Mannheim / Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Lahmgelegter Berufsverkehr: Was die Klima-Aktivisten bezwecken

Aktivisten von "Letzte Generation" blockierten am Montagmorgen den Mannheimer Luisenring. Der Rückstau reichte auf Ludwigshafene
Aktivisten von »Letzte Generation« blockierten am Montagmorgen den Mannheimer Luisenring. Der Rückstau reichte auf Ludwigshafener Seite bis zur A 650, Anschlussstelle Oggersheim-Süd.

Die „Letzte Generation“ hat bereits auf vielfältige Weise gegen den Klimawandel protestiert. Am Montagmorgen klebten sich jetzt mehrere Aktivisten in der Nähe der Kurt-Schumacher-Brücke fest.

Sie wünschen sich eine Lebenserklärung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). „Keine neuen Ölbohrungen in der Nordsee! Stattdessen muss jetzt ein sofortiger massiver Ausbau erneuerbarer Energien erfolgen“, lautet die Forderung der Aktivisten von „Letzte Generation“, die am Montagmorgen den Verkehrsfluss auf dem Mannheimer Luisenring stoppten.

Einer von ihnen war Raúl Semmler. Der 37-Jährige hat sich nach eigener Aussage jüngst in NRW bei einer Wahlkampfveranstaltung von Robert Habeck mit Sekundenkleber festgeklebt und protestiert – am Montagmorgen tat er Gleiches zwischen der Kurt-Schumacher-Brücke und der Mannheimer Liebfrauenkirche. „Wir haben die friedlichen Mittel des Protests in den vergangenen Jahren ausgeschöpft“, sagte Semmler gegenüber der RHEINPFALZ. „Fridays for Future war so oft auf der Straße, es wurden so viele Petitionen geschrieben, und mittlerweile kritisiert sogar UN-Generalsekretär António Guterres eine ,kriminelle’ Untätigkeit beim Klima.“

Mit Desinfektionsmittel von Straße gelöst

Die Widerstandsaktionen von „Letzte Generation“ in Deutschland – seit Ende April haben die Aktivisten regelmäßig auch Ölpipelines in verschiedenen Orten abgedreht – sollen deshalb fortgesetzt werden und würden auch nachdrücklicher, sagt Semmler. „Wenn die Regierung angesichts des Klimanotstands nicht handelt, dann muss sie uns eben Geldstrafen aufbrummen oder uns einsperren.“

Auf dem Mannheimer Luisenring kam es aufgrund der Protestaktion am Montagmorgen laut Polizei ab 7.45 Uhr stadteinwärts zu erheblichen Behinderungen. Zeitweise habe der Stau bis auf die A 650, Anschlussstelle Ludwigshafen Oggersheim-Süd/Bruchwiesenstraße gereicht. Weil die Aktivisten die Fahrbahn nicht räumen wollten, mussten sie durch Polizei- und Rettungskräfte von der Fahrbahn gelöst werden. „Die Beamten haben dafür Desinfektionsmittel benutzt“, erzählte Semmler. Dabei seien sie sehr vorsichtig und respektvoll vorgegangen, wie der 37-Jährige betont.

„Zorn auf Regierung“

Mit Semmler gemeinsam protestiert haben am Montagmorgen auch Michael Scheurer (73), Penelope Frank (31) und Stefan Lux (40). „Ich habe einen riesen Zorn auf die Regierung, die ihrer Verantwortung der Klimakatastrophe gegenüber nicht nachkommt!“, lässt sich etwa der 73-jährige und dreifache Großvater Scheurer in einer Presseerklärung zitieren. „Wir als ältere Generation haben es aber auch mit verbockt. Wir waren engstirnig, haben immer nur auf Wachstum geschaut, egoistisch nur auf das eigene Wohlergehen.“

Penelope Frank sagte zu ihren Beweggründen: „Ich hocke mich hier hin, da sich trotz über drei Jahren Fridays for Future nur minimal etwas geändert hat. Es gibt jetzt schon eine Menge Katastrophen in Deutschland, wie zum Beispiel letztes Jahr im Ahrtal oder aktuell drei Tornados an nur einem Tag – und all das bereits im Mai.“

Bei allem zivilen Ungehorsam, auf den die Aktivisten von „Letzte Generation“ setzen, betont Raúl Semmler: „Von den fünf Aktivisten an der Kurt-Schumacher-Brücke hatten sich nur vier festgeklebt – damit im Notfall definitiv eine Rettungsgasse frei ist.“ Ein Krankenwagen oder auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr hätten die Strecke demnach jederzeit passieren können. „Wir tun das ja für alle Menschen“, fasste Semmler die Intention des Protests zusammen, „die Rettungsgasse freizuhalten, ist bei uns nie eine knappe Kiste“.

Staatsschutz ermittelt

Gegen 9.20 Uhr war die blockierte Straße laut Polizei wieder frei. Da der Verdacht des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz sowie der Nötigung im Raum steht, sind die Aktivisten zu einem Polizeirevier gebracht worden. Das Dezernat Staatsschutz der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg habe die Ermittlungen aufgenommen.

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