 Prozent seien es weniger als in normalen Zeiten so kurz vor Weihnachten, schätzt er. Firmenfeiern wurden reihenweise abgesagt. Das „Da Mario“ liegt ganz in der Nähe des Rheinufers Süd. Dort, wo zahlreiche Firmen ihren Sitz haben. Diese Einnahmequelle fällt in diesem Jahr weg. Auch vermisst Straci etliche seiner Stammkunden. „Die sind im Durchschnitt 50 Jahre und älter, machen rund 95 Prozent unsere Kunden aus. Viele von ihnen wohnen auf der Parkinsel“, erzählt er.
Laufkundschaft habe er in der Mundenheimer Straße generell weniger. „Und jetzt gehen noch mehr Leute nach Mannheim rüber, weil dort ja nur 2G gilt“, bedauert Straci. Es ist eine harte, vielleicht sogar die härteste Zeit, die das „Da Mario“ je erlebt hat. Seit über 50 Jahren ist das Lokal in Ludwigshafen ansässig und damit eines der ältesten italienischen Restaurants der Stadt. Straci bietet neben dem Restaurantbetrieb einen Lieferservice an, der auch schon vor Corona gut angenommen wurde. Im „Da Mario“ wollen die Betreiber durchhalten, öffnen jeden Mittag um 11 Uhr die Tür und hoffen wieder auf bessere Zeiten.
„Tialini“ ist geschlossen
Auf dem Platz der Deutschen Einheit hat das Restaurant „Tialini“ bereits für eine gewisse Zeit die Segel gestrichen. Wie lange? „Auf Grund der aktuellen Lage haben wir uns dafür entschieden, vorübergehend unser Restaurant zu schließen. Wir bitten um Ihr Verständnis“, teilt das Unternehmen mit, das in mehreren Städten die Pizza-Pasta-Lokale betreibt. Mitte/Ende Januar wolle man voraussichtlich wieder öffnen, kündigt ein Schild an der Eingangstür in Ludwigshafen an. Andere Gastronomen in der Stadt haben ihren Urlaub kurzerhand vorgezogen. Die Gäste bleiben ja ohnehin aus.
Gähnende Leere im Pub
„Es ist ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagt Andreas Bretz, Inhaber des „Ireland’s Own“, einem Pub in der Bahnhofstraße. Er kocht vor Wut. „Wieder wird die Gastronomie im Stich gelassen“, sagt er und verweist auf den 4. Dezember, als Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga auf Bayern München traf. Solche Spiele seien normalerweise Garant dafür, dass im Irish Pub kein Platz mehr frei bleibt. Stattdessen aber herrschte an jenem Abend gähnende Leere.
„Die Politik muss sich nicht wundern, wenn die Innenstädte noch leerer werden“, betont er. Er habe sich mit Kollegen in Speyer ausgetauscht und sie würden ihm zustimmen, sagt Bretz und berichtet, dass seine Gastronomie-Kollegen ebenfalls leiden. Was Bretz fordert, sind einheitliche Regelungen – länderübergreifend. Zu planen, falle ihm in der aktuellen Situation schwer.
Biergarten geöffnet
Teilweise den Betrieb ins Freie verlegt hat Markus Schulze, der Vereinswirt von Alemannia Maudach im Unteren Grasweg. Dienstags und mittwochs laden er und sein Team in den Biergarten ein. „Wir überlegen sogar, komplett nach draußen zu gehen. Es ist einfacher für uns und unsere Gäste“, meint Schulze. 2G-plus sei für ihn unverständlich. Im Gespräch mit den Gästen sei immer wieder die Frage aufgekommen: „Warum habe ich mich impfen lassen?“ Das Angebot im Freien sei in der ersten Woche sehr gut angenommen worden, hat er festgestellt. „Aber sobald wir wieder rein sind, haben wir 2G-plus gemerkt.“
Viele Gäste, sagt er, seien nicht bereit, sich zusätzlich testen zu lassen. Auch er verbucht zahlreiche Stornierungen. „Alle Feiern wurden bereits abgesagt. Und ich habe keine Hoffnung, dass es über Weihnachten und Silvester besser wird.“ Finanziell sei die derzeitige Situation furchtbar. „Man sitzt sonntagabends mit drei Leuten im Restaurant, während auf dem Weihnachtsmarkt 2G gilt“, sagt er frustriert. Wer möchte, kann sich in der Vereinsgaststätte von Alemannia Maudach selbst testen, muss allerdings seinen Test selbst mitbringen. Schulze ärgert sich darüber, dass nun auch noch mit den Tests Geld gemacht werde.
Bis zu 500 Gäste verloren
Schulze ist nicht der einzige Wirt in Ludwigshafen, der die Möglichkeit bietet, auch im Freien zu essen. Der Vorteil: Es gilt 2G, also geimpft oder genesen. Doch vielen Gästen ist das zu kalt. Gaetano Leone, der auf der Parkinsel die Lokale „Da Leone“ beim Park-Tennisclub und das „Lions“ beim TFC Ludwigshafen betreibt, meint resigniert: „Als Gastronom verliert man wirklich die Lust.“ Das Lokal beim TFC Ludwigshafen hatte er vorübergehend geschlossen. In dieser Woche öffnet er wieder, in der Hoffnung, dass mehr Gäste kommen, „weil ja jetzt doch mehr Leute geboostert sind“, wie er sagt. Sein Lokal „Da Leone“ ließ er die ganze Zeit offen, „aber es war nichts los.“ Auch ihm sind sämtliche Weihnachtsfeiern weggebrochen. 400 bis 500 Gäste seien alleine dadurch weggeblieben.
Die Ludwigshafener Gastronomen wollen sich mit Weihnachts-, Brunchboxen, Abhol- oder Lieferservice über Wasser halten. Doch nicht wenige Wirte befürchten, dass etliche Betriebe den zweiten Corona-Winter wirtschaftlich nicht überleben werden.